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Vom Sterben und dem Tode

Aktualisiert am 24. Juli 2008 von Ali

Dies ist das Kapitel über den Tod. Nicht den Untod – das ist wieder ein eigenes Kapitel -, sondern den ganz normalen Tod. Nun, mehr oder weniger normal eben. Dieses Kapitel ist grob aufgeteilt in erstens das Sterben und zweitens das Todsein an sich. Letzteres dauert mitunter recht lange und ist wenig spektakulär, ersteres kann überaus interessant für alle Beteiligten sein. Daher fangen wir damit mal an. Hinweis: Es könnte gruselig werden…
Es gibt viele verschiedene und teils recht kreative Wege zu sterben. Nicht umsonst wird jährlich allen ernstes der Darwin Award meist posthum an Leute vergeben, die sich auf möglichst kreative Weise aus dem Genpool getilgt haben. Um uns an dieser Stelle nicht mit langweiligem Pöbel abgeben zu müssen, nennt der Anonyme Christ einmal ein paar Beispiele kreativen Sterbens aus dem Bereich des Adels: Katharina die Große litt beispielsweise unter Verstopfung und soll angeblich an Herzversagen gestorben sein, während sie auf dem stillen Örtchen zu sehr presste. Das muss man nun nicht unbedingt glauben, jedoch gibt es auch gesichertere unehrenvolle Tode hoher Könige. So wurde Edmund dem Eisenharten von Angelsachsen auf dem Lokus zweimal eine lange Klinge in den Popo gerammt, nachdem ihm ein Attentäter in der Grube unter dem Klohäuschen aufgelauert war. Der Tod Edwards II. war dem ähnlich, wobei die Klinge dabei noch angeblich rot glühend war – muss man nicht bedingungslos glauben, denn wie sollte man eine Klinge in der Grube am Glühen gehalten haben – und wäre nicht beim dort vorhandenen Methan ein kapitales Feuerchen dabei herausgekommen? Georg II., der für sein äußerst geräuschvolles Geschäft bekannt war, war eines Tages noch lauter als sonst, danach wurde er tot in seinem Herzhäuschen aufgefunden. Auch Otto II. starb aufgrund von Stuhlgang. Er hatte ohnehin Durchfall gehabt, aber da er etwas ungeduldig war, hat er so viel Aloe (Abführmittel) genommen, dass man damit die Gedärme seines halben Heeres hätte leer spülen können - zu viel jedenfalls für nur einen Popo. Der römische Kaiser Heliogabal wurde auf dem Klo gar von politischen Feinden zerstückelt und in die Kloake entsorgt. Haakon VII. von Norwegen rutschte auf einem Seifenstück aus und knallte mit dem Kopf auf das Wasserbecken, was er auch nicht überlebte. Soweit zu den Toilettentoden.
Attila der Hunne starb angeblich beim Sex, als ihm eine Arterie platzte, Phillip Paul II. von Orleans wurde bei einer Liebesnacht mit einer neuen Mätresse von einem Schlaganfall durchzuckt. König Mithridates VI. wollte seine kleinasiatische Herrschaft im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt dadurch beenden, dass er Gift nahm. Da er sich aber aus Angst vor Giftattentaten sein ganzes Leben lang mit kleinen Giftportionen resistent gegen Gift gemacht hatte, klappte dies nicht und ein Sklave musste ihm stattdessen sein Schwert in die Rippen zwiebeln. Nero machte das wenigstens selbst: Er schnitt sich die Kehle durch, bevor das Volk ihn lynchen konnte. Sultan Abdul Aziz machte es ähnlich, indem er nach seinem Sturz die Gefängniswache um eine Schere zum Bartstutzen bat, welche er aber dann zum Pulsaderstutzen benutzte. Kaiser Menelik II. von Äthiopien starb beim Verzehr von Bibelseiten, was zu seiner Zeit dort als Heilmethode galt. Valentinian I. starb bei einem cholerischen Anfall, weil eine Schlagader platzte. Lepra war das tödliche Gebrechen Roberts I. von Schottland, während ein Blutgerinnsel das Leben Karls. des VII. von Frankreich beendete, nachdem er sich an einem niedrigen Holzbalken das königliche Haupt gestoßen hatte. Selbstlos war der Tod Eleonores, die ihrem Mann, Eduard I., Eiter aus einer Wunde gesaugt hatte. Diagnose: Exitus durch Vergiftung. Jakob II. von Schottland starb in der Schlacht, was ehrenvoller erscheint, als es ist, weil eine seiner Kanonen explodiert war und ihn dies gut die Hälfte seines Hauptes gekostet hatte. König Alexander I. von Griechenland starb nach einem Biß durch seinen Lieblingsaffen, Franz Ferdinand von Österreich starb durch das Attentat, das Anlass des ersten Weltkriegs war. Er war so eitel, dass seine Knöpfe nur aufgenäht waren, während die Jacke zugenäht war, damit sie immer faltenfrei und frisch aussah. Man schaffte es nicht, die Jacke zu öffnen, um das Leben des Prinzen zu retten.
Die Krone der kreativen Sterbeweisen setzen die keltischen Helden diesem Kapitel auf. So konnte der Held Lleu nur sterben, wenn er etwas wirklich extrem Blödes tat: Er musste mit einem Bein auf dem Rand eines Badezubers und mit dem anderen Bein auf dem Rücken einer Ziege stehen. Nur dann war er sterblich, und auch nur, wenn man ihn mit einem Speer umnietete, dessen Herstellung ein Jahr gedauert hatte.

Der Freitod ist eine andere Art des Sterbens, die man nach Belieben und Laune kreativ ausschmücken kann. Doch Vorsicht: Wer sich selbst umbringt, kommt nicht in den Himmel. Mehrere Gründe gibt es, warum der Freitod nicht zur Erlösung führen kann. Ein Grund ist der, dass Verzweiflung zu den schweren Sünden zählte. Wer also sich selbst umbrachte, hatte sich sicherlich vorher der Verzweiflung hingegeben und somit eine schwere Sünde begangen, was nun einmal dazu führen musste, dass seine Seele nicht errettet werden konnte und sein Arsch in der Hölle schmoren musste. So ist die Erde eine Prüfung, ein Jammertal, welches uns läutert und auf die Probe stellt, um zu sehen, ob wir fürs Halleluja-Singen im Himmel auch brav genug sind. Wer diese Prüfung frühzeitig abbricht, bekommt eine sechs und ist durchgefallen. Vor allem aber ist das Leben eine Gabe Gottes, und wer diese Gabe ablehnt, beleidigt Gott. Du sollst nicht morden, heißt ein Gebot, wie der Leser dieser Website Florian Gott selbst zitierte. Darum waren Selbstmörder zu allen Zeiten verachtet, und beim Schlimmsten unter ihnen, Judas Ischkariot, dem Verräter Jesu Christi, soll sogar der Feigenbaum verdorrt sein, an dem er sich erhenkt hatte. Man nahm das Ganze echt wichtig. Nachdem sich der Sohn Sissis und Kaiser Franz’ umgebracht hatte, sah man sich genötigt, ihn posthum für geisteskrank zu erklären, um seinen Selbstmord zu rechtfertigen.
Wie auch immer, Selbstmörder wurden lange Zeit nackt an einer Wegkreuzung begraben, weil man sie eines ordentlichen Begräbnisses für unwürdig hielt. Nun, der Leser Slash kennt eine Ausnahme, die für gewisse Religionen durchaus üblich war: Gegen eine nicht unerhebliche Ablasssumme wird man sogar als Selbstmörder im Dom zu Xanten aufgebahrt. Eines war aber klar: Bei Selbstmördern folgte kein Geistlicher dem Sarg auf seinem Weg, denn es gab keine Seele mehr zu betreuen.
Vielen Selbstmördern trieb man einen Pflock durch das Herz, ein Ritual, bei dem angeblich immer viele Zeugen anwesend waren, war das Ganze doch in etwa so spannend wie eine Hinrichtung. Die Quellen sind an dieser Stelle nach Meinung des Anonymen Christen nicht wirklich einig, denn an anderer Stelle erwähnt der Anonyme Christ wahrheitsgemäß, dass man bisher nur einen einzigen Toten mit nachträglich eingehämmertem Pflock gefunden hat.
Wo wir gerade beim Freitod sind: Man behauptet ja, dass Tote nicht stöhnen. Tun sie aber doch, allerdings nur, wenn sie erhenkt worden sind oder sich selbst erhenkt haben. Das Phänomen erklärt sich dadurch, dass das Herumhängen in einer etwas unnatürlichen Halsstellung geschieht. Kommt dann bei Abschneiden bzw. Abknüpfen der Hals wieder zur Streckung, so entweicht die Luft aus der Speiseröhre und Luftröhre, was zu einer Art Rülpser oder Stöhnen führt. Daraus folgern zwei Dinge: Erstens sollte man, wenn man einen Erhenkten abknüpft und er nicht stöhnt, die wirkliche Todesursache noch einmal prüfen, und zweitens kann man damit Neulinge bei der Polizei exzellent erschrecken, wenn diese zum ersten Mal einen Selbstmörder abschneiden.
Ein Gutes hatte das Ganze schon: Stricke von Erhängten haben magische Kräfte, so spricht das Mittelalter.

Auch hervorragend in ihrer Kreativität in Sachen Sterben sind Serienmörder. Dabei helfen Serienmörder nicht sich selbst, sondern eher anderen Leuten beim Sterben. Um einige weitere kreative Methoden des Sterbens vorzustellen, machen wir den Leser einmal mit einigen Serienmördern bekannt. Zartbesaitete sollten angesichts der extremen Geschmacklosigkeit der folgenden Ausführungen wegsehen. Dabei sind direkt die ersten zwei, nämlich William Hare und sein Freund Burke, nicht so ganz typische Serienmörder, denn sie mordeten nicht aus irgendeiner Lust heraus, sondern einfach aus Geldgier. Bis 1832 n. Chr. gab es in Großbritannien nämlich ein Verbot der Obduktion von Leichen. Der Auftraggeber der beiden, ein Professor Knox aber, wollte dennoch obduzieren, der wahre Triebtäter war also er. Die beiden brachten bis 1828 n. Chr. mindestens vierzehn Leute um, indem sie sie mit Whiskey besoffen machten und erstachen. Sie wurden hingerichtet. Ebenfalls aus Geldgier mordete Dr. Petiot. Er gab sich als Schlepper für flüchtende Juden in der Nazi-Zeit aus, kassierte Geld von den Juden für’s Schleppen, schleppte aber nicht, sondern brachte seine Kunden um. Er verbrannte die Leichen in einer Art Privatkrematorium. Zwischen 1941 und 1946 n. Chr. gingen über fünfzig Leute auf sein Konto. Marybeth Tinning war dann schon eher eine typische Serienmörderin, allerdings ermordete sie nicht etwa irgendjemanden, sondern immer nur ihre eigenen Kinder - alle sieben. Das geschah über viele Jahre hinweg, ist also nicht etwa mit einem Amoklauf zu vergleichen oder einer Affekthandlung wie bei Familiendramen, die von Zeit zu Zeit in den Nachrichten zu sehen sind. Nun aber zu den richtig Berüchtigten, angefangen mit Andrej Tschikatilo, einem russischen Literaturlehrer, der immerhin 55 Kinder  und Jugendliche umbrachte. Einige seiner Schüler erpressten ihn, er katalysierte seine Wut auf diese Weise. Er wurde 1990 n. Chr. erwischt und hingerichtet. Aileen Wuornos wurde 1991 n. Chr. geschnappt. Sie hatte mindestens neun wildfremde Autofahrer als Anhalterin umgebracht, weil sie ihre und ihres Freundes Armut nicht ertragen konnte. Damit man Albert Fisch aus New York besser kennen lernt, lese man am besten eine Zeile aus einem seiner Briefe an die Mutter eines seiner 15 kindlichen Opfer: „Grace setzte sich auf meinen Schoß und gab mir einen Kuss. Da habe ich beschlossen, sie aufzuessen.“ 1936 n. Chr. kam der ältere Herr und perfekte Großvater-Typ auf den elektrischen Stuhl. Der italienische Frauenmörder Verzini erläutert uns freundlicherweise ebenfalls seine Taten: „Mir ist nie die Idee gekommen, die Genitalien zu berühren oder zu betrachten. Es genügt mir völlig, den Hals der Frau zu schlitzen und Blut zu saugen.“ Ach so, dann ist ja gut. Auch John  Haigh aus London trank Blut aus der Kehle seiner Opfer. Dem 1824 n. Chr. guillotinierten Franzosen Léger  genügte dies offensichtlich nicht, er sah sich als Bestie und war es auch, denn er fiel wie ein Tier über Frauen her, vergewaltigte sie, tötete sie, riss ihnen die Brüste und das Herz heraus, aß und trank von ihnen. Der Metzger Grossmann, 1921 n. Chr. hingerichtet, verarbeitete vierzehn Frauen zu Wurst.  Fritz Haarmann aus Hannover brachte es auf 27 beweisbare Morde. Es waren alles männliche Jugendliche, oft Schwule, mit denen er meist Sex hatte, währenddessen er sie in den Hals biss und sie so umbrachte. Er warf sie in den Fluss oder aß selbst, was er auf dem Markt nicht verkaufen konnte (auch er war Metzger und bekannt für sein Pferdefleisch von hoher Qualität). Er wurde 1925 n. Chr. geköpft. Die Dunkelziffer bei Haarmann dürfte aber enorm sein, man schätzt, dass er es auf bis zu 600 Morden gebracht haben könnte. Diese Zahl mag unglaublich klingen, aber auch der 1922 n. Chr. guillotinierte Franzose Henri Désiré wurde des Mordes in 280 Fällen verdächtigt. Allerdings konnte man auch ihm nur elf nachweisen, allesamt an Frauen. In Münsterberg in Schlesien lebte der berüchtigte Landwirt Karl Denke zurückgezogen. Er fraß mindestens 31 Menschen auf, gab seinen ahnungslosen Opfern, die sich als Gäste eines freundlichen untersetzten Herrn mit grauem Haar wähnten, vorher von vorigen Opfern zu essen, welche oft gepökelt waren. Das Schlachtgewicht verzeichnete er sorgfältig, fertigte Schnürsenkel und Hosenträger aus Haut. Ein solcher Gast aber konnte im letzten Moment fliehen; ihm war aufgefallen, dass das Fleisch, dass Denke ihm gab, behaart war. Noch schlimmer sah es in der Wohnung des dreißigjährigen Jeoffrey Dahmer aus Milwaukee aus. Als er aufflog, fand man einen verwesenden Menschenschädel in seinem Kühlschrank, im Gefrierfach noch ein Herz und ein paar innere Organe. Er besaß ein 230-Liter-Säurefaß, in dem drei Torsos schwammen. Man fand Genitalien, Hände und Füße in der Wohnung, einen ganzen Schrank voller Knochen, welche übrig geblieben waren von seinem Thron, den er sich ebenfalls aus Knochen gebastelt hatte. Sieben weitere Schädel fand man noch, teils bemalt, fünf Skelette dazu. Die Wohnung, geziert mit männlichen Aktfotos, glich einem Horror-Alchimistenlabor mit Bleichmitteln, Säuren und Konservierungspräparaten. Insgesamt waren es siebzehn Männer, die Dahmer getötet und konserviert hatte. Meistens hatte er vorher sexuellen Kontakt mit ihnen, manchmal nachher. Ein Mithäftling prügelte ihm 1994 n. Chr. den Schädel ein. Ähnlich wie bei Dahmer sah es im Gefrierschrank von Ed Gein aus Wisconsin aus. Darin fand man Leichenteile von fünfzehn Leuten, vier Nasen in einer Tasse, Armbänder und Trommelbespannung aus Menschenhaut und eine Art Schmuckkette aus Lippen. Er wurde 1957 n. Chr. geschnappt und war das Vorbild für Hannibal Lector aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“. Übrigens vögelte er seine Opfer, die alle weiblich waren, nach ihrem Tod. Anfangs hatte er sie aus dem  Friedhof ausgebuddelt, aber das war zu anstrengend, daher produzierte er irgendwann halt seine Leichen selbst. Ein echter Triebtäter war auch Peter Kürten, der Düsseldorf unsicher machte und nur zum Orgasmus kam, wenn er mit einer Schere auf Leute einstach. Mindestens neun Morde hatte der 47jährige Ehemann hinter sich, als er 1931 n. Chr. unter das Fallbeil kam. Er behauptete, das Blut der Menschen durch ihre Adern rauschen hören zu können. „Das Blut ist ausschlaggebend in den meisten Fällen, das bloße Würgen reicht nicht aus, um zum Samenerguss zu kommen.“ gestand er seinem Arzt. „Herr Professor, sie müssen mal einer Gans den Kopf abschneiden, wenn das Blut so schön rauscht.“ Adolf Seefeldt wiederum hatte eine seltsame Affinität zu kleinen Jungen in Matrosenanzügen, die damals, 1935 n. Chr., in Deutschland modern waren. Er lockte mindestens zwölf davon in ein Wäldchen und hypnotisierte sie, missbrauchte sie in diesem Hypnosezustand und erwürgte sie. Rudolf Pleil und Karl Hoffmann wiederum mordeten direkt nach dem zweiten Weltkrieg aus völlig unterschiedlichen Gründen: Pleil wollte Sex mit toten Frauen, Hoffmann deren Besitztümer. Aber beide arbeiteten zusammen. Doch gab es an Besitztümern wenig zu holen, darum gab Hoffmann das Morden auf, während Pleil weitermordete. Es ist nicht klar, wie viele Leute Pleil umbrachte. Er erhängte sich 1958 n. Chr. in seiner Gefängniszelle. Übrigens war er Hilfspolizist. Ebenfalls ein waschechter Triebtäter war Jürgen Bartsch aus Essen. Er tötete ab 1963 n. Chr. kleine Jungs und zerfetzte ihre Leichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Serienmördern kam er aus recht intakt erscheinenden Familienverhältnissen. Charles Manson, eine Art spiritueller Guru, ließ Menschen in ekstatischen Orgien schlachten, mehrere Frauen halfen ihm dabei.

Hier kommen wir nun in eine Zone, in der tatsächlich die Grenzen zwischen Serienmord und Massenmord verschwimmen. Ein feines Beispiel dafür war Elisabeth Barthory, eine ungarische extrem reiche Gräfin. Ihre ganze Verwandtschaft war degeneriert und blutrünstig (immerhin gehörte Vlad Tepes, das Vorbild für Graf Dracula, dazu), und auch Elisabeth selbst nannte man nicht umsonst die Blutgräfin. Sie quälte ausschließlich junge Frauen und lebte ihren Sadismus voll aus, nachdem ihr Mann, ein berüchtigter Türkenfolterer, 1604 n. Chr. gestorben war. Sie riss Dienerinnen mit den Zähnen oder Instrumenten  ganze Fleischstücke vom Leib, zerriss ihnen buchstäblich den Mund oder trieb Nadeln in ihren Körper, setzte gerne die Schamhaare der Dienerinnen in Brand, legte ihnen glühende Sachen auf den Körper oder steckte ölgetränktes Papier unter deren Fingernägel, das sie entzündete. Sie jagte Mädchen in den Tiefschnee, wo sie, mit Wasser übergossen, erfroren. Die Gräfin war mächtig und benutzte für solche Spielchen zunächst nur Slowakinnen, also unterworfene Feinde; darum blieb sie ungeschoren. Das änderte sich 1611 n. Chr., weil sie dann auch adelige Jungfrauen missbraucht hatte und man sie lebendig in einen Schlossturm einmauerte, wo sie bis 1614 n. Chr. dahindämmerte. Ihre Komplizen tötete man nach diversen Folterungen per Scheiterhaufen. Die Anzahl von Elisabeths Opfern geht in die Hunderte. Man sagte damals, sie bade im Blut von Jungfrauen, 650 an der Zahl, weil dies ihrer Schönheit gut tue. Auch, wenn dies nicht stimmte, so nährten die oft recht blutleeren Leichen (Elisabeth ließ ihre Opfer einfach auf irgendwelche Äcker karren) im Umfeld der Burg dieses Gerücht.

Die angeblich verjüngende Wirkung von Blut findet sich sogar in Bram Stoker’s Dracula-Roman wieder. Auch Vlad Tepes, das historische Vorbild Dracula, empfand Lust dabei, zu töten und zu verstümmeln. Frauen zerstückelte er gerne die Genitalien, und seine Strafen waren immer sehr raffiniert. Das Pfählen, das er so liebte, führte oft erst nach Stunden oder Tagen zum Tod, und er pflegte, in den Wäldern aus Gepfählten zu frühstücken und zu flanieren. Dass er Menschenfleisch aß, ist nicht belegt.

Ein weiteres Beispiel im Stile der Elisabeth Bartholdy und des Vlad Tepes ist Jeanne d’Arcs ehemaliger Mitkämpfer Gilles de Rais, ein Held im Krieg, aber ein Häufchen Elend danach. Der Grund war, dass er nun seine „dunkle“ Seite nicht mehr ausleben konnte. Irgendwann tat er es aber dennoch und ermordete im Laufe der Zeit mindestens 140 Kinder zwischen sieben und fünfzehn Jahren, meist durch Enthauptung - eigenhändig natürlich. 1440 n. Chr. wurde er hingerichtet. Man sagte ihm nach, er habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Es gibt übrigens eine Tatsache, die nicht unbedingt dafür sprechen muss, aber doch in dem Zusammenhang interessant ist: 1502 n. Chr. war die einst sehr mächtige und reiche Familie der Rais komplett ausgestorben. Ein Preis für den Pakt?

Nun, all die vielen Opfer der Serienmörder sind Beispiele für wirklich unschöne Tode. Doch der Moment des Todes war durchaus nach früherer Ansicht von großer Relevanz. Man deutete im Mittelalter den Gesichtsausdruck des Toten. Waren seine Züge glückselig und entspannt, war er wohl nun im Himmel. War der Gesichtsausdruck erschrocken oder verängstigt, war dies ein Indiz dafür, dass der Verstorbene zur Hölle gefahren war. War der Ausdruck verkniffen und angespannt, war der Mensch  wahrscheinlich an Verstopfung gestorben. Und laberte er vor sich hin, war er noch nicht tot. Hinter dieser ganzen Fressendeuterei steckte die Vorstellung, dass der Teufel immer zugegen sei, wenn jemand stirbt, und versuche, einen zu holen. Ihm musste die Seele entkommen, um in den Himmel aufsteigen zu können. Die Apokryphen, genauer gesagt das Buch über den “Heimgang der seligen Maria” behauptet sogar in Vers 8, dass jeder Mensch, der stirbt, den Teufel sieht. Da ist eine Textstelle, in der die alte Jungfrau Maria halt im Abnippeln begriffen ist und das übliche “Herr, rette meine Seele vor der Dunkelheit, damit ich die schrecklichen Geister nicht sehe”-Gerede betet. Und weil es halt seine Mama ist, geruht der Heiland sogar zu antworten und sagt: “Als ich … am Kreuze hing, kam der Fürst der Finsternis auf mich zu, aber da er keine Spur seines Werkes an mir erkennen konnte, zog er sich … zurück. Ich habe ihn gesehen, und du wirst ihn sehen, wie es das allgemeine Gesetz des Menschengeschlechts verlangt, dem du dich im Sterben unterwirfst.” Doch auch böse Geister aller Art, so sagte man früher, bedrohten den Sterbenden. Nicht umsonst stärkte man Sterbende mit einem Abendmahl und der letzten Ölung. Tja, von wegen helles Licht, auf das man gemütlich zu schwimmen kann…

Dabei hatte man damals bei der Feststellung des Todes eine recht hohe Fehlerquote, schreibt die Leserin dieser Website Kenirha: Es gibt nicht umsonst die gesetzliche Regelung, das ein Verstorbener zwei Tage aufbewahrt werden muss und auch hier zwei unabhängige Ärzte den Tod feststellen müssen. Und ein Koma kann man sehr gut diagnostizieren, findet Kenirha. Damit hat sie auch recht, aber früher war das alles viel schwieriger. So selten war das gar nicht mit den Scheintoten, immerhin warf man bei großen Epidemien alles in die Massengräber, was sich längere Zeit nicht bewegte. Stand dann plötzlich einer dieser Leute wieder auf, so war das schon eine gruselige Sache. Es gab aber später ein sicheres Anzeichen dafür, dass ein Toter nicht wirklich tot war: Wenn die Pferde beim Ziehen des Sarges zum Friedhof nicht mehr weitergehen wollten.

Beim Philosophen Arthur Schopenhauer war die Angst vor dem Lebendig-Begraben-Sein so groß, dass er immer dann, wenn er in seinem Sessel schlafen wollte, einen Zettel daran hing mit dem Hinweis, er sei nicht tot, sondern bestenfalls scheintot. Der russische Schriftsteller Nicolas Gogol wurde 1852 n. Chr. scheintot begraben. Zumindest fand man seine Gebeine, als man ihn exhumierte, in einer völlig verdrehten Position. Irgendwie musste er es geahnt haben, denn er verhielt sich sehr seltsam vor seinem Tod, aß nicht mehr und zwang sich selbst, nicht zu schlafen. Auch sagte man, dass er unglaubliche Angst vor dem Lebendig-Begraben-Sein hatte.

Übrigens: Wer als tot definiert ist, ist nun mal auch tot und hat sich als Toter zu verhalten. Jemandem, der die letzte Ölung erhalten hatte, aber immer noch lebte, war es im Mittelalter verboten, barfuss zu gehen, Fleisch zu essen oder Sex zu haben.

Und wo stirbt es sich am besten? Zum Sterben geht man auf einen hohen Berg, sagt man. Einige Indianerstämme tun das auch so, mag sein. Die Eskimos aber machen es so, dass sie sich irgendwo im ewigen Eis einfach aussetzen lassen. In Afrika machen es die Hottentotten ähnlich und überlassen den Alten der Wildnis. Noch drastischer die Skandinavier, die früher ihre Alten in große Tonkrüge packten, wo sie sie dann sterben ließen. Die ollen Äthiopier ließen sich, wenn sie die Zeit für reif hielten, auf einem wilden Stier festbinden, während die Eingeborenen Kongos damals schlichtweg so lange auf ihren Alten und Kranken rumtrampelten, bis diese platt waren. Übrigens war es auf Kea, einer griechischen Insel, in der Antike Gesetz, dass man mit sechzig Selbstmord zu begehen hatte. Dort hielt der Richter auch immer eine Axt bereit. Wollte jemand sich umbringen lassen, so brauchte er es nur zu sagen. Damals hatte man keine Riester-Rente nötig.

Bei den Jivaro in Südamerika werden verstorbene Frauen und Kinder unter den Bodendielen des Hauses verbuddelt. Die toten Männer wurden verbrannt, aber auch erst, nachdem sie eine geraume Zeit auf einem Stuhl sitzend im Kreise ihrer Lieben verbracht hatten. Die Irian Jaha in Indonesien verbrennen ihre hochgestellten Männer nicht ganz, sondern räuchern sie eher, denn sie hängen den verkohlten Leichnam dann gerne an die Dachgiebel. Ist originell und hält den Toten noch etwas im Gedächtnis, schön. Ein interessanter Brauch ist uns von den Kelten überliefert. Große keltische Häuser brauchen nun einmal einen Hausgeist als Schutz. Nun bekam man so einen Hausgeist nicht im Supermarkt, sondern man musste sich einen basteln. Dazu sorgte man dafür, dass ein Bauarbeiter einen dummen, unglücklichen Unfall erlitt, und begrub den Handwerker nun im Haus. Damit war er an das Haus gebunden und ein Schutzgeist. Noch heute spiegelt sich dieser Brauch in der Sitte, das Blut eines schwarzen Hahnes auf die Türschwelle zu sudeln, sobald das Haus fertig ist. Damit war der Beruf des Bauarbeiters damals wohl um einiges gefährlicher als heutzutage, wo die Arbeitssicherheitsbestimmungen derart gehalten sind, dass man Mitarbeiter darüber belehren muss, dass man nun raueres Toilettenpapier eingekauft hat und dies bei zu heftigem Abwischen Verletzungen verursachen kann. Auch die Yaro in Peru sahen ihre Verstorbenen als Beschützer an. Sie setzten die Toten in ein mehrstöckiges Fenstergebäude, von wo aus sie über das Dorf wachten.

Dass auch Christen dieser Art von Glauben anhängen können, beweist, dass man an neu gegründeten Friedhöfen und Kirchen ein Tier lebendig begrub - als Schutzgeist. Weil diese Tiere dann angeblich hier und da mal von ihrem Gebet aufsehenden Gläubigen als Geister gesehen wurden, hießen sie Kirk-Grims (Kirchenschrecken). Übrigens stieg die Wahrscheinlichkeit, einen Kirk-Grim zu sehen, schlagartig ab einer gewissen Menge Messwein.

Dass man bei den Yaro wie oben beschrieben die Toten für Wächter hielt und nicht für etwas Ekelhaftes, vor dem man Angst haben musste, ist einleuchtend. Auch in unseren Breiten war das früher so. Noch vor etwa hundert Jahren hielt man in christlichen Gegenden drei Tage lang Totenwache direkt bei der Leiche, welche jene drei Tage lang im Haus blieb und bei den Lebenden verweilte. Man sah den Toten an, gewöhnte sich an den Anblick und redete mit ihm (ein eher einseitiges Gespräch zugegebenermaßen). Im 19. Jahrhundert n. Chr. konnte zwischen Tod und Beerdigung gar ein Zeitraum von bis zu drei Wochen liegen, zumindest bei schwerreichen Leuten. In diesen drei Wochen wurde der Leichnam balsamiert und so ein Stück weit an der Verwesung gehindert. Täglich besuchten ihn die Freunde, Nachbarn und Verwandten, war er doch endlich ein guter Zuhörer. Man saß vor der Leiche in einem schwarz verhangenen Raum und trauerte.

Sogar Pflichten hatte der Tote noch, insbesondere als Landwirt. War der Bauer nämlich verstorben, so hieß das nicht, dass er von seinen bäuerlichen Pflichten entbunden war. Er (bzw. was da so noch von ihm herumlag) musste nämlich noch das Vieh segnen. Dazu wurde das Vieh an seiner Leiche vorbeigeführt. Der Bauer selbst musste dabei nicht viel machen außer herumzuliegen. Dieser Aufgabe wurden die meisten toten Bauern dann auch hervorragend gerecht, so dass das Vieh in fast allen Fällen erfolgreich gesegnet werden konnte.

Man glaubte lange, dass der Tote in den ersten drei Tagen noch alles mitbekomme, weil seine Seele noch in ihm wohne. Die Rechtsprechung vieler Gebiete ließ sogar die Unterschrift eines weniger als drei Tage Verstorbenen zu. Kein Witz: Gab man einem Toten eine Schreinfeder in die Hand und führte sie beim Unterschreiben, galt diese Unterschrift, welche man auch “Unterschrift mit warmer Hand“ nannte.

In Brno in Mähren legte man die toten Kapuzinermönche ohne jeglichen Sarg und ohne Abdeckung in die Krypta, um meditierend zwischen den Leichen wandeln zu können, was bei dem Gestank und Wurmbefall sicherlich eine Erfahrung war, die jeden Gothic-Fan begeistern dürfte. Rudolf von Riongoltingens Grab war auch recht offen gebaut, und jederzeit konnte man sehen, die die Vergänglichkeit ihr Werk am ollen Rudi vollbrachte und sein Grinsen jeden Tag breiter wurde. In der Kirche St. Immacolata in Ischia Ponte feierten die fröhlich vor sich hinrottenden Äbtissinnen selbst dann noch fromm den Gottesdienst, als sie längst bei jeder Bewegung auseinander zu fallen drohten, und für die Mitschwestern war das ebenso wenig ein Problem wie die vielen Skelette von Mönchen in den verschiedensten Klostern Europas dies für deren lebendige Bewohner war. Die Krönung der Knochenarbeit ist wohl die Kirche Kostnice im böhmischen Kutna Hora, wo die gesamte Einrichtung der Kirche komplett aus den Knochen von Pestopfern gefertigt ist, vom Wappenschild über den Kerzenhalter bis zum Altarschmuck, von der Girlande bis zum Kronleuchter. Der Anonyme Christ nutzte die Gelegenheit, diesen Ort besuchen zu dürfen, und seltsamerweise kam ihm die Stimmung der Kirche nicht morbide vor, sondern eher hell, friedlich. Die Meditation zur Hinführung auf eine fromme, gute Sterbestunde war ein normaler und alltäglicher Bestandteil religiöser Erziehung für Geistliche fast des gesamten Mittelalters und hatte nichts mit der Neugier gemeinsam, mit der Touristen heutzutage auf irgendwelche Mumien, Heiligen oder in Glas aufgebahrte politische Berühmtheiten starren. Das Verhältnis zu Toten war damals einfach ein anderes.

Der Tod wird in unserer Gesellschaft mehr tabuisiert als je zuvor, außerdem sinkt der Glaube daran, dass es ein Leben nach dem Tode geben kann. Folglich wird der Tod ein Schrecken, stillgeschwiegen, aus der Gesellschaft ausgeschlossen und unbekannt. In vielen Kulturen ist zu bemerken, dass die direkte Angst vor Toten im Grunde so lange anhält, wie der Leichnam an sich noch existiert - ein Grund mehr für viele Kulturen, einen Leichnam zu verbrennen statt zu beerdigen. Außerdem gibt es da wohl eine zeitliche Grenze, denn in dem Moment, wo ein Mensch nur Gebeine sieht - am besten noch von Leuten, von denen er noch nie etwas gehört hat -, scheint er gut damit umgehen zu können. Dies wiederum ist anders, wenn es sich um ein ganzes, komplett erhaltenes Skelett handelt, vielleicht, weil man diesem noch unbewusst eine Art Handlungsfähigkeit im Sinne des Untods zutraut. Eine Leiche wird hier und heute so schnell wie möglich entfernt und ist in der Regel schon kurz nach dem Tod in einer hölzernen Kiste in einem dunklen Gebäude, sodass bei den Hinterbliebenen kein wirksamer Verarbeitungsmechanismus in Gang gesetzt wird, sondern lediglich ein Verdrängungsprozess. In den USA kommen immer mehr Beerdigungen in Mode, bei denen die Leiche nicht einmal mehr anwesend ist, womit die Amis dem Verdrängungsprozess die Krone aufsetzen. Doch wie ein guter Bekannter des Anonymen Christen immer zu sagen pflegt: WAS VERDRÄNGT WIRD, KOMMT WIEDER!

Der Leser dieser Website Heretic ergänzte, dass auch das übertriebene Hygienebewusstsein unserer Gesellschaft schuld an der Leichenangst ist. So halte man sich von allem, was faulig oder auch nur schmutzig ist, fern, und neben einigen Phobien und der Beliebtheit der Untoten als Filmmonster züchte man sich so vor allem Allergien. Damit hat Heretic nicht Unrecht. Das extrem diskrete und peinlich hygienische Entsorgen des Leichnams heutzutage gipfelte darin, dass der Anonyme Christ seinerzeit als Zivi im Krankenhaus die Leichen ins Leichenschauhaus bringen musste, die die Schwesternschülerinnen sich wegzubringen weigerten. Kleiner Tipp: Wenn nicht mal Krankenschwestern mit Toten umgehen können, sagt das einiges über unsere Gesellschaft aus. Die Leserin Kenirha bezweifelt das mit den Allergien und betont, dass vor allem Resistenzen und Krankheiten durch das übertriebene Hygienebewusstsein neu kultiviert werden, die eigentlich schon deutschlandweit als ausgestorben zu bezeichnen waren: Cholera, Pest,… Nun, der Anonyme Christ bezweifelt dies teils, möchte sich auch bezüglich der Allergien eher auf Heretics Seite schlagen. Richtig ist auf jeden Fall Kenirhas Aussage zur Erziehung: Die Sache mit der Totenangst sei eine Sache der Erziehung, was sich eben darin äußere, das KRANKENPFLEGEschülerinnen sich weigern, Leichname wegzubringen. Kenirha, offensichtlich selbst Krankenschwester, ist immer mitgegangen, die Patienten aufzubahren! Manchmal sei das schon gruselig gewesen! Kenirha findet, dass es eine Sache der Erziehung und der Achtung vor anderen ist, wie man mit „seinen“ Toten umgehe. Damit hat die Kenirha Recht, findet der Anonyme Christ, wenn es auch die gesetzliche Kadaverkonservepflicht im Mittelalter noch nicht gab.

Das heißt nun nicht, dass man früher gar keine Angst hatte vor Leichen: Das große Potential an unheilvollen Zeichen und Omen, dass eine Leiche für Abergläubische in sich birgt, stammt nicht aus der heutigen Zeit, sondern von früher. Ein schönes Beispiel ist bis heute der Aberglaube, Wäschewaschen am Freitag bringe Unglück: Früher war der Freitag der Tag, an dem Jesus Christus dieses drückende Problem mit dem Kreuz und den Nägeln gehabt hatte, der Tag, an dem man die Ruhe der Toten auf keinen Fall stören durfte. Wer wusch, tat eine Hausarbeit, die diejenigen stören könnte, die in dem Hause verstorben waren.

Ein anderes Beispiel ist die Sache mit dem Augenschließen. So schließt man Toten die Augen ursprünglich nicht, damit diese nicht austrocknen, sondern aus einem ganz anderen Grund, der sich sehr viel gruseliger ausnimmt. Man glaubte lange, dass ein gerade Verstorbener bis zu neun Leute mit ins Grab nehmen könne, alleine dadurch, dass er einen Lebenden ansah. Dazu, so meinte man, sei der Tote durchaus in der Lage, den Kopf zu wenden und den Blick durch das Zimmer schweifen zu lassen, wenn man ihm gerade den Rücken zudrehe. Dann starrte er einem auf den Rücken, doch drehte man sich um, lag er wieder da wie zuvor. Doch war man nun des Todes. Die Zahl neun ist eine teuflische Zahl, darum sprach man auch von bis zu neun Leuten, und die Leichen, die auf diese Art des Teufels waren, nannte man Neuntöter. Mindestens eine Quelle setzt den Nachzehrer (siehe Untotenkapitel) dem Neuntöter gleich, der Anonyme Christ widerspricht dem einhellig mit den übrigen Quellen. Man verhing auch alle Spiegelflächen in Trauerhäusern, denn auch durch Spiegel konnten Neuntöter Lebende erblicken.

