Vom Untode und den Geistern
Aktualisiert am 29. Juli 2008 von AliDer Untod ist ein Zustand, der insofern schwer zu beschreiben ist, als es ihn real nicht gibt und deshalb niemand genau erzählen kann, wie das denn so ist, untot zu sein. Selbst, wenn er es könnte, so würde diese Erzählung immer noch nichts bringen, weil es nicht repräsentativ wäre, denn ein Werwolf fühlt sich anders als ein Fackelmann und ein Vampir anders als eine Banshee. Glaubt der Anonyme Christ zumindest, auch, wenn er es nicht beschreiben kann, weil es ja niemand aus erster Hand… aber gut, der Leser wird verstanden haben, was der Anonyme Christ meint. Fangen wir beim Untotentum an bei der Lykantrophie. Das ist keine juckende Geschlechtskrankheit, sondern ein Fluch. Lykantrophie ist genauer gesagt der Fluch, sich bei Vollmond (oder je nach Mythos-Version zu anderen Zeiten) in einen Werwolf verwandeln zu müssen. Das Ganze geht zurück auf einen griechischen König namens Lycaon von Arkadien. Zeus selbst war Gast bei dem barbarischen Herrscher, und er bekam auch freundlicherweise eine Platte voll saftigen Fleisches. Das einzige, was Zeus an diesem Braten störte, war, dass es sich um Menschenfleisch (einige Versionen sprechen von Kinderfleisch) handelte. Er wurde stinksauer, und wenn Zeus stinksauer ist, dann bleibt kein Auge trocken. Er brüllte: "Burn, Motherfuckers!" und setzte erstmal alle und alles in Brand. Außer Lycaon selbst, den verwandelte er zur Strafe in einen Wolf. Daher kommt der Name Lykantrophie. Übrigens hatte das Ganze noch ein Nachspiel. Zeus stapfte nämlich wutentbrannt aus den Trümmern des Hauses hinaus und setzte danach die ganze Welt unter Wasser, um alle Menschen zu vernichten. Hätte der brave Prometheus nicht wenigstens König Deucalion und seiner Frau Pyrrha die Geheimakte über die Weltvernichtung zugesteckt, so hätte wahrscheinlich keiner diese Flut überlebt. Die Germanen übernahmen diese Sage. Durch bestimmte magische Gürtel, gefertigt aus der Haut Gehenkter oder aus Flachs, welchen der Teufel gewebt hat, konnten sich auch im Mittelalter Leute in Wölfe verwandeln. Ganz sicher, immerhin hat man in und außerhalb der Hexenprozesse viele Leute mit der Anschuldigung drangekriegt, sie seien Werwölfe; dies belegen viele Prozessprotokolle aus dem 16. und vor allem 17. Jahrhundert n. Chr.. Nicht nur Menschen, sondern auch Wölfe wurden als Werwölfe hingerichtet, so zum Beispiel 1685 n. Chr. in Ansbach, wo man dem getöteten Wolf sogar die Schnauze abschnitt, ihn mit einer Menschenmaske und Kleidern antat und ihn henkte. Vor 1500 n. Chr. war kaum etwas von Werwolfsprozessen zu hören gewesen, doch gab es den Glauben auf jeden Fall, wie Burkhard von Worms um 1000 n. Chr. bezeugte, indem er ihn als Schwachsinn abtat. Trifft man im Kampf gegen einen Werwolf die Gürtelschnalle, springt sie auf, und man steht einem Nackedei gegenüber. Ein bisschen verwandt mit dem Werwolf ist der
Berserker, denn beidem liegt der Glaube zugrunde, sich durch Tierfelle oder sonderliche Assessoirs in Tiere verwandeln zu können.
Das führt uns zu einem weit verbreiteten Irrtum, nämlich dem, dass man Werwolf auch durch Biss eines anderen Werwolfs werden kann. Stimmt aber mythologisch gesehen nicht. Der Leser dieser Website Mike 34 meint übrigens gehört zu haben, dass man zum Werwolf werden konnte, wenn man Wasser aus einer Wolfsspur trank oder aber vom Wolf gerissenes Vieh gegessen hatte. In verschiedenen Gegenden konnte sogar das Trinken aus einer Waldquelle gefährlich sein, konnten diese doch verzaubert sein wie beim Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“.
In Besancon fand 1521 n. Chr. der erste dokumentierte Werwolfsprozess statt. Zwei Männer bezichtigten sich, sich durch Hexensalbe in Werwölfe verwandelt zu haben und junge Leute getötet zu haben, um in ihrem Blute zu schwelgen. Sie hätten auch Wölfinnen gevögel… äh, wie sagt man da, gewölfelt? Wie auch immer, interessant ist, dass nur ein Teil der Aussagen unter der
Folter gemacht wurde, einige mögen aus einer Art Lust an der Selbstbezichtigung gemacht worden sein.
Nun werd sich der wehr oder werniger geneigte Leswer fragen, wie man denn üwerhaupt auf die Idee kommen konnte, dass sich Menschen in Werwölfe werwandeln könnten. Nun, ganz einfach, wermutlich hat man beobachtet, dass oft große Hunde oder Wölfe nachts auf Friedhöfen werumliefen. Man begrub in Europa Tote früher bei Weitem nicht so tief wie heute. Vor allem im Spätmittelalter konnte man sich oft schlicht keinen Sarg leisten. Somit war der Friedhof natürlich ein sehr beliebter Platz für Tiere, vor allem für Hunde. Hunde, die Leichenteile fraßen, bei Tage verjagt werden konnten, bei Nacht aber nicht… Klingt doch schon mehr nach Werwolf, oder? In einigen Gegenden war manchmal die Rede von schwarzen, großen Hunden, die nachts die Friedhöfe bewachten, eine Legende, die sowohl in England als auch in den slawischen Ländern vorkommt. Aus dem Slawischen kommt auch die Sage vom Vlkodlak, einem personifizierten Wolf in Menschenform. Die Engländer haben gleich mehrere Sagen-Riesen-Hunde oder -Wölfe wie zum Beispiel den ostenglischen riesigen Straßenköter und Todesboten Galleytrot (also nicht auf Friedhöfe beschränkt) oder den mythologisch stark mit ihm verwandten, aber angriffslustigen Old Shuck, dessen Blick aus leuchtend gelben schrecklichen Augen jeden innerhalb von einem Jahr tötet, der sie sieht. Der Kludde, ein geflügelter Hund in den belgischen Sagen, folgt einem nur, erschreckt einen vielleicht etwas, ist aber sonst harmlos. Dazu muss man bedenken, dass der Wolf im Mittelalter das in kalten Wintern gefürchtetste Tier überhaupt war, denn auch, wenn Wölfe normalerweise keine Menschen angreifen, trieben der Winter und der Hunger sie doch oft zum Vieh und damit zu dessen Hütern. Heute in Zeiten des BSE und Vogelgrippe sind die gefürchtetsten Tiere ja inzwischen das gemeine Rindviech und das noch gemeinere Huhn. Doch waren die Wer-Friedhofstiere nicht immer unbedingt Hunde oder Wölfe, denn es war lange Zeit in Europa Brauch, ein Tier auf dem Friedhof zu lebendig zu begraben, damit es über die Toten wache. Weil der Friedhof früher meist unmittelbar bei der Kirche war, nannte man die daraus resultierenden Gespenstertiere auch Kirk-Grim (Kirchenschreck). Die kopflosen Hunde von Dartmoor, die Devils Dandy Dogs von Cromwell… gar einen ganzen geisterhaften Leichenzug von Friedhofshunden oder eben Werwölfen will man in Plymouth gesehen haben, angeführt von niemand Geringerem als Sir Francis Drake, einem berühmten Freibeuter Englands. Auch die Rumänen kennen einen speziellen Werwolf, und dessen Ort ist nun nicht mehr unbedingt der Friedhof: Der Virolac ist gar in der Lage, Gestirne zu fressen.
Übrigens gibt es Werwesen generell fast überall: Es gibt Wertiger, -leoparden, - hyänen in Indien und Afrika, gar Werkrokodile, Werbären in Russland. Eine weitere Theorie besagt, dass die Idee des Werwesens schon daher kommt, dass Jäger in der Steinzeit Tierfelle überzogen, als Tarnung. Wurde so ein Mann getötet oder man fand ihn nicht wieder, so lag die Idee vom Werwolf nahe, sobald man von einem besonders großen und gefährlichen Exemplar terrorisiert wurde, dessen man nicht habhaft werden konnte. Darum sind
Werwesen auch fast immer männlich, immerhin kommt "Wer-" von "Vir", was eben lateinisch "Mann" heißt.
Hatte der Anonyme Christ eben geschrieben, dass es ja Werwölfe eigentlich gar nicht gebe, dann stimmt das nicht so ganz. Es scheint schon Leute gegeben zu haben, auf die die Beschreibung von Werwölfen einigermaßen hätte passen können. Eine recht seltene Erbkrankheit aus der Familie der Porphyrien stört nicht nur die Produktion der roten Blutkörperchen, sondern macht dadurch auch extrem lichtempfindlich. Dem Licht ausgesetzte Haut bildet Blasen und Geschwüre und vernarbt; das Körperhaarwachstum beschleunigt sich. Durch den Rückzug des Zahnfleisches entsteht der Eindruck besonders langer Reißzähne. Glücklicherweise ist die Krankheit recht selten, doch die Blutarmut führte dazu, dass die Kranken versuchten, diesen Blutmangel mit Tierblut auszugleichen, was gar nicht so dumm ist, betrachtet man die Tatsache, dass man diesen Patienten heute Bluttransfusionen gibt. Knoblauch übrigens greift rote Blutkörperchen an, was gesunde Leute wenig beeindruckt, Porphyriekranken aber nur noch mehr schadet.
Es gibt noch eine andere Krankheit, die eine gewisse Ähnlichkeit hat mit der Porphytrie, jedoch keine Erbkrankheit, sondern eine Mangelerscheinung war, und die auch untotentechnisch interessant ist. Der Arzt Georg Tallar veröffentlichte 1784 n. Chr. ein Werk über eine unbestimmte Krankheit, die auf Mangel an bestimmten Nährstoffen zurückzuführen war und zu Auszehrung und Blässe führte. Der Gaumen verhärtete sich bei den Kranken und schob so die vorderen Zähne nach vorne. Wie es zur damaligen Zeit durchaus Praxis war, suchte man sein Heil in der Magie, unter anderem im Einreiben des Körpers mit Blut von Leichen. Interessant ist vor allem, welche Pflanze die Mangelerscheinungen am schnellsten beheben konnte: Knoblauch. Der gesaugte, sorry, geneigte Leser wird es schon geraten haben: Das hört sich sehr nach Vampiren an.
Vampire gibt es in sehr vielen Mythologien, und es ist keineswegs so, dass Graf Dracula der Urvater der Vampire ist. Graf Dracula mag ein Vorreiter gewesen sein, was den aristokratischen Vampirtyp angeht, doch ist er bei weitem nicht der erste Vampir. Als Bram Stoker 1897 n. Chr. sein Werk über den adeligen Blutsauger herausbrachte, gab es Vampire im Volksglauben schon seit über 400 Jahren. Allerdings war ein Vampir zu jener Zeit eher ein rotgesichtiger osteuropäischer Bauer (die Vampirsage stammt aus dem Slawischen, daher osteuropäisch) mit weit aufgerissenem Maul und ohne jene charmant-düstere Art, die den Grafen Dracula auszeichnete. Auch heute sind die meisten Blutsauger in hohen gesellschaftlichen Positionen, was allerdings noch lange nicht heißt, dass sie ähnlich perfekte Umgangsformen wie Graf Dracula haben. Nun gibt wie gesagt es Vampire nicht nur da, wo Dracula entstand, sondern auf der ganzen Welt, und oft ist auch dokumentiert, wie das Wesen überhaupt erst zum Vampir wurde. So wird man bei den Slawen zum Moroi, einem in Tiere verwandelbaren Vampir mit der Macht zu Schadenszaubern, wenn man schon zu Lebzeiten mit Vampiren Kontakt hatte. Weibliche Moroi verraten sich durch ihr rotes Gesicht, männliche durch ihre Glatze. Moroi wird man auch, wenn man von einem Nosferat geboren oder gezeugt wird, also einem unehelichen Kind eines unehelichen Kindes. Auch Nosferate haben angeblich vampiristische Eigenschaften, lieben aber auch wilde
Sex-Orgien. Sie können junge Paare unfruchtbar machen. Strigoi sind sehr mit Moroi verwandt und haben ähnliche Eigenschaften, doch werden sie zu Untoten, indem sie einen schlechten Lebenswandel führen, sich umbringen oder aber unverheiratet bleiben. Zum Strigoi-Dasein nach dem Tod kann aber auch schon verdammt sein, wer mit der Eihaut geboren wurde oder der siebte Sohn ist. Oder wer im Mutterleib von einem Vampir erblickt wurde (der Blick von außen reicht, hat mit Gynäkologie nichts zu tun). Eine weitere interessante Entstehungsgeschichte weist der Danag vor, ein ursprünglich hilfreicher Dienstgeist von den Philippinen. Eines Tages hatte sich eine Frau in den Finger geschnitten, und hilfreich wie immer saugte der Danag das Blut vom Finger, fand aber derart Geschmack daran, dass er direkt die ganze Frau leer saugte und fortan von Blut lebte. Ähnlich lüstern nach dem Blut Schlafender sind die Gandharven in Indien. In Togo gibt es den Adze, den einzigen Vampir, der sich mit etwas Glück mit Palmöl oder Kokosmilch zufrieden gibt statt mit Blut, doch am liebsten mag er halt Kinderblut. Er kann Menschen besitzen (im Sinne von Besessenheit) und als Leuchtkäfer umherfliegen. Ebenfalls aus Togo, Ghana und der
Elfenbeinküste kommen die Asanbosam. Das sind fast normal aussehende Leute, bis eben auf die eisernen Zähne und die Haken an den Füßen. Sie sind angeblich sehr angriffslustig und ebenfalls Blutsauger. Ebenso sehr blutrünstig ist der Bajang aus Malaysia, ein Geist, der nur in einem totgeborenen Kind aufwachsen kann. Mit bestimmten magischen Ritualen kann man ihn sich dienstbar machen und in eine Flasche sperren. Er kann sich dann, wenn er lange genug mit Milch und Eiern großgezogen worden ist, in einen Marder verwandeln und auf Geheiß des
Meisters Leute anfallen, welche dann an einer Krankheit sterben. Den Besitzer eines Bajang entlarvt man, indem man ein Gegenritual praktiziert, nach dem dann diesem Besitzer die Haare ausfallen. Auch südafrikanische Hexen verfügen manchmal über einen dienstbaren Vampir, einen Impundulu. Er dient seiner Herrin gar als Liebhaber und bringt Krankheit und Tod über ihre Feinde. Der Blutdurst des Impundulu ist sehr groß, und hierin darf selbst seine Herrin ihm nicht Einhalt gebieten, wendet er sich doch sonst gegen sie. Hat er sie getötet, ist er herrenlos und wird dann Ishologu genannt. Auch der Blutdurst des Kuang Shi, eines chinesischen Vampirs mit dem Roman-Dracula sehr ähnlichen Eigenschaften, ist sehr blutrünstig, sieht allerdings mit weißem oder grünem Fell und roten Augen recht übel aus. Zum Kuang Shi wird, wessen Leiche von einem Tier übersprungen wurde. Auch, wenn die Leiche zu lange in der Sonne oder unter dem Mond gelegen hatte, lud sich der tote Körper mit soviel aktiver Lebensenergie Yang auf, dass die körperliche Seele Po nicht zur Ruhe kam. Sehr gierig nach dem Blut junger Männer ist eine Sundal Bolong. Zur Sundal Bolong werden auf Java Mädchen, die sich nach einer Vergewaltigung mit Schwangerschaftsfolge umbringen. Noch gieriger gar scheint der Blutschink zu sein, ein in Tirol beheimateter Troll, der zunächst das Blut der Menschen saugt und sie sodann ganz aufisst. Er soll haarig und riesig sein, und seine menschlichen Füße und Beine triefen vor Menschenblut (Blutschink heißt nichts anderes als Blutschenkel).
In Indien sollen einige nicht mehr so ganz lebendige Frauen von den Dächern aus Garn auf Schlafende herablassen und an diesem das Blut aus deren Adern saugen. Schon im alten Rom gab es Strigas, Hexen, die sich in geflügelte Wesen verwandeln konnten und Kinder raubten. In Malaysia kennt man die Langsuir, Frauen, die im Kindbett starben. Nach vierzig Tagen wird solch eine Frau zu einer Schönheit mit grünem Kleid, langen Fingernägeln und schwarzem Haar, die fliegen kann und einen zusätzlichen Mund im Nacken hat, den sie dazu benutzt, Kinder auszusaugen. Steckte man in diesen Nackenmund eigene Haare und schnitt ihr die Fingernägel, so verwandelte sich die Langsuir wieder zurück und war erlöst. Wollte man erst gar nicht, dass eine Frau zur Langsuir wird, so musste man ihr im Grab Glasperlen in den Mund, Hühnereier unter die Achseln und Nadeln auf die Hände streuen. Das ebenfalls untote Kind einer Langsuir ist ein Pontianak. Ebenfalls flugfähig ist die auf den Philippinen bekannte Aswang, eine schöne Frau, die nachts zu einem fliegenden Ungeheuer wird deren Zunge extrem lang ist und einer Art flexiblen Strohhalms ähnelt. Die Aswang kann die Zunge durch Ritzen und Spalten hindurch führen und so schlafenden, besonders Kindern, Blut aussaugen. Interessant ist hier die Parallele zu Lilith und zum europäischen Vampir, da auch gegen die Aswang Knofi hilft. Außerdem kann die Aswang einem Menschen den Schatten fortsaugen, worauf dieser bald stirbt. Ähnlich wirkt die Chordeva, eine bengalische Vampirhexe, die Kranken ihr Essen stiehlt und ihnen im Schlaf über die Lippen leckt. Dass es die Chordeva auch in Deutschland gibt und sie auch um das eigene Haus herumschleicht, hört man nachts, wenn eine schwarze Katze besonders laut und gruselig miaut: Das ist die Chordeva in ihrer Katzenform. Die Femme fatale der weiblichen Vampirin kannten schon die alten Griechen und nannten sie Empuse, wobei diese als schöne Frau erscheint, in Wirklichkeit aber sehr hässlich ist. Ähnlich verwandelt sich die philippinische Mandurugo immer nachts, wenn ihr Gatte schläft, von einer wunderschönen Frau in ein fliegendes Vampirwesen. Die Oni aus Japan sind ebenso schöne Frauen, die sich an Männer heranmachen. Wenn sie ihr wahres und abscheuliches Gesicht zeigen, ist es zu spät für das Opfer. Noch weiter treibt es die Lamia, eine Ex-Geliebte des Zeus, die von dessen eifersüchtiger Gattin Hera in den Wahnsinn getrieben wurde und ihre eigenen Kinder verschlang. Sie verlor ihre Fähigkeit zu Schlafen und damit auch ihre Schönheit und verschlingt seitdem gestohlene Kinder, denen sie zunächst das Blut aussaugt. Dazu verwandelte sie sich oft in eine schöne Frau. Die Lamia wurde später bis ins späte Mittelalter in verschiedensten Varianten dargestellt, von der schönen Frau bis zur grottenhässlichen Mensch-Tier-Mischung. Das Motiv der Femme fatale wird noch deutlicher bei den schottischen Baoban-Sidh, jungen, blonden, grüngekleideten und wunderschönen Mädchen, die im Wald umherstreifen und - zunächst, ohne Argwohn zu erwecken - die Bekanntschaft junger Männer suchen, welche sie nach ein paar Stunden des Vergnügens ähnlich einer anspruchsvollen Ehefrau bis auf den letzten Blutstropfen aussaugen. Ähnlich und verwandt damit ist die ursprünglich keltische Dearg-Due, eine Frau, die aus ihrem Grab entstiegen ist und sich ähnlich verhält wie die Baoban-Sidh. Man legte schwere Steine auf verdächtige Gräber, so konnten sie nicht mehr hervorkommen. Die Katze von Nabeshima ist wieder eine andere Variante. Sie soll eine japanische Konkubine eines Prinzen getötet haben und in deren Rolle geschlüpft sein, woraufhin der Prinz schwer erkrankte. Ein Wächter schöpfte Verdacht, doch als er sie töten wollte, verwandelte sich das Wesen in seine Katzenform. Es sollte noch lange dauern, bis man das Wesen zur Strecke bringen konnte. Die Verwandlung in eine schöne Frau zwecks Opfersuche ist ein häufiges Motiv, muss aber nicht immer sein. So ist und bleibt die malaysische Penanggalan, der Geist einer im Kindbett verstorbenen Frau, mit ihrem großen, phosphoreszierenden Kopf und den heraus quellenden Eingeweiden nur bedingt attraktiv. Das von ihren Eingeweiden tropfende Blut soll schlimme Verletzungen verursachen. Dabei müssen es nicht einmal immer Frauen sein, die es auf Kinder abgesehen haben, denn in Westafrika leben die Obayifo, Vampire, die Kindern Blut aussaugen, aber auch Pflanzen, wodurch sie Ernten vernichten. Wer sehr gerne Fleisch isst und einen unsteten Blick hat, macht sich verdächtig, ein Obayifo zu sein. Ähnlich kann auch der rumänische Zmeu sowohl weiblich als auch männlich sein, und auch er/sie versucht, junge Exemplare des anderen Geschlechts zu verführen und dann zu töten. Dazu führt er/sie sie auf ein schönes Weidegrundstück, welches er/sie dem Opfer als Liebesgeschenk versprochen hatte. Sollte es dennoch einmal zu einer ernsthaften sexuellen Verbindung von Vampir und Mensch kommen, so ist nach südslawischem Dafürhalten ein Dhampir das Ergebnis, der entweder kurz nach der Geburt stirbt oder aber überlebt und außergewöhnliche Kräfte entwickelt. Insofern ist Wesley Snipes als Daywalker „Blade“ in der gleichnamigen Comicverfilmung etwas fehl am Platze, weil er nur bedingt als typischer Südslawe durchgehen mag.
Natürlich gibt es auch original-jüdisch-christliche Vampire: Judaskinder zum Beispiel. Das sind rothaarige Vampire, die als Zeichen nicht die typischen zwei Einstiche hinterlassen, sondern drei Kreuze als Symbol für die dreißig Silberlinge, für die der angeblich rothaarige Judas Ishkariot Jesus verraten hat. Judaskinder brauchen immer nur einen einzigen Biss, um das Opfer zu töten oder in ihresgleichen zu verwandeln. Die
Juden kannten auch die Shtria, eine Vampirin, die Kinder raubt. Blieb der Mund einer Frauenleiche offen, so füllte man ihn mit Erde, um die Verwandlung in eine Shtria zu verhindern.
Sieht man sich neuere Draculafilme an, so kann man eine Verbindung zur Erotik nicht leugnen. Die Verbindung von Vampiren und Erotik ist aber keine Erscheinung der Neuzeit, wie man glauben möchte. Es mag verwundern, doch die erste Szene, die Bram Stoker auf einem Zettel als Gedankenstütze niederschrieb, war nicht etwa eine spannende
Kampfszene oder ein strategisches Konzept der Gesamtgeschichte, sondern die wohl erotischste Szene des ganzen Romans, nämlich die, in der drei hübsche Vampirbräute den wehrlosen Romanhelden Jonathan vernaschen. Diese drei bleichgesichtigen Männervernascher sind die Urmütter aller heutigen Frauen, die sich als Vamp bezeichnen. Äh, Urmütter ist vielleicht ein seltsamer Begriff, der Anonyme Christ persönlich denkt bei der Vorstellung an diese drei lüsternen Blutsaugerinnen eigentlich nicht unbedingt an Mütterlichkeit.
Was bringt man noch mit Vampiren in Verbindung? Klar, Vampire! Äh, also, Vampirfledermäuse. Die größte heimische Fledermaus in Deutschland ist acht Zentimeter groß und frisst
Insekten. Zwar gibt es in der Tat Fledermäuse, die Blut saugen (die echte Vampirfledermaus zum Beispiel heftet sich bevorzugt an Pferde), doch ist der wahre Grund, warum Fledermäuse als vampiristisch bezeichnet werden, eher, dass ihre Art des Fliegens leise, heimlich und flatternd ist, abrupt die Richtung wechselnd und vor allem nachts. Auch konnte man nicht so leicht ausmachen, wo Fledermäuse sich tagsüber aufhielten, und so rankte sich um sie der Mythos des Teuflischen. Schon vor der Vampirsage nagelte man Fledermäuse zur Geisterabwehr an Stalltüren, benutzte man ihre Körperteile für
Zaubertränke und jagte sie. Als dann die Vampirsage aufkam, passten die Fledermäuse einfach genau in die Klischees des Vampirismus. Übrigens werden Fledermäuse oft auch verehrt, zum Beispiel auf Bali oder in China.
Ach so, da fällt dem Anonymen Christen gerade noch ein, dass er gerade eine falsche Aussage gemacht hat: Also, die Vampirfledermaus saugt kein Blut, sondern sie leckt es. Sie verursacht eine kleine Wunde auf einer Kuh oder einem Esel und leckt das ausfließende Blut. Von Saugen keine Spur (auch wenn die Fledermaus ein Säugetier ist). Man sollte die Vampirfledermaus übrigens nicht wie die untoten Vampire mit einem Pflock töten, denn Vampirfledermäuse stehen unter Naturschutz.
Auch schwarze Katzen und andere Nachttiere werden mit Vampiren in Verbindung gebracht. Katzen können angeblich einen Menschen zum Vampir machen. Doch, doch, geht sogar recht einfach. Die Katze braucht nur über einen Verstorbenen drüberzuklettern, und schon ist ihm ein Schicksal als Vampir unausweichlich. So glaubte man zumindest im Mittelalter in Europa, doch war dies nicht der einzige Grund, warum man Katzen akribisch aus Häusern heraushielt, in denen ein Toter aufgebart war. Man glaubte nämlich auch, Katzen hätten im Schwanz ein besonders großes Haar, mit dem sie die Seele eines Menschen rauben könnten, und die sozusagen frei floatende Seele eines gerade Verstorbenen sei eine leichte Beute für die Katze gewesen. Oft dämonisiert, oft verehrt, ist die Katze ein Wesen, um das sich Hunderte von Sagen ranken. Die phosphoreszierenden Augen, die elegante und lautlose Art der Bewegung, die Nachtaktivität, dass scheinbare Eigenleben des Katzenschwanzes, das gruselige Miauen in der Nacht, die Fähigkeit, plötzlich aufzutauchen und genauso schnell wieder zu verschwinden… all dies sind Eigenschaften, die sonst nur Hella von Sinnen hat und die dazu führen, dass es im Grunde fast kein Volk gibt, dass die Katze (sofern sie sie kennt) nicht in irgendwie auch mystifiziert. Interessant ist dabei die Parallele zwischen Negern und Katzen: Je schwärzer, umso mehr Kräfte traut frau dem Wesen zu (Achtung Spätzünderwitz).
Manchmal bringt man auch das Henkelkreuz in Verbindung mit Vampiren, sozusagen als ihr Zeichen. Aber mal ehrlich: Nur, weil ein namhaftes Rollenspielsystem dieses Zeichen immer wieder benutzt und sogar Ankh-Würfel herausgibt, und nur, weil ambitionierte Gothics dieses Zeichen für irgendwie vampirbezogen halten, ist das Henkelkreuz noch lange nix Vampiristisches. Das Ankh ist ein alt-ägyptisches Zeichen (Anch) für Leben und Fruchtbarkeit, und die alten Ägypter hatten allem Anschein nach von Vampiren keine Ahnung.
Man tötet einen Vampir übrigens mittels eines Holzpflocks, welchen man durch sein Herz stößt. Das Pfählen von Vampiren ist mehr als nur eine Geschichte. Der Bocksen-Mann, benannt nach dem Ort seiner Auffindung, ist ein Typ, der schon seit geraumer Zeit tot ist. Er liegt - immer noch tot - in einem schwedischen Museum und gammelt kein bisschen vor sich hin, weil das Moor, aus dem man ihn gezogen hat, ihn konserviert hat. Der Typ hat eine interessante Besonderheit: In seinem Herzen steckt ein hölzerner Pfahl, gerade so, als ob er aus einem Bram-Stoker-Roman entsprungen ist. Gerade so wie bei einem besiegten Vampir. Man hat herausgefunden, dass er wohl zum Zeitpunkt seiner "Pfählung" bereits tot gewesen war. Glaubt man der Literatur von damals, so waren solche Maßnahmen durchaus Usus, doch ist nach Wissen des Anonymen Christen der Bocksen-Mann die einzige Leiche, die man mit nach dem Tod in die Brust gerammtem Pfahl gefunden hat.
Interessanterweise steht der Mulo, ein Wiedergänger und Vampir aus dem Volksglauben der Roma, ebenfalls in einem gewissen Zusammenhang mit dem Bocksten-Mann. Um zu verhindern, dass eine Leiche ein Mulo wird, so sagen die Roma, stoße man ihr einen Weißdornpflock oder eine lange Nadel durch das Herz.
Apropos Wiedergänger: Auch Wiedergänger sind nicht etwa eine Erfindung der Horrorautoren. Wer sündig gewesen war zu Lebzeiten, aber noch eine Art allerletzte Gnadenchance bekam, wurde zum Wiedergänger, so sagte man im Mittelalter. Wiedergänger sind also Tote, die angeblich komplett aus ihrem Grab herausklettern, auf dem Friedhof beten oder tanzen oder gar diejenigen, gegenüber denen sie gesündigt hatten, um Vergebung bitten. Zwar ist der Wiedergänger auch physisch anwesend, also nicht etwa nur in geisterhafter Form, doch wird kaum davon berichtet, dass einer je einem Lebenden etwas getan hat, denn er will ja Vergebung, nicht etwa Rache. Allerdings soll es auch Tote geben, die kurz nach der Beerdigung gestört wurden und sich zur Wehr setzen. Auch Beschwörungen können einen Wiedergänger erwecken, welcher aber im Gegensatz zum handelsüblichen Zombie einen eigenen Willen hat. Um Wiedergang zu verhindern, legte man eine Münze in den Mund oder unter die Zunge des Toten und achtete darauf, seine Augen gut zu schließen. Kaiser Gaius Cäsar Augustus Germanicus, genannt Caligula, war ein berüchtigter übler Imperator, so übel, dass man nach seinem Tod glaubte, er sei ein Wiedergänger. Auch Polykrites, dessen Sohn man nach dem Tod des Vaters töten wollte, kehrte zurück, die Frucht seines Leibes zu schützen. Nicht nur Sündige kamen in Gefahr, Wiedergänger zu werden, sondern auch Leute, deren Leiche man nie fand oder die eines plötzlichen Todes gestorben waren und es noch nicht ganz kapiert hatten. Darum waren Wiedergänger oft blond. Ein bisschen wurde der Wiedergänger auch dem Zombie gleich gesetzt, von wegen böser Magier im Hintergrund und so. Andere Quellen sprechen durchaus von Leuten, die ihre Verbrechen nach ihrem Tod weiterführen wollten, also sooo harmlos dann doch nicht waren, aber wie gesagt: Da gehen die Quellen etwas auseinander. Die Russen kennen den boshaften Jeretik als Wiedergängerkönig, dessen Anblick einen langen, qualvollen Tod voraussagte. Der Lugat ist die albanische, immaterielle Variante. Ein Masan, ein indischer Wiedergänger, kann nur ein Angehöriger niederer Kaste werden. Ebenfalls aus Indien kommen die Preta, das sind bemitleidenswerte verstorbene Säuglinge, oft auch solche, die wegen schwerer Missbildungen nicht überlebt haben, vielleicht sogar getötet worden waren. Sie waren exakt ein Jahr lang Wiedergänger und durften nicht die Erde berühren und niemals Wasser trinken, obwohl sie Durst hatten. Man hängte kleine Beutel mit Milch auf, damit die Preta die tropfende Milch im Fluge auffangen konnten. Unterließ man diese Hilfe, konnte aus einem Preta ein Bhuta werden, welcher bösen Schabernack trieb, manchmal sogar
Wanderer anfiel, woraufhin diese erkrankten. Und die berühmte weiße Dame war auch eine Wiedergängerin. In Deutschland nannte man den Wiedergänger auch Revenant, vom lateinischen revenire, also zurückkommen.
Ähnlich, aber eben nicht ganz das gleiche, ist der Friedhofswärter. Ein Friedhofswächter ist ein Lebender, der über Tote wacht, könnte man meinen, aber das ist so gesehen falsch. Ein Friedhofswächter ist ein Toter, der über Tote wacht. Wer als erstes in einem neuen Jahr stirbt, so sagt man in anderen Überlieferungen, wird zum Friedhofswächter und wird von den Franzosen Ankou, von den Finnen aber Kijamattöra genannt. Oft hat ein Ankou einen eigenen Namen, und anhand finnischer Begräbnisverzeichnisse hat man herausgefunden, dass der Name der lokalen Kijamattöra in der Tat fast immer mit dem Namen eines Menschen übereinstimmte, der einmal ganz zu Anfang eines Jahres dort begraben wurde. Nach weiteren Überlieferungen übrigens wird der erste, der lebendig auf einem neuen Friedhof begraben wird, zum Friedhofsgeist. Der Friedhofsgeist ist auch eine Art Sprecher der Toten, den 
Magier befragen können über Dinge oder Wissen der Insassen eines Friedhofs, und natürlich antwortet ein Ankou immer in Großbuchstaben.Übrigens ist Gevatter Tod im slawischen Raum fast immer eine skelettierte Frau, die so genannte Tödin, was daran liegt, dass in vielen slawischen Sprachen die Vokabel für “Tod” weiblichen Geschlechts ist. Im Zuge der Emanzipation wählen Totenversammlungen in Deutschland alle vier Jahre eine Frauensprecherin.
Eine interessante Sage zum Thema Friedhofswärter: Als im bretonischen Quimper ein reicher Gutsbesitzer nach der Kirche auf dem Friedhof verkündete, er werde ein großes Schlachtfest geben, fragte eine Stimme aus dem Off, ob sie auch eingeladen sei. Der Gutsbesitzer bejahte dies, alle seien eingeladen. Als das Fest dann im Gange war, erschien ein verspäteter Gast, der unangenehm roch und ganz in einen Kapuzenmantel gehüllt war. Er schwieg das ganze Fest über und aß nicht, doch als der Abend zur Neige ging, entblößte er einen Totenschädel unter seiner Kapuze und beschied dem Gutsbesitzer, er habe nur noch acht Tage zu Leben und könne nun seine Angelegenheiten regeln, beichten, kommunizieren und beten, auf dass er beruhigt sterben könne. Der Gutsbesitzer tat wie geheißen, fraß sich noch einmal ordentlich einen an, nudelte noch ein paar mal seine Alte, kroch zur Beichte und verteilte sein Hab und Gut unter seinen Söhnen und Töchtern, und am achten Tag kippte er zur Seite. Der nette Herr, dem er begegnet war, war ein Friedhofswächter, der personinifizierte Tod.
Nicht ganz so aktiv wie Wiedergänger und Friedhofswärter, aber immer noch recht verbissen, sind die so genannten Nachzehrer. Leichen essen nichts, heißt es ja eigentlich. Aber es gibt da einen recht gruseligen Volksglauben aus Niedersachsen und Pommern, der von so genannten Nachzehrern spricht. Dies sind Tote, die im Sarg liegen (soweit nichts Ungewöhnliches) und ihr Leichentuch ganz oder teilweise fressen (definitiv ungewöhnlicher). Man glaubte, durch Magie könne ein Nachzehrer, indem er an seinem Leichenhemd kaute, einem Lebenden seine Energie rauben. Darum legte man in einigen Gegenden den Toten eine Münze in den Mund oder ein Stück Grass unter das Kinn, damit sie in ihrer Langeweile lieber dieses als das teure Leichenhemd verzehrten. Der Ausdruck "ins Gras beißen" erklärt sich genau daher. Andere Gegenden trennten den Kopf kurzerhand ab, andere bedeckten den Leichnam mit Dornengestrüpp, und andere achteten darauf, dass bloß nichts in der Nähe des Mundes des Toten lag. Natürlich versuchte man auch, sich darüber klar zu werden, was für Personen denn so alles später mal Nachzehrer werden könnten. Schwangere konnten zum Beispiel Nachzehrer werden, immerhin predigte dies noch 1600 n. Chr. ein Pastor in Lauban. Säuglinge, die bei der Geburt noch die Embryonalhaut auf dem Kopf hatten, wurden auch gegebenenfalls Nachzehrer. Noch Jahrzehnte vorher war dies eher ein Glückszeichen gewesen. Und natürlich wurden auch Kinder, die bereits mit Zähnen zur Welt kamen, Nachzehrer. Denen dichtete man ohnehin tausende Dinge an. Es gibt da ein Buch darüber, welches der Anonyme Christ leider nicht mehr im Fachhandel bekommt, da es aus dem 16. Jahrhundert ist und somit nur als Antiquität zu haben wäre. Es beschreibt in etwa das, was der Leser hier liest, ist jedoch zusätzlich ausgeschmückt mit Magie und Teufelswerk. Das Buch trägt übrigens den interessanten Titel: "Vom Kauen und Schmatzen der Toten in ihren Gräbern".
Und dann waren da noch die so genannten Doppelsauger, auch Zwiesauger, Totenküsser oder Dodelecker genannt. Das waren Tote, die nicht verwesen konnten, weil sie noch einmal an einer Brust gesaugt hatten, obgleich sie schon entwöhnt waren. Diesen Leuten sagte man entweder ähnliches wie den Nachzehrern nach oder behauptete je nach Gegend, dass sie sich im Sarge komplett selbst aufzuessen versuchten, weil der normale Verwesungsprozess ihnen ja verwehrt sei. Ein Hintergrund war, dass gerade in Seuchenzeiten manchmal Leute beerdigt wurden, die eigentlich noch lebten, und die schmatzten in ihren Gräbern wie Sau. Zitat des obigen Pfarrers von kurz nach 1600 n. Chr.: "Man hat in Pestilenzzeiten erfahren, dass tote Leute, sonderlich
Weibspersonen, die an der Pest gestorben, im Grabe ein Schmätzen getrieben, als eine Saw, wenn sie isset: und daß bey solchem Schmätzen, die Pest heftig zugenommen." War eine Leiche im Verdacht, ein Nachzehrer oder Doppelsauger zu sein, so musste sie exhumiert und ihr der Kopf abgetrennt werden, manche Quellen sprechen auch vom berühmten Pflock durch die Brust wie beim Vampir. Man sagt, die Leiche gebe dann einen letzten, markerschütternden Schrei von sich. Die mittelalterliche Medizin war ja bekanntermaßen nicht besonders hoch entwickelt, schrieb der Leser dieser Website Heretic und argumentierte, dass es ja selbst heute noch vorkommt, dass ein
Arzt jemanden für tot erklärt, der in Wahrheit noch lebt. Wer also früher drei Tage im Scheintoten Zustand gelegen hatte, konnte unter Umständen in einem Sarg aufwachen. Und dass schreien, wüten und mit-den-Fingern-sinnlos-am-Sargdeckel-kratzen hungrig macht, ist es durchaus vorstellbar, dass so ein armes Schwein dann irgendwie für sein leibliches Wohl sorgen möchte.
Ein Kommentar des Lesers Michael zum Thema „ins Gras beißen“ zwingt den Anonymen Christen an dieser Stelle zu einem Exkurs in Richtung Rittertum. Michael schrieb: „Zu dem Spruch ins Gras beißen habe ich gerade erst eine andere Meinung gelesen, hier der Originaltext: Ins Gras beißen kommt aus dem Mittelalter, wo man schwer gerüstet in die Schlacht ritt. Diese Rüstungen waren nur schwer zu überwinden und den Träger darin zu töten. Also versuchte man, ihn vom Pferde zu stoßen und auf den Bauch zu drehen um ihn dann von hinten durch eine der weniger geschützten Stellen (rektal) aufzuspießen, was besonders schmerzhaft war. Um den wahnsinnigen Schmerz auszuhalten, bissen die Ritter ins Gras, (was also wörtlich zunehmen war), um anschließend aufgespießt irgendwann zu sterben… Nur zur Info, ich weiß nicht, welche stimmt, oder ob beide stimmen.“ Nun, der Anonyme Christ hat angestrengt versucht, mit einem Helm ins Gras zu beißen. Es war schlichtweg unmöglich, es sei denn, man benutzt einen Helm ohne Kinnschutz. Nur: Warum sollte man einen Typen ohne Gesichtsschutz per analem Intruder aufzuspießen, wenn man ihm auch einfach die Fresse herausporkeln kann?
Aber kommen wir zurück zum Thema Untote. Es fehlt uns in der Reihe bekannter Untoter natürlich unter anderem noch der Ghul. Was aber ist ein Ghul wirklich? Meinungen gibt es darüber ja genug, aber mit Vampirherrschaften hat das nichts zu tun, da können moderne Romanautoren schreiben, was sie wollen. Im eigentlichen Sinne ist der Ghul ein Ammenmärchen, das das Essen von Leichen verhindern soll. Demnach wird, wer zu Lebzeiten Menschenfleisch gegessen hat, nach seinem Ableben oder auch davor zu einem Ghul, einem wilden, wahnsinnigen Untoten, der dazu verdammt ist, ewig weiter nach Menschenfleisch zu hungern. Gerne wurde das ganze dann verquickt mit der Geschichte vom Trinken von Vampirblut, was einen Menschen zum Ghul, d.h. zum Diener des entsprechenden
Vampirs mache. Diese Geschichte aber ist sehr jung, mythologisch glaubhafter ist die weitaus ältere Geschichte vom Menschenfresser. Ghuls gibt es überall: In Haiti nennt man sie Bakas, und in Japan heißen sie Kasha und stinken permanent nach Fisch. Die Gourmets unter den Kashas sind die Kappas, welche nur die Leber fressen. Ghuls, so sagt man, haben ein besondere Vorliebe für Kinderfleisch und sehen aus wie normale Leute, jedoch mit besonders hässlichen Gesichtern. Viele Geschichten handeln von nicht-materiellen Ghuls, welche sich aber im Rollenspiel nicht durchsetzen konnten (logisch, wie wollen nichtmaterielle
Monster einem in die Visage hauen). Die Muslimen glauben in einigen Regionen sogar an Ghule, die derart materiell sind, dass sie lebende Leute heiraten können. Trotz hässlichem Gesicht. Böse Zungen würden behaupten, hiermit sei das Geheimnis der Schleier gelüftet. Aber nur böse, der Anonyme Christ schließt sich diesem Gag nicht an.
Ein Klassiker unter den Untoten ist selbstverständlich der Zombie. Auch Zombies sind nicht nur eine Erfindung von Horrorautoren. Voodoo und Zombies werden oft in einem Atemzug genannt, und das nicht umsonst. Die Zombies stammen nicht wirklich aus der Karibik, wie man oft glaubt, sondern sind aus dem afrikanischen Raum über die Sklavenverschleppungen erst nach dort gelangt. Zombie bedeutet in einigen Voodoo-
Religionen oberster Gott, doch in der Mehrzahl immer wandelnder Toter, auferweckt von einem Schwarzmagier, um ein Leben als Diener oder als Lachnummer in einfallslosen Filmen zu führen. Was die wenigsten wissen, ist, das Salz einen Zombie aus seinem Halbleben erwachen lässt und ihn dazu bringt, sich an dem
Schwarzmagier zu rächen – eine Erkenntnis, die vielen verzweifelten Ego-Shooter-
Spielern die Raketenmunition erspart hätte. Es gibt da auch noch ein paar Gerüchte über irgendwelche Kräuterhexen auf Hawaii, die durch Gifte untotenähnliche Zustände bei lebenden Menschen hervorrufen können und denen man angeblich in der Tat kein Salz geben darf, weil dies ihre Geschmackssinne anrege und sie zum Erwachen bringe, doch dürfte eine entsprechende Dosierung, die das Opfer über lange Zeit hinweg in genau dem richtigen Bewusstseinszustand hält, extrem schwierig zu machen sein. Der beste Weg, ein Zombie zu werden, ist die Arbeit in der Telefonakquise eines Stecknadelversicherers.
Nun gehen ja in B-Movies die Zombies meist mit durchgestreckten Beinen und haben die Arme nach vorne gestreckt. Diese Haltung ist durch Schlafwandler inspiriert, doch dürfte ein echter Zombie anders gehen, denn nach dem Tod tritt recht schnell die Leichenstarre ein, das heißt: Je nachdem, wie der Zombie gelegen hat, während die Leichenstarre eintrat, so geht er auch. Äh, so würde er gehen, wenn… Ach ja, übrigens löst sich die Leichenstarre irgendwann natürlich wieder, ergänzte der Leser dieser Website Kage Yoichi.
Übrigens sind Zombies giftig. Also, sie wären giftig, wenn es sie gäbe. Why? Weil bestimmte Eiweiße sich nach dem Tod in das umwandeln, was landläufig als Leichengift bekannt ist. Wer also das Pech hat, von einem Zombie gebissen oder sonst irgendwie angefetzt zu werden, kann sich mit dem infizieren, was das Leichengift verursacht, nämlich Kindbettfieber. Dieses Fieber entdeckte Ignaz Semmelweiß, und es heißt Kindbettfieber, weil seinerzeit besonders gebärende Frauen an dieser tödlichen Infektion erkrankten. Die damaligen Ärzte - in Angelegenheiten der H
ygiene wenig achtsam - probierten ständig an Leichen herum und latschten dann, ohne sich die Hände gewaschen zu haben, in den Kreissaal (damals noch echt ein Saal), um das nächste Baby zu holen. Das Blut der Gebärenden kam mit den unreinen Händen in Berührung und die nächste Halbwaise war vorprogrammiert. Leichengift entsteht übrigens nach Informationen des Lesers dieser Website Slash durch den bakteriellen Abbau der Aminosäure Lysin. Der lateinische Name für Leichengift ist übrigens Cadaverin.
Besonders ekelhafte Zombiefilme stellen plastisch dar, wie Zombies eine Spur von Teilen und Flüssigkeiten oder Schleim hinter sich ziehen. Das wiederum ist biologisch gar nicht so schwachsinnig. Zombies - zumindest in Form echter Leichname - sind biologisch sinnlos, aber das dürfte nur wenige Leser überraschen. Dass solche Kreaturen aber eine Schleim- oder Flüssigkeitsspur hinter sich herziehen würden, ist nicht unrealistisch. Ein Mensch verliert vierzig Liter Flüssigkeit, während er verwest, das meiste davon wenige Tage nach dem Tode, also im besten Zombie-Alter. Vierzig Liter entsprechen immerhin vier Eimern voll! Dass durch nach außen treibende Gase auch feste Teile, gar ganze Eingeweideteile, den Weg des Zombies markieren würden, ist ebenfalls nicht unrealistisch, auch, wenn eher zu vermuten ist, dass der Zombie gerade seine Gedärme noch eine Zeitlang hinter sich herziehen würde. Bei all diesen schönen Dingen noch eine wirklich unästhetische Sache: Zombies hätten wahrscheinlich Wasser in den Beinen, und das sieht nun gar nicht hübsch aus.
Nun haben wir im Geiste so viele Untote beschworen, dass wir uns mal langsam fragen sollten, wie wir die denn alle bekämpfen. Untote bekämpft man gewöhnlich mit Weihwasser, sagt die Fantasy-Literatur. Da haben Muslime dann wohl schlechte Chancen… oder nicht? Nun, im Gegenteil, Muslime kommen sehr viel leichter an Weihwasser als Christen. Entweder sie schreiben mit wasserlöslicher Tinte ein paar Koranverse auf arabisch auf ein Papier und tunken dieses ins Wasser, oder sie rezitieren einige Koranverse und pusten dann kurz über das Wasser. Pech hat man dann natürlich, wenn der Untote nicht an Allah glaubt, aber dann hat der Christ genauso schlechte Chancen, betet er doch zum selben Gott wie die Muslime.
Apropos Christen, natürlich gibt es auch viele Untote, die durch den christlichen Glauben inspiriert sind. Besonders dankbar war hier das Thema Fegefeuer, denn der Gedanke liegt durchaus nahe, dass jemand, dessen Seele im Fegefeuer brutzelt, noch auf Erden irgendetwas zu erledigen hat und daher untot zurückkehrt. Was aber ist das Fegefeuer? Es soll nicht etwa diejenigen von ihrer
Schuld reinigen, die es nur mit knapper Not in den Himmel schaffen werden. Nein, das wäre ja langweilig. Dann wäre ja schon alles entschieden und die Fegefeuerqual würde immer im Himmel enden. Doch das sah man im 15. Jahrhundert n. Chr. und lange danach anders. Das Fegefeuer ist eine Institution, in der noch nicht klar ist, ob der Verstorbene nun im Himmel frohlocken darf oder in der Hölle Death Metal brüllen muss, also eine Art Verlängerung wegen Unentschieden. Zwar kann der Verstorbene nicht mehr viel beeinflussen, seine Angehörigen aber wohl, beispielsweise durch Messreihen, Rosenkranzleiereien, Spenden und gute Taten in seinem Namen. Das führte dazu, dass viele reiche Leute postmortem per Testament große Summen für Wallfahrten und die Kirche spendeten bzw. der Kirche das Land schenkten, auf dem sie gelebt hatten. Die Kirche freute sich und zehrt noch bis heute von diesem Land. Die Pilger freuten sich auch und latschten nach Jerusalem oder zur nächsten Madonna, nur die Erben guckten in die Röhre und die Seele entfleuchte himmelwärts. Halleluja.
Tja, und typische Fegefeueruntote gibt es dann natürlich wie gesagt auch. Arme Seelen, Erscheinungen von Leuten, die noch im Fegefeuer waren, sollen auf der Welt spuken, so glaubte man im Mittelalter. Jene Seelen brannten und gaben so ein helles Licht.
Man berichtete gar von ganzen brennenden Skeletten, so genannten Feuermännern. Ein brennendes Skelett gibt einen hervorragenden untoten Bösewicht ab. Aaah, die goldenen Zeiten des Anonymen Christen, als er im PC-Spiel Severance (Te Em) durch Horden von Zombies, Massen von Goblins und Batterien von schwarzen
Rittern hindurchgepflügt ist und in denen brennende Skelette besonders fiese Oberbösewichte waren. Doch Moment! Brennende Skelette, dafür garantiert der Anonyme Christ, sind definitiv nie böse. Das wusste man schon 1120 n. Chr., denn da wurde eine solche Erscheinung zum ersten Mal erwähnt. Solche Feuermänner, die im Fegefeuer leiden und deren Schicksal für die Ewigkeit zwischen Himmel und Hölle noch nicht entschieden ist, sind eigentlich ganz nett. Zwar mag ein Feuermann zu Lebzeiten ein Brandstifter, Kirchendieb oder -schänder, Betrüger, Urkundenfälscher, Meineidiger, Felddieb, unrechter
Richter oder Kaufmann, Streitsüchtiger, Totschläger, Reueloser oder Grenzfrevler gewesen sein (Grenzfreveln ist das illegale Versetzen von Grenzsteinen), aber Feuermänner und die mit ihnen verwandten brennenden fliegenden Schädel, die jedem aus einem bestimmten id-Spiel als Lost Souls bekannt sind, wissen verdammt gut, dass sie jetzt, da sie zur Buße für kurze Zeit brennend auf Erden wandeln müssen, keinen Mist bauen dürfen, denn der ewigen Hellraiser-Reihe-Guckerei in der Hölle will man natürlich entgehen. Feuermänner, deren Feuer übrigens nicht auf die Umgebung überspringen kann, helfen daher, wo sie können, indem sie nachts den Weg leuchten, Leute durch ihr Licht vor zwielichtigen Gestalten schützen oder bei Actionfilmen als Brandopfer aushelfen. Man sollte einem Feuermann für seine Hilfe immer mit “Vergelt’s Gott!” danken, oft reicht dies schon aus, die Ewigkeit zu seinen Gunsten zu wenden. Die Schweizer nennen Feuermänner, die gerne auch zu Pferd erscheinen, Züsler, und Renward Cysat aus Luzern berichtete 1500 plus ein paar Gequetschten n. Chr., er sei ein paar Züslern begegnet: “Allda sachen wir [...] dry oder 4 dieser Züslern, die mitthin von kleinem Glussen zuo einem Füwrvffgiegent vnd mitthin vmb einandren schwäbtend, an Orten und Enden, da keine Hüser sind, noch Lüt Nachts mit Liechtern wandletend.” Es seien Skelette, denen “das Füwr durch den Lyb, durch die Sytten, Rippen, Augen, Mund, Nasen und Oren usschlahe.”
Preisfrage: Warum wird von Feuermännern manchmal berichtet, sie trügen einen Pflug? Lösung: Weil Grenzfrevler gerne ihre Felder so pflügten, dass sie größer wurden gegenüber dem Nachbarfeld, und weil sie – so verurteilt - unter Feldern begraben wurden, damit der
Pflug durch ihre Brust gehe. Darum tragen Feuermänner manchmal auch einen Grenzstein bei sich.
Auch schreiende Schädel sind keine moderne Erfindung von Horrorautoren oder PC-Spiele-Designern. Schreiende und sprechende Schädel kannten schon die Kelten und die Wikinger. Letztere hatten sogar einen sprechenden Schädel als Gott: Mimir, einen Asen, Mitglied der höchsten Götterfamilie. Er war aber recht geschwätzig, warum ihm die Wanen, die zweithöchste Götterfamilie, die Rübe abschlugen. Nutzte nichts, Mimir laberte fröhlich weiter. Er ist dennoch kein klassischer schreiender Schädel, denn erstens war er nicht skelettiert und zweitens schrie er nicht, sondern gab hochgeistiges Gesülze von sich. Wie die nordische, so kennt auch die keltische Mythologie so manchen Laberkopf. Ein Bauer aus der Oberpfalz hat einmal angeblich einen Schädel auf dem Friedhof zum Essen eingeladen, und ein bisschen überrascht dürfte er dann schon gewesen sein, als ein Skelett plötzlich vor seiner Tür stand und dann auch mit ihm aß. Das Skelett erwiderte nun die Einladung, und dieser folgend, fand der
Bauer das Grab des Skeletts leer vor. Er ging hinein und kam erst hundert Jahre später wieder hinaus. Das Thema von der Mahlzeit zusammen mit Toten oder auch nur deren Schädeln ist häufig in Europa.
Nun aber zu den “echten” schreienden Schädeln: Jene Schädel gehörten meist Leuten, die genau definiert haben, was nach dem Tode mit ihrem Leichnam zu geschehen habe, und deren Wunsch nicht erfüllt worden war. Der berühmteste Schädel dieser Art ist sicherlich der aus der Bettiscombe Manor in Dorset, Großbritannien. Es ist der Schädel eines Negersklaven, dem sein Herr John Frederick Pinney versprochen hatte, ihn nach seinem Tod nach Afrika zurückzubringen. Er hielt das Versprechen nicht, sondern beerdigte den Neger auf dem örtlichen
Friedhof. Seitdem war im Haus sehr oft markerschütterndes Geschrei zu hören, welches erst aufhörte, als man den Neger exhumierte und den Sarg in das Haus der Pinneys stellte. Später hat sich die Legende gebildet, dass man einen schreienden Schädel niemals von seinem Spukort entfernen dürfe, denn dies führe zum Tod innerhalb eines Jahres. Außerdem halten schreiende Schädel angeblich andere Geister fern. Es gibt noch ein paar mehr dieser Schädel, jedoch scheinen sie zum Glück außer Geschrei nix drauf zu haben.
Nun sind ja Feuerwesen weithin sichtbar, aber wir haben uns noch nicht mit den vollends unsichtbaren Geistern beschäftigt. Nebenbei könnten wir das Ganze einmal physikalisch betrachten und uns fragen, ob es unsichtbare Wesen überhaupt rein theoretisch geben kann. Tun wir dies, so kommen wir zu dem Ergebnis, dass es unsichtbare Geister auch in der Theorie nicht geben kann, zumindest nicht so, dass sie irgendeine Art von Einfluss auf uns nehmen könnten. Total unmöglich, zumindest, wenn sie wirklich ganz unsichtbar sein sollen. Wer als Geist eine alte Dame erschrecken will, muss entweder auf die Dame selbst oder auf Gegenstände ihrer Umgebung Einfluss ausüben. Wer aber auf alte Damen oder deren Gegenstände Einfluss ausüben möchte, auf den kann die alte Dame, so sie rüstig und resolut genug ist, ebenfalls Einfluss ausüben, so sagt es uns Newtons Wechselwirkungsgesetz. Mit dem Sehen ist das ebenso. Einen Geist, der eine alte Dame sehen kann, den kann auch die alte Dame ihrerseits sehen. Und einen Geist, der eine alte Dame von der Treppe schubsen kann, den kann sie auch ihrerseits gehörig in die Eier treten.
Abgesehen von schnöder Physik sind immaterielle Geister en masse im Fundus der Mythen enthalten, und sie sind oft alles andere als harmlos. Der Dibbuk aus der jüdischen Mythologie ist zum Beispiel die Seele eines bösen Verstorbenen, welche sich an einen Menschen klammert, um ihn zum
Wahnsinn zu treiben und dann seine Seele zu rauben. Damit ist der Dibbuk, zu Deutsch Umklammerer, alles andere als harmlos. Man kennt den Dibbuk spätestens seit dem 17. Jahrhundert n. Chr., und nur ein jüdischer
Exhorzist, ein so genannter Zaddik, kann einen Dibbuk vertreiben. Etwas harmloser ist da der arabische Afrit, ein Geist, der nicht jedem Schaden zufügen will, sondern nur seinem Mörder. Der Afrit steigt als Rauchsäule dort auf, wo sein Blut bei seiner Ermordung die Erde berührt hat, was man nur verhindern kann, indem man ihn nagelt. Äh, gemeint ist damit das Einschlagen eines Nagels an exakt der Stelle, wo man den Typen umgebracht hat. Ein sehr gut dokumentiertes Beispiel für einen Rachegeist aus Europa ist das von Christopher Slaughterford, 1709 n. Chr. unschuldig gehenkt für die Ermordung seiner Frau, der dann solange als Geist seinen ehemaligen
Diener Joseph Lee heimsuchte, bis dieser sich selbst erhenkte und somit die Vermutung erhärtete, dass er der wahre Mörder gewesen war. Ebenso gut dokumentiert ist der Rachegeist von Hjalta-Stad in Schweden, der 1750 n. Chr. wegen eines Verbrechens – wahrscheinlich schuldlos - ausgestoßen wurde und Zerstörung anrichtete, nachdem er auf dem Totenbett Rache geschworen hatte. Tja, Choleriker gibt es überall. Doch gibt es auch böse immaterielle Geister, die man sich untertan machen kann, wie zum Beispiel den Duppy aus der indischen Mythologie. Wirft man ein paar Münzen auf ein Grab und schüttet etwas Rum darüber, erhebt sich der böse Teil des Verstorbenen aus dem
Grabe. Bis Sonnenaufgang ist der Duppy, der allerdings manchmal auch als materiell beschrieben wird, dann das übellaunige Racheinstrument des Beschwörers und kann Menschen durch Anhauchen oder Berührung bzw. Hindurchfahren schwer krank machen. Tja, bei dem indischen Methyl-ATrunkenbold.gif” align=”left” border=”0″>lkohol-Rum ist zumindest das mit dem Anhauchen keine Überraschung. Duppies selbst achten sehr auf ihre Gesundheit, immerhin sind sie überzeugte Nichtraucher, was man schon daran sieht, dass man sich vor Duppies am besten schützen kann, indem man Tabaksaat um seine Behausung streut. Ebenfalls ein immaterieller Krankmacher ist der sumerische Utukku, welcher im babylonischen Udog hieß und Reisenden auflauert. Es handelt sich auch hier um die gequälte Seele eines Toten. Eine Variante davon ist der Etemmu oder Ekimmu, welcher ein Stück boshafter ist, sich aber ansonsten nicht wirklich vom Utukku unterscheidet.
Geister erscheinen überall auf der ganzen Welt in Legenden und Sagen und lassen sich grob unterscheiden in Geister von Verstorbenen, Geister von Lebenden und die Geister, die niemals lebendig waren, die eben einfach auftauchen. Erstere, Geister von Verstorbenen, sind oft Rachegeister, die eine an ihnen verbrochene Tat sühnen wollen, oder auch so genannte Gespenster, die für Untaten zu Lebzeiten bestraft werden bzw. auf eine bestimmte Weise auf Erlösung warten. Die „echten“ Spukgeister aber spuken oft unabhängig nach eigenem Gutdünken herum, entweder als nicht immer harmlose Poltergeister, deren Werk man sieht, deren Gestalt aber verborgen bleibt, oder als Spukerscheinungen. Diese Geister sind oft ortsgebunden, vor allem, wenn es sich dann doch um Geister von Verstorbenen handelt, was sich manchmal herausstellt. Dabei kann die Ortsbindung sehr eng sein, oft an ein bestimmtes Burggemäuer oder altes Kloster, oder etwas weiter definiert. So taucht der berühmte Jack-in-Irons in ganz Yorkshire auf und überfällt dort als riesige Dämonengestalt Reisende. Die Galley Beggars kommen in ganz Nordengland vor und als erschrecken die Leute als Skeletterscheinungen, irre lachend und ihren Kopf in der Hand tragend. Einige Geister können Lebende besetzen und ihrem Willen unterwerfen, andere wiederum sind dem Willen ihres Beschwörers unterworfen. Zu jenen echten Geistern gehören meist auch die Todesboten, so zum Beispiel die berühmte Weiße Frau aus der europäischen und vor allem französischen Mythologie, die durch ihre Anwesenheit den Tod des Betrachters oder einer bestimmten Person ankündigen. Mit anderen Worten: Der Geister sind viele, und manche sind nett. Manche aber sind…. uuh, evil…
Ein weiterer Fall eines Immateriellen ist der Wraith. Dieser ist aber kein böser Ahnengeist oder so. Ein Wraith ist ganz im Gegenteil sogar der Geist eines noch lebenden. Auch, wenn man in einem extrem berühmten C64-
Rollenspiel (The Bards Tale 453) gegen Wraiths kämpfen kann, so sei zu deren Verteidigung gesagt, dass Wraiths Pazifisten sind, was alleine schon an ihrer Immaterialität liegt (meist jedenfalls werden sie so dargestellt, allerdings nicht immer). Sie sind Todesboten, mehr nicht. Ein Wraith ist im Grunde der Geist eines Menschen, der in Kürze versterben wird, eine Art Doppelgänger also, der den Tod dessen ankündigt, dessen Abbild er ist. Wer also, was öfter mal vorgekommen sein soll, seinen eigenen Wraith sieht, sollte noch mal so r
ichtig auf den Putz hauen und dabei versuchen, seine Lage möglichst locker zu sehen. Leicht gesagt, schwer zu befolgen. Oft warnen Wraiths auch andere Lebende vor Gefahren, darum zählen sie zu den so genannten Krisengeistern, also Erscheinungen, die man hat, wen man ein weltliches Problem hat oder in Gefahr ist.
Auch Banshees sind Krisengeister. Vorformen von Banshees reichen zurück bis in die Bibel. Die Bibel spricht in Jesaja 29, 4 von den Stimmen der Totengeister, und bei Jesus’ Tod, so weiß Matthäus in 27, 52-53, wurden Tote erweckt und erschienen vielen in Jerusalem. Und auch die ollen Römer kannten solche Geister: Lucretia zum Beispiel war Römerin, wurde vergewaltigt und nahm sich das Leben. Und von diesem Tag an kehrte sie als Geist jede Nacht zu ihrem Vergewaltiger zurück und brachte ihm ein Ständchen - jede Nacht, sein ganzes Leben lang! Ein wahrhaft zähes Luder also, die Dame. Übrigens hat sie wahrscheinlich sehr schlecht gesungen, denn der Vergewaltiger fürchtete sich immer sehr vor ihr. In der Tat sind Banshees meist Todesboten, also Geisterwesen, die den Tod einer Person - meist des Betrachters selbst - ankündigen. Dabei werden sie mal als fahle Schönheiten beschrieben, mal - vor allem in Irland - als hässlich. Wer schon einmal in Irland war, wird wissen, warum. Jedenfalls haben irische Banshees nur ein Nasenloch, ein grausiges Gesicht und das unschöne Hobby, blutige Wäsche in Flüssen zu waschen. Manche Banshees sind wie eine Art Familiengeister. Übrigens hat sich so manche britische Familie statt einer Banshee einen Todesvogel als Boten des Verderbens ausgedacht.
Aber wo wir gerade bei Geistererscheinungen aus der Bibel sind: Auch dies Geisterhand ist keine Erfindung von Horrorautoren. Lieber Ash, liebe Addams, Eure Geisterhände sind recht jung im Vergleich zu dem, was die Bibel zu bieten hat. Da nämlich schreibt im biblischen Buche Daniel (5,5) eine Geisterhand bzw. Geisterfinger die verhängnisvollen Worte „Mene, mene, tekel“ an die Wand, was zu deutsch soviel heißt wie „Gewogen/gezählt, gewogen/gezählt, verworfen (für zu leicht befunden)“. Eiskaltes Händchen, beliebtes Mitglied der Addams Family, ist ein Beispiel für die kalte Variante, doch auch die glühend heiße und wie dem Fegefeuer entsprungene Variante kommt vor, und beiden sollte man angeblich nicht die Hand geben, will man nicht selbst sterben.
Sieht man sich weiter um im Untotenreich, so gibt es da noch die Valkyren. Valkyren bringen bekanntlich Gefallene nach Valhalla, heißt es. Aber in diesem Satz verbergen sich im Grunde zwei halbe Irrtümer. Erstens bringen die Valkyren Gefallene nicht zwangsläufig nach Valhalla, sondern etwa die Hälfte nach Sessrumnir, welches die Halle der Göttin Freya ist. Und zweitens hatte sich bis dahin die mythologische Aufgabe der Valkyren ziemlich gewandelt. Vorher waren die Valkyren nämlich als Blut liebende Splatterfans bekannt gewesen, als hysterische kreischende
Hexenweiber, die im Krieg über die Schlachtfelder flogen und sich an Blut, Gedärmen und abgetrennten Gliedmassen ergötzten. Sie sind übrigens auch die historischen Vorfahren der heutigen OP-Schwestern.
Mit dieser alten Form der Valkyren sind die so genannten wilden Heere verwandt. Ein wildes Heer ist nicht etwa ein herrenlos umherplünderndes Heer von Söldnern; wo bliebe da der moderne X-Faktor? Nein, ein wildes Heer ist ein Heer von Toten. Schon Pausanias schrieb 150 n. Chr. über die Ebene von Marathon, die einst eine der berühmtesten und auch schrecklichsten Schlachten der Geschichte erlebt hatte: “Dort kann man die ganze Nacht hindurch wiehernde
Pferde und kämpfende Männer vernehmen. Wer sich in der Absicht hinstellt, es deutlich zu schauen, kommt nicht ungestraft davon.” Das so genannte Nachtvolk ist auch in der Schweiz bekannt, dort handelt es sich ebenfalls um ein Heer, welches nur zu hören, nie aber zu sehen ist. Auch hier bedeutet
Neugier den Tod. Doch nicht immer muss ein wildes Heer unsichtbar sein. Es gibt erstaunlich viele Berichte von Begegnungen mit durchscheinenden Heeren Untoter und Skelettierter, und viele Fantasy-Romane wie “Der Herr der Ringe” und “Der ewige
Held” greifen das Thema auf. Als von einem
Feldherrn geführtes Heer ist das wilde Heer durch die Sagenwelt der Wikinger, speziell durch die Edda, bekannt, wo es unter der Führung Wotans bzw. Odins erschein, warum man es auch Wuotesheer (Wotan’s Heer) nennt. Im christlichen Glauben aber wurde aus der Ehre, immer wieder kämpfen zu dürfen, eine Strafe, und man sagte von Ungläubigen, Frevlern und Sündigen, dass sie die 
Soldaten jenes Heeres seien. Dementsprechend wandelte sich auch ihr Führer: Herodes, der angebliche Kindermörder aus dem alten Rom, Herodias, seine Frau, Dietrich von Bern, der Oberfrevler, Hans von Hackelberg, der Oberjäger, der den Sonntag nicht achtete, der Rodensteiner oder auch Schnellertsherr (er führt ein spezielles wildes Heer Art im Odenwald bei der
Burg Rodenstein an und veranlasste sogar, dass der Graf von Erbach 1742 bis 1748 n. Chr. Zeugenaussagen über dieses Heer in seiner Bevölkerung sammelte), oder je nach Region die Percht bzw. Bercht, die Befana oder Frau Harke/Frau Holle (ein weibliches Dämonenwesen, dass von der ursprünglichen Fruchtbarkeitsgöttin im Rahmen der Christianisierung zur manchmal grässlichen, manchmal gerechten Frau (siehe Brüder Grimm) wurde und in der ersteren Rolle den Zug der ungetauft verstorbenen Kinder anführt), ja sogar Rübezahl führen wilde Heere, die fast immer hoch über den Köpfen herangaloppieren. Wow, was’n verkorkster Satz. Man glaubte früher wirklich dran und opferte gar Milch oder Essen, speziell der Percht und ihren Pendants in den verschiedenen Regionen, denn diese hatten zusätzlich auch noch andere Aufgaben wie zum Beispiel die Bewachung der Einhaltung von Fastentagen und die Bestrafung säumiger Mägde durch Aufschlitzen ihres Bauches und Befüllen desselben mit Schmutz. So schrieb der Südtiroler Dichter Hans Vintler 1411 n. Chr.: “Etlich glauben an die fraun, die do heißet Percht mit der eysnern nas.”. Das mit der eysnern nas, der eisernen Nase - oder auch eisernen Nippeln – war ein Glaube, der ebenfalls weit verbreitet war. Oft genug auch wird von wilden Heeren berichtet, die genaue Abbilder von in historischen Schlachten aufgeriebenen Armeen waren. Insgesamt sollte man einem solchen Heer gegenüber nicht zu neugierig sein, doch wie viele Geister sind auch wilde Heere dem
Volksglauben nach nur in wenigen Fällen wirklich aggressiv. Sehr mit dem wilden Heer verwandt ist die wilde Jagd, auch wilde Leute oder einfach das Nachtvolk genannt. Auch hier handelt es sich um mal unsichtbare, mal sichtbare hässliche Gestalten, die wie die wilden Heere besonders in Raunächten durch die Gegend ziehen und ähnlich wie diese mal freundlich, mal tödlich sind, jedoch ohne Führer. Varianten des Nachtvolks sind zum Beispiel die Salvan, eine Horde wilder Leute aus Italien, deren Männer stark behaart und deren Frauen besonders hübsch sein sollen. Sie können sogar Ehen mit normalen Männern eingehen, doch immer zerbrechen diesen Ehen, weil die italienischen Männer ein zu kleinen… äh, Sinn für die Tabus jenes Nachtvolks haben und jene Tabus daher brechen. Darum machen es sich die wilden Leute manchmal auch einfacher und entführen menschliche Kinder. Salvan ist aber ebenfalls – je nach Gegend – nur eine Einzelperson, ein einsamer wilder Jäger von hünenhaft-durchscheinender Gestalt.
Wir wollen noch nicht ganz die Bibel weglegen, denn sie weist uns auf weitere Untote hin, die im Gegensatz zur Mehrzahl der Untoten nicht nachts, sondern am helligten Tag aktiv sind. Mitternacht ist nämlich beileibe nicht die einzige Geisterstunde. Mittag auch. Schon die hebräische, originale Version der Bibel erwähnt in Psalm 90,6 einen Dämonen, der in der Mittagssonne der gequälten, angespannten Erde entspringt und jeden anfällt, der das Pech hat, in der Nähe zu sein. Immer mal wieder wird im Verlauf der Geschichte das Phänomen der Mittagsgespenster erwähnt, sei es in der Antike (nicht umsonst war die Mittagsstunde die Stunde des Pan), sei es in der Aufklärung. Dabei wird der Mittagsgeist oft beschrieben als Wesen, dass Besitz ergreift von seinem Opfer, ihm durch die Ödnis und Hitze, die Langeweile und Kopfschmerzen Hass und schlimme Gedanken bringt. Die Korngeister sind allesamt Mittagsgeister, die nicht zuletzt auch darüber wachen, dass die Mittagsruhe eingehalten wird. Wird man erwischt, fragen sie einen zu Tode und man stirbt in der heißen Sonne. Highnoon im Haferfeld quasi.
Am Ende dieses Kapitels richten wir unsere Blicke noch in die Götterwelt, denn wer weiss, vielleicht gibt es sogar untote Götter? Nun ja, der Gott Mimir aus der nordischen Götterfamilie der Asen wurde zu der anderen Götterfamilie, den Wanen, geschickt, um dort zu leben. Die Wanen aber fanden den alten Sack unsympathisch und hackten ihm kurzerhand den Kopf ab. Nicht jedoch, das Mimir nun die Klappe gehalten hätte, nein, er laberte fröhlich weiter. Also hinterlegte man den untoten Kopf an einer Quelle am Fuße des Lebensbaums Yggdrasil, und wenn er noch nicht verstummt ist, dann labert er noch heute. Übrigens verfügt die Göttin Hel über eine ganze Menge untote Bewohner in ihrer Welt (welche auch Hel heißt). Diese nordische Hölle ist unter anderem bewohnt von den beiden Asengöttern Baldur und Hödr, die der Untotenarmee Hels jederzeit zur Verfügung stehen. Zu Ragnarök, der Götterdämmerung, werden sie als lebendige Götter wieder auferstehen. Hel selbst hat anscheinend auch
Probleme mit dem Untotendasein: Ihre Beine, so sagt man, seien skelettiert. Das ist echt scheiße für eine Dame, so von wegen Röcke tragen und so is jetzt nicht mehr… Zu dieser Passage meldete sich der Leser Theryn zu Wort uns schrieb: „Ähm… Baldur ist nur eine gewisse Zeit in Hels Reich. Bei Ragnarök kämpft er bereits wieder auf der Seite der Asen. Auch Hödr lebt nach Ragnarök wieder, doch ist mir nicht bekannt, ob er nun in Hels Reich war, oder nicht… immerhin sollte er durch Vali, den Rächer, zur Strecke gebracht werden, aber ich weiß nicht, ob diesem das gelang. Mimir war übrigens kein
Gott in dem Sinne… Mimir war eigentlich mehr ein Riese.“ Nun, Theryn, das mit Baldur stimmt. Hödr aber ist keinesfalls ein Bösewicht, und deshalb würde es Vali auch nie einfallen, im Ragnarök auf ihm herumzuhacken. Hödr tötete Baldur ja nur versehentlich, weil Loki ihn überlistet hatte. Auch das mit Mimir stimmt nicht. Mimir war definitiv kein Riese, sondern sogar ein Ase, also ein Mitglied der vornehmeren der beiden Götterfamilien.
Nun, beenden wir dieses Untotenkapitel an dieser Stelle. Wer sich weiter mit untotennahen Themen befassen möchte, der kann sich ja einmal das Kapitel über den Tod und das Sterben reinziehen.
- Von Monstern und Sagenwesen Dieses Kapitel ist zwar ebenso tierisch wie das Kapitel über Nutztiere und das über Wildtiere, jedoch ist es noch ein Stück monströser.
- Von der Mystik und Alchimie Dies ist das Kapitel über die Mystik und Alchimie.
- Vom Sterben und dem Tode Dies ist das Kapitel über den Tod.

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