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Vom Teufel und der Hölle

Aktualisiert am 24. Juli 2008 von Ali

Dieses Kapitel handelt vom Bösen, vom Teufel, von der Hölle, von der ewiglichen Verdammnis sündhafter Uneinsichtiger, die nicht den wahren Gott preisen und nicht die Kirchensteuer regelmäßig… wie auch immer, vom Teufel halt. Beschäftigt man sich mit dem Teufel und seiner Entstehung, so wird sich auch die Frage stellen, wer den nun der Vorgänger des Teufels ist. Immerhin hat fast jedes bedeutende Wesen der Religionen irgendwelche Vorfahren in der Mythologie irgendwelcher Völker. So nimmt man oft irrtümlicherweise an, der Vorgänger des Teufels sei der Gott Pan, denn Hörner und Bocksbeine passen dazu ja auf jeden Fall. Doch ist der Naturgott Pan (bei den Römern Faun), Hermes’ Sohn und Gefolgsmann des Dionysos (bei den Römern Bacchus), noch lange kein Vorgänger des Satans. Dieser nämlich hat einen Pferdefuss, hingegen hat Pan die Beine eines Bocks, und auch nur deshalb, weil er der Gott der Ziegen und Schafe ist. Daher auch die Hörner. Ein Böckchen hat nun einmal Hörner, so auch ihr Herr. Was zwischen Satan und Pan auch kein bisschen passen mag, ist der Charakter. Pan ist verspielt, reizbar, launisch - aber nicht boshafter als viele andere Götter auch. Die Kunst schuf erst die Verbindungen zwischen Satan und Pan, als christliche Künstler Satan zeichneten. Damals, in der Zeit der Renaissance, war man von den alten römischen Werten und Künsten fasziniert und eiferte den Römern nach. Daher tragen die Leute in so vielen Renaissance-Kunstwerken ja auch römische Togen statt zeitgenössischer Kleidung. Klar, dass da auch der Teufel gezeichnet werden wollte, und so verpasste man ihm Attribute des Pan, denn dieser Naturgott verkörperte (wie viele Naturwesen, die ja fast alle durch das Christentum in ein schlechtes Licht gerückt wurden) das Gegenteil dessen, was die Kirche lehrte: Ruhe, Abstinenz, Würde und ausdauerndes Stillgebet.

Auch wer meint, der Teufel sei eine Erfindung der Christen oder Juden, irrt. Die Wiege Satans ist sozusagen der heutige Iran. Dort gab es ja diesen berühmten Zarathustra, dessen Name jeder kennt, von dessen Werk aber eigentlich keiner Ahnung hat. Jedenfalls hat dieser Zarathustra etwa vor 500 v. Chr. eigentlich nur den exzessiven Opferriten des Vedismus, der damaligen religiösen Hauptströmung, einen Riegel vorschieben wollen, indem er diese Riten als verwerflich darstellte und überhaupt über die Zügellosigkeit und andere Sachen motzte. Die Gathas, eine religiöse Gruppierung in mittelbarer Nachfolge Zarathustras, haben sich dann Folgendes gedacht: Äh… wenn das Gute in dem großen Obergott Ahura Mazda personifiziert ist, dann… (grübel…) muss doch wohl auch alles Böse, das Zarathustra so anmeckerte, im Umkehrschluss in jemand anderem manifestiert sein… Tja, und genau dieser Gedanke war die Geburtsstunde Satans, des personifizierten Bösen. Damals hieß er noch Ahriman und hatte ein paar dienstbare Geister, aber er war wohl der erste personifizierte Buhmann. Angra Mainyu wurde sein Name als Schöpfer einer Art Gegenwelt, der dunklen Seite der Welt. Ahriman machte seinen Weg Richtung Südwesten und hieß dort Belial oder Baal (gleich dem aggressiven phönizischen Donnergott), oder halt, wie in den apokryphen Zusätzen zum biblischen Buche Daniel, Bel. Dort wird er mit Marduk, dem babylonischen Sonnengott, gleichgesetzt, wo Bel übrigens nichts anderes heißt als “Gott”. Und kurze Zeit später wurde dort das Christentum geboren - mitsamt Teufel natürlich.

Sehen wir uns mal an, welche Umstände denn einen Teufel erst so richtig stark machen. Es ist nämlich falsch, zu meinen, dass Frömmigkeit und fester Glaube an nur einen Gott den Teufel in die Schranken weist. Es wird vielleicht verwundern, doch genau das Gegenteil ist der Fall: Erst der strenge Glaube an nur einen Gott lässt überhaupt den Gedanken an einen Teufel aufkommen. Ist doch klar: Hat man mehrere gute Götter, aber nur einen Teufel, der allen Göttern alleine die Stirn bieten kann, so macht das diesen Teufel alleine mächtiger als einen Einzelnen der Götter. Fromme Leute wollen aber nun einmal nicht an schwache Götter glauben, daher kann der Teufel erst geboren werden, wenn es nur einen Gott gibt, der dem Bösewicht gegenübersteht. Monotheismus (Eingottglaube) ist also ein guter Nährboden für den Teufel. Man schaue sich nur auf der Welt um: Bei polytheistischen (mehrgottgläubigen) oder gar pantheistischen (allgottgläubigen) Kulturen wird man nie einen einzelnen Bösewicht finden, der alles Schlechte auf einmal repräsentiert.