Vor allem aber durfte die Seele eines Menschen nicht gesehen werden, doch da man meinte, sie könne sich spiegeln, mussten eben alle Spiegelflächen verhangen sein, natürlich in schwarz. Wer nun ein bisschen weiter denkt, weiß, warum man von Vampiren sagt, dass sie sich nicht spiegeln…
Aber es gibt noch ein paar gruselige Dinge, die mit Leichen passieren, während sie halt gemütlich irgendwo über dem Zaun hängen oder auf der Bahre weilen. So sagt man, dass die Haare und Nägel nach dem Tod noch ein Stück weiter wachsen. Doch zum Wachsen braucht man Proteine und viele andere körperliche Baustoffe. Diese werden alle über das Blut geliefert, und wenn kein Blut mehr fließt, wächst nach Aufbrauchen der vorhandenen Stoffe auch nix mehr. Zwar gibt es das Gerücht, dass vor allem Haare nach dem Tod noch weiter wachsen, seit langem, aber ohne Nährstoffe kein Wachstum. Für einen Vampir heißt das, dass er bei der Wahl seiner Frisur sehr vorsichtig sein muss, denn sind die Haare einmal zu kurz geschnitten, wachsen sie nicht mehr nach. Der Irrtum entsteht vor allem dadurch, dass sich nach dem Tod das Fleisch zurückzieht, wodurch die Haare und Nägel länger erscheinen. Trotzdem hielt man so viel von dem Weiterwachsen von Haaren nach dem Tod, dass man in Friesland, Bayern und Schwaben zur Bekräftigung eines Schwurs die Hand auf die Haare legte. Nicht umsonst ist das Scheren der Haare sowohl bei Besiegten als auch bei Mönchen ein Zeichen von Unterwerfung. Und wie der Leser dieser Website Pleione ergänzte, passt dazu auch der nordische Glaube, die Toten kämen beim Ragnarök mit einem Schiff wieder, dass sie sich aus ihren Nägeln gebaut haben, dem so genannten Naglfar. Den Toten die Nägel zu schneiden, war eine religiöse Pflicht bei den Wikingern.
Tote können auch rülpsen und furzen, wenn der Magen- und Darminhalt anfängt zu gären. In Leichenhallen soll es manchmal ganz schön hergehen, behauptet der Leser Heretic. Nicht ganz zu unrecht übrigens, was uns zu einer weiteren Aussage führt: Leichen wachsen. Oh yes, Sir, Leichen können mit Wachstumsraten aufwarten, die nicht einmal ein Pubertierender mit noch so viel Akne bieten kann. Bei der Verwesung nämlich bilden sich Gase, und diese Gase - Methangas in erster Linie - blähen den Körper oft bis auf das zwei- oder dreifache auf. Das führt zu unangenehmem Magendruck und Völlegefühl, was aber dadurch ausgeglichen wird, dass sich die inneren Organe durch die unteren Körperöffnungen hindurchzwängen. Ein interessantes und ein winzig bisschen makaberes Phänomen ist dabei die postmortale Geburt. Bei verstorbenen Schwangeren kam es früher vor, dass das Ungeborene durch die Gase nach außen gepresst wurde und somit eine so genannte Sarggeburt zustande kam. Heute passiert das nicht mehr, denn man treibt postmortem ab.
Übrigens verwesen nicht alle Menschen gleichschnell. Die Wissenschaft fand heraus, dass tote Menschen sogar schneller verwesen als ihre lebenden Artgenossen. Vor allem aber fand man heraus, dass ein dicker Mensch schneller verwest als ein schlanker. Je fetter man nämlich ist, desto mehr Körperwärme ist gespeichert, die auch umso langsamer entweichen kann. Wärme aber beschleunigt die Vermehrung der Bakterien, und das wiederum beschleunigt die Verwesung. Während eine handelsübliche Durchschnittsleiche bei schönem Wetter im Freien etwa neun Tage braucht, um zu verwesen, kommen Dicke hier ausnahmsweise mal früher über die Ziellinie.
Neben den ganzen Gasen gibt es da noch das Phänomen der Totenstarre. Sie mit einem leichten Kribbeln im Nacken an und schleicht sich dann bis in den Kopf und die Füße hinein. Es verursacht heftige Migräne. Gut, dass man von diesen Dingen nichts mehr merkt. Und die Totenstarre kann sich auch urplötzlich sofort nach Eintritt des Todes auf den ganzen Körper auswirken. Was aber nur bei Tod durch Gewalteinwirkung oder einen Schockzustand kurz vor dem Tod eintritt. Vielen Dank an die Leserin dieser Website Melanie für ihre Korrekturen zu diesem Thema!
Beschäftigen wir uns einmal mit weiteren Möglichkeiten, wie wir Tote – nun, sagen wir einmal „endlagern“ können. Zunächst wäre da die Lösung mit dem Feuer. Feuerbestattungen sind im christlichen Bereich nicht so sehr üblich, aber inzwischen auch nicht illegal. Im Jahre 777 n. Chr. allerdings verbot man die Feuerbestattung in Sachsen und drohte mit der Todesstrafe bei Zuwiderhandeln. Die Feuerbestattung war damals ein Akt, der aus dem alten, nordischen Glauben übernommen war, und diesen wollten Leute wie Karl der Große um jeden Preis zugunsten des Christentums ausrotten. Auch vorher schon war in weiten Teilen des heiligen römischen Reichs deutscher Nation die Feuerbestattung aus eben diesen Gründen untersagt worden, und es war ein echtes Risiko, wenn man sich dennoch entschloss, einen Toten zu verbrennen, denn lief man Gefahr, entdeckt zu werden, half simples Auspusten meist auch nicht mehr. Erst 1964 n. Chr. wurde das Verbot der Feuerbestattung aufgehoben.
Will man einen Leichnam verbrennen, so soll man dies vollständig tun, ohne Überreste. Doch das ist alles andere als einfach, schreibt der Leser dieser Website Melle. Überreste, die aus unseren heutigen Krematorien kommen, werden nicht ohne Grund noch einmal gemahlen. Sonst passen die großen und angekohlten Knochen nicht in die Urne. Verbrennt man einen durchschnittlichen Erwachsenen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums, so reduziert sich sein Gewicht auf maximal vier Kilo, mancher erreicht sogar überaus schlanke anderthalb Kilo. Mit dem Gewicht der unverbrannten Leiche hat das nichts zu tun, vielmehr mit der Größe der Knochen. Diese verbrennen selbst in modernen Krematorien oft nicht ganz. Das Nachträgliche Zerstoßen geschieht selbstverständlich vollelektronisch.

Doch das Problem kann noch sehr viel drastischer sein. Benzin ist teuer, und in armen Gegenden wie Indien werden die Leichen oft mit zu wenig Benzin übergossen. Die halbverbrannten Körper landen dann im Fluss, was für einen Badenden mit etwas Pech zu einem echten Schockerlebnis führen kann und obendrein ein riesiges hygienisches Problem ist. Da auch Tierfett fein brennt, benutzt man oft (zum Beispiel in Afrika) viele Lagen tierfettgetränkten Tuchs, die man um den Toten wickelt, bevor man ihn anzündet. So verbrannten auch die kalifornischen Indianerstämme ihre Leichen komplett und zerstreuten den Inhalt der Behausung des Verstorbenen, weil sie Angst hatten, dass der Geist des Toten zurückkehrte und Böses tun könne.
Viele der geschätzten Leser werden natürlich Christen sein, und instinktiv werden sie vorschlagen, eine Leiche am besten zu beerdigen. Ist ja logisch: Stirbt ein Christ, wird er beerdigt. Oder nicht? Nun, Ausnahmen bestätigen die Regel. Oft schaffte man es nicht, nach Schlachten die Leute zu beerdigen, manchmal verbrannte man sie deshalb, auch, um Seuchen zu vermeiden. Oft aber tat man nicht einmal das, sondern trug die Leichen lediglich in einen Wald, wo sie verrotteten. Wenigstens die zum Sieger der Schlacht gehörenden Toten konnten sich meistens auf eine improvisierte Beerdigung freuen.
Einen Sarg gab es da oft nicht. So eine halbverweste Hand, die aus dem Grabe hochfährt, ist theoretisch keine Erfindung von Horrorautoren, sondern wirklich möglich. Man muss bedenken, dass eine Bestattung in einem Sarg im Mittelalter eine absolute Seltenheit war. Besonders Armengräber waren oft nichts als riesige Löcher, die so lange mit Leichen gefüllt wurden, bis sie fast überquollen. Dann tat man ein bisschen Erde drauf und fertig. Wusch nun der Regen den Boden aus oder buddelten Hunde auf dem Friedhof, so kam es vor, dass Leichen teilweise zum Vorschein kamen. Die Leichenstarre tat ihr übriges, und daher ist das mit der Hand, die aus dem Grabe fährt, gar nicht so unrealistisch. Das geht soweit, dass man es im Mittelalter als Zeichen interpretierte: Wessen Hand aus dem Grabe fuhr, der hatte entweder zu Lebzeiten einen Meineid geschworen oder seinen Eltern Gewalt angetan. Als Gimmick für die nächste nächtliche Friedhof-Szene dürfte dies hier eine gute Idee für Rollenspielleiter darstellen.

Übrigens war es eine Zeitlang Mode, sich nicht nur auf dem Friedhof neben der Kirche, sondern unter dem Boden in der Kirche begraben zu lassen, was zu üblen Geruchsproblemen führte.
Doch gab es auch Leute, die man absichtlich nicht beerdigte. Außenseiter aller Art, vor allem Selbstmörder und Hingerichtete waren einer Beerdigung nicht würdig und nach mittelalterlicher Meinung nicht von Gott geliebt. Ihre Seele war verdammt. In weniger konservativen Gegenden wurden Außenseiter zwar auf dem Friedhof begraben, aber auf der Nordseite, was so eine Art Anderthalb-Sterne-Aufenthalt für Verwesende war.
Verstorbene Säuglinge, die noch nicht getauft waren, beerdigte man zwar, aber immer außerhalb der Friedhofsmauern, denn ihre Seele war noch mit der Erbsünde, also dieser ominösen Sache mit der verbotenen Frucht befleckt, einer Sünde, mit der alle Menschen geboren werden und die erst durch die Taufe hinweg gewaschen wird. Das ging so weit, dass der Theologieprofessor Johannes Beleth Mitte des 17. Jahrhunderts n. Chr. verbot, dass eine verstorbene Schwangere in der Kirche aufgebahrt werden dürfe. Vor der Beerdigung müsse ihr das Ungeborene und somit nicht getaufte Kind entfernt werden, es müsse außerhalb des Friedhofs begraben werden. Totgeburten wurden übrigens auch beerdigt, oft an irgendwelchen Orten, wo keiner sie finden konnte, aber fast nie auf Friedhöfen.
Als so genannte Spunkies spukten in England und Schottland ungeborene oder ungetauft gestorbene Babys nachts um die Stelle herum, an der sie gestorben waren, oder aber dort, wo man sie begraben hatte. Sie sind auf der Suche nach jemandem, der ihnen einen Namen gibt und können sich in weiße Nachtfalter verwandeln. Erst beim jüngsten Gericht werden sie erlöst werden.
Sorry, das war ja jetzt doch ein kleiner Ausflug in die Welt der Untoten… zurück zum Normalsterblichen, äh, Normalgestorbenen. Will man die Leiche beerdigen, so kann man einen Sarg schreinern, aus Brettern. Wobei: Einige Germanenstämme schreinerten keine Särge, sondern höhlten stattdessen Baumstämme aus, welche dann als Särge fungierten. Zwar hatten diese Baumstämme Deckel wie normale Särge auch, dürften aber erheblich schwerer gewesen sein. Die Alemannen zum Beispiel machten das so, zumindest, bis sie von den Franken die Sache mit den Brettern lernten.
Drumherum kann man auch noch einmal einen Sarkophag machen, natürlich aus Stein, wie im Fernsehen. Oder aus Metall, wie im Fernsehen. Oder aus Holz. Generell lässt sich sagen, dass ein Sarkophag eines ärmeren Verstorbenen wahrscheinlicher aus Holz war. Die richtig großen, schweren Sarkophage waren Sache der Reichen. Diese lagen oft in mehreren ineinander gefügten Sarkophagen, von denen der Innere dann auch oft hölzern war.
Tipp für Grabräuber: Das Stehlen eines Stein- oder Metallsarkophags ist recht anstrengend, also bitte gut vorausplanen! Allerdings ist es auch oft ein lohnendes Geschäft: Der innere Sarg Tut-Anch-Amuns zum Beispiel ist immerhin aus 225 Kilo massivem Gold (!).
Übrigens sollte man einen geklauten Sarkophag dann nicht an Vegetarier verkaufen, denn Sarkophag heißt übersetzt nichts anderes als Fleischfresser.
Nun stellt sich noch die Frage, was man denn so alles tun will, um die Leiche schön zu erhalten. Der Möglichkeiten gab es nämlich viele. Das Einbalsamieren ist dabei die Werterhaltendste. Die Ägypter waren Meister im Balsamieren, wie sie an zahlreichen Mumien zeigten. Das Innere einer Mumie ist voll Sägemehl und Leinen, welche mit Harz getränkt sind, außen herum ist ebenso Harz. Oft waren es mehr als ein Dutzend Lagen harzgetränkter Leinen. Dürfte der Mumie selbst aber nicht unbedingt zu denken geben. Wie auch, ohne Hirn? Dieses wurde ihr ja mit einem Haken aus der Nase gezogen. Die Fingernägel sind übrigens extra noch mal an den Fingern festgenäht worden, während man den Körper vierzig Tage lang in Natron eingelegt hat. Das Herz als eines der wenigen Organe verblieb im Körper, weil es als Sitz der Seele nicht entfernt werden durfte. Die meisten Organe aber waren in Kanopen, in kleinen Gefäßen. Übrigens: Das mit den Hirnen gilt nicht für Echnaton, seine Frau Nofretete und seine ersten paar Nachfolger.
Dann kann man sich natürlich auch überlegen, ob man Grabbeigaben hinzufügt. Beispielsweise wie die ollen Ägypter ein Totenbuch. Nein, mit dem Necronomicon hat ein Totenbuch nichts zu tun. Totenbücher waren Bücher, die die ollen Ägypter ihren Toten in die Gräber legten, damit diese auf ihrer Reise ins Jenseits so eine Art Gebetsanleitung hatten. Meist beinhalteten die in den Totenbüchern aufgelisteten Gebete die zigfache Versicherung, dass man auch wirklich immer brav war und sich immer hinter den Ohren gewaschen hatte, alten Damen über die Strassen geholfen und immer brav seine Ökosteuer gelatzt hatte. Das Necronomicon hingegen ist eine Sammlung magischer Beschwörungsformeln und gruseliger Visionen. Zu allem Überfluss haben auch die Buddhisten ein Totenbuch, in dem Fall eine Schriftsammlung vom großen Lehrer des 14. Jahrhunderts Padmasambhava, die auf indisch Bardo Thödol heißt, übersetzt “Befreiung durch Hören im Zwischenzustand”. Gedacht ist das so, dass man sich das buddhistische Totenbuch zu Lebzeiten anguckt, um dann nach dem Tod besser durch das Bardo, die Zwischenwelt, irren zu können und zu einer guten Wiedergeburt oder gar direkt ins Nirvana zu gelangen. Außerdem werden der Leiche die Texte per Ritual vorgelesen, als ob man nicht mit Herumliegen genug zu tun hätte.

Weitaus interessantere Grabbeigaben sind natürlich Schmuckgegenstände und anderes wertvolles Zeugs. Das war natürlich ein Anreiz für Grabräuber. Dschingis Kahn befahl, dass jeder getötet werde, der seinem Trauerzug folgte. Bis heute weiß man nicht, wo seine Gebeine vor sich hin rotten. Das ist schade, denn er dürfte bestimmt tolle Grabbeigaben bei sich haben.

Und was gibt es sonst noch für Grabbeigaben? Logisch: Diener. Jawohl, Diener. Die chinesische Shang-Dynastie vor etwas mehr als 3000 Jahren war eine interessante Zeit, vor allem für Diener und Krieger. Klar: Wer als Herrscher starb, brauchte den Schutz seiner Krieger und den Dienst seiner Diener auch im Leben nach dem Tode und auf der gefahrvollen Reise ins Jenseits. Also metzelte man die Diener und Krieger nach dem Tod des Königs ebenfalls ab. Die entsprechenden Diener und Krieger hatten übrigens einen Kadavereid geleistet, schrieb der Leser dieser Website Slash und erklärte damit das Wort „Kadavergehorsam“. Die ollen Ägypter machten das nur vor dem alten Reich, also vor gut 5.000 Jahren, dann verlegten sie sich darauf, Statuen und Bilder der Krieger und Diener mitzugeben, die im Jenseits zum Leben erwachen sollten, um ihren Dienst zu tun. Die Chinesen taten das ebenso, die berühmten 7.000 Soldaten der Terrakotta-Armee, die 1974 n. Chr. gefunden wurde, bewachten im Jenseits König Shi Huang-Di. Dennoch lagen auch in seinem Grab die Leichen all jener Konkubinen, die ihm bis zu seinem Tode keine Kinder geschenkt hatten. Im alten Indien und anderen Staaten wurden Ehefrauen ihren verstorbenen Gatten mitgegeben, indem man sie, nun… man legte ihnen nahe, also, im Grunde wurden sie recht entschieden gezwungen, äh, ach, was soll’s: Man massakrierte sie. Auch auf den Fidschi-Inseln und bei den Maori in Neuseeland erdrosselte man die Witwen oder legte sie lebendig dem Grab bei, nach neuguineanischem Muster. Dagegen war das Benehmen indonesischer Frauen, deren Mann gestorben war, noch einigermaßen harmlos, denn dort beschmierte sich eine Frau lediglich mit Körperflüssigkeiten der verwesenden Leiche, sozusagen als Respektsbezeugung. Ob ihr Schicksal besser war als das der neuguineanischen Biami-Koftgeldjägerwitwen, die sich mit den Exkrementen des verstorbenen Ehemanns einrieben, ist, nun ja, sagen wir mal Geschmackssache. Irgendwo dazwischen liegt die Sitte einiger australischer Aborigines, wo sich nicht nur die Männer bei einer Trauerfeier schwer verwundeten und peinigten, sondern sich die Frauen und besonders die Witwe mit brennenden Holzscheiten Hände, Arme und Brüste verbrannte. Das Ergebnis war manchmal dasselbe wie bei den grabbeigelegten Frauen, denn manch eine überlebte die Selbstverstümmelung nicht. Die Frauen der Comachen benahmen sich nach Angaben des Lesers FloG ähnlich. Die Neigung zur Selbstverstümmelung ist Frauen wohl angeboren, denn auch heute wird selbst in Deutschland der kleinste Pickel solange ausgequetscht und weggekratzt, bis garantiert das halbe Gesicht rot ist - und das selbst dann, wenn der Partner noch am leben ist.

Die Beerdigung erforderte natürlich, sofern sie richtig regelrecht stattfand, einen Totengräber. Im gesamten Gebiet des heutigen Deutschlands war es übrigens üblich, dass ein Totengräber gleichzeitig auch für die städtische Abfallentsorgung zuständig war. Beides - das Totengraben und das Müllschleppen - waren anrüchige Jobs, und früher war es üblich, dass der gesellschaftliche Bodensatz eben kreuz und quer für alle Tätigkeiten, die irgendwie mit organischen Abfällen zu tun hatten, herhalten musste.

Apropos organisch: Die Beerdigung selbst ist ja normalerweise eine in unseren Kulturkreisen eher unpassende Gelegenheit, öffentlich zu onanieren, aber in Afrika ist es in einigen Gegenden durchaus ok, dies zu tun. Der Grunde ist, dass nicht der Tod betrauert, sondern stattdessen das Leben des Verstorbenen gefeiert wird. Kommt nicht oft vor, aber immerhin: Einige Zeugen berichten davon.

In China verbot man erst kürzlich Striptease auf Beerdigungen. Den Chinesen ist es nämlich derart wichtig, dass möglichst viele Leute zu ihrer Beerdigung kommen, dass sie vor nix zurückschrecken, um Leute anzulocken. Au Scheiße.

Aber auch die Toten selbst können auf einer Beerdingung echt für Action sorgen. Franz I. von Neapel beispielsweise fiel am dritten Tage seiner Aufbahrung in einem Sarg noch vor der Beerdigung bereits der Arm ab. Auf William dem Eroberer musste man herumtrampeln, damit er in den Sarg passte. Leider platzte er dabei auf und der Gestank trieb die Trauergemeinde für einige Zeit auseinander. Dem beugte man bei Georg IV. vor, der schlecht einbalsamiert war und anschwoll, indem man ein Loch in den Sarg bohrte, durch das Gase und Flüssigkeiten entfleuchen konnten. Dies tat man beim Bruder Marias, Gattin König Georgs V., Adolphus, nicht, woraufhin dieser bei der Beerdigung platzte. Karl des Großen Leiche versteckte man, auf dass ihr nichts zustoße, aber nachher wusste keiner mehr so recht, wo sie war. Man fand sie später aber wieder und pfropfte Karl in einen standesgemäßen Sarkophag.
Kaiser Barbarossas Berater Reinhard von Dassel hatte auch ein actionreiches Leben, äh, Dasein nach seinem Tod. Er wurde gekocht. Nun wird man denken: Wer eine Leiche kocht, will sie essen. Doch das stimmt nicht immer. Ok, ist man ein psychopatischer Serienmörder wie Karl Denke oder Fritz Haarmann, dann mag es sein, dass man die Leiche mit Preiselbeeren an Rukola genießen will, auch Kannibalen mögen gekochten Toten geschmacklich sicherlich etwas abgewinnen, doch gab es noch einen ganz anderen Grund, warum selbst psychisch stabile Vegetarier eine Leiche kochten, nämlich die Überführung. Im Mittelalter kannte man nicht die tollen Kühlmöglichkeiten, die uns heutzutage befähigen, eine Leiche quer durch die ganze Welt zu schippern, ohne dass der Teint nennenswert leidet. Darum kochte man Tote zur Überführung ins Heimatland und schabte das nun leicht abtrennbare Fleisch von den Knochen ab. Nur diese Knochen wurden überführt, das Fleisch konnte man nicht mitnehmen, weil es nach spätestens fünf Tagen anfing, von alleine auf Reisen zu gehen. Die Knochen aber hielten sich länger, so dass man diese dann in der Heimaterde begraben konnte. Natürlich machte man so etwas nicht bei jedem, aber in einigen Fällen kam es vor. Der berühmteste dürfte wohl eben jener Bischof Rainald von Dassel gewesen sein, der in Jerusalem an der Pest starb und dann einige Stunden lang gemütlich vor sich hin köcheln musste, bis man sein Skelett nach Rom überführen konnte.
Übrigens war das Kochen auch eine Todesstrafe, wie sie zum Beispiel der rumänische Fürst Vlad Tepes gerne sah, aber dieser ließ die Leichen hernach verrotten, er überführte sie nicht.
Bei einigen Leichen wurden bestimmte Körperteile weiterbenutzt, während der Rest schon schlummern konnte. Karl des I. vierter Rückenwirbel diente dem Romancier Walter Scott dreißig Jahre lang als Salztöpfchen, bis Königin Viktoria ihm dies verbot, weil sie es für irgendwie unwürdig hielt. Aus König Heinrichs des VIII. Fingerknochen schnitzte sich ein Arbeiter übrigens einen Messergriff. Der Anonyme Christ kann das durchaus nachvollziehen, immerhin ist er ein absoluter Verfechter der Organspende, wenn auch nicht unbedingt zur Verarbeitung als Haushaltsgegenstände.

So endet das Kapitel über den Tod und das Sterben eher praktisch orientiert. Weitaus actionreicher war da das Dasein der Untoten, getreu dem Motto „Ist das Leben zu Ende, fängt der Ärger an.“ Aber dass steht alles in einem anderen Kapitel.

Mehr zum Thema:

  • Von der Mystik und Alchimie Dies ist das Kapitel über die Mystik und Alchimie.
  • Von Ritualen und Artefakten In diesem ziemlich heiligen Kapitel behandelt der Anonyme Christ Rituale verschiedener Religionen und Artefakte im Sinne magischer Gegenstände großer Bedeutung.
  • Vom Untode und den Geistern Der Untod ist ein Zustand, der insofern schwer zu beschreiben ist, als es ihn real nicht gibt und deshalb niemand genau erzählen kann, wie das denn so ist, untot zu sein.

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