Das führt uns zu einem weiteren und noch viel verhängnisvolleren Irrtum, nämlich dem, dass der Teufel keine Chance hat, wenn der Staat die Kirche unterstützt und sie dementsprechend stark macht. Dieser Irrtum ist besonders verheerend, denn gerade das enge Zusammenrücken von Kirche und Staat bei vorzugsweise monotheistischen Religionen bringt erst den Teufel in Hochform. Oft genug sitzt auf dem Thron eines Staates eine kirchliche und eine weltliche Pobacke, und da solch ein Popo seine Entscheidungen ja irgendwie rechtfertigen muss, reicht es oft nicht aus, die Gesetzesbrecher und Gegner zu Verbrechern zu erklären, sondern es wird nötig, sie gleichzeitig auch zu Sündern zu machen. Ziehen Staat und Kirche an einem Strang, so haben sie enorme Kraft, können weit mehr Opfer vom Volk verlangen und können für politisch motivierte Kriege sehr viel mehr Reserven aktivieren, indem sie diese zu heiligen Kriegen machen. Damit diese hochgeistigen Ausführungen nicht falsch verstanden werden: Ein Staatsoberhaupt mit Kirchenunterstützung geht nicht einfach hin und sagt: “Fein, jetzt erfinde ich mal einen Teufel, damit ich mächtiger werde.”, sondern der Teufel bildet sich im Bewusstsein der Mächtigen allmählich als Instrument der Rechtfertigung. Wer’s nicht glaubt, schaue mal in die arabische Welt. Die Zoroasten, die islamnahen Staatsbeamten, erklären so ziemlich jeden politisch Unbeliebten nicht nur zum Staatsfeind, sondern auch zum Teufel. Und es wirkt: Heilige Kriege sind weltweit genauso in Mode wie früher, und die Rechtfertigung der Mächtigen UND der Kirche, dass nur Gott bzw. Allah Macht verleiht, ist ebenso voll im Trend. Nur für’s Protokoll: Die christliche Kirche ist da keinen Deut besser, auch sie hat sehr früh angefangen, ihre geistliche Macht mit weltlichen Mächten zu einer unseligen Verquickung zu verbinden.

Aber sehen wir uns mal den christlichen Teufel genauer an, insbesondere seine Geschichte. Die Sache mit Lucifer, dem Erzengel, der gegen Gott aufmuckte und dadurch als gefallener Engel zum Teufel wurde, wurde erst fast ein halbes Jahrtausend nach Chr. erfunden, also weitaus später, als man so gemeinhin denkt. Das mit dem Erfinden ist kein Schreibfehler, sondern in der Tat dachte sich die Kirche die Sache mit dem Erzengel aus, als die gnostische Strömung derart stark wurde, dass die Herren Kirchenväter kalte Füße bekamen. Die Gnosis lehrte sehr erfolgreich, dass der Gott des alten Testaments minderwertig war, sein Sohn Jesus nicht wirklich, sondern nur zum Schein auf der Welt war, dass das Materielle grundsätzlich schlecht und das Geistige grundsätzlich rein war und so weiter. Unter anderem entfachten sie die Diskussion um die Herkunft des Teufels, vielleicht sogar als negativen Aspekt Gottes. Die Kirchenmänner waren entsetzt: Ein negativer Aspekt Gottes? Eine dunkle Seite am Erlöser? Das konnte man nicht zulassen. Man forschte, dachte nach, grübelte, fantasierte… und irgendwann war sie geboren, die Geschichte vom Erzengel Lucifer, weil man zufällig in einer seltsamen Bibelstelle einen passenden Namen fand, wie der Anonyme Christ so gekonnt anschaulich an anderer Stelle beschreibt. Unter diesem Pseudonym ist Satan bis heute recht erfolgreich, und noch unter anderen. Nein, Anonymer Christ ist kein derartiges Pseudonym.

Nur, weil die Sache mit dem Fall Lucifers als Geschichte von der Kirche erdacht worden war, heißt das nun nicht, dass Satan nicht dennoch vor seinem Coming-Out als Bösewicht ein Diener Gottes war. Einige Passagen der Bibel und der Apokryphen weisen jedenfalls darauf hin, dass Jahwe durchaus einen Diener für die Drecksarbeit hatte: “Am folgenden Tag ereignete es sich, dass ein böser Geist von Gott über Saul kam, so dass er drinnen in seinem Hause raste.” (1. Samuel 18, 10). “Als aber der Engel seine Hand gegen Jerusalem ausstreckte, da gereute Jahwe das Unheil, und er befahl [...] Jetzt ist genug.” (2. Samuel 24, 16). “Jahwe aber sprach: Wer will Achab betören, dass er hinzieht und bei Ramod in Gilead einfällt? Da redete der eine so und der andere so, bis der Geist hervortrat, sich vor Jahwe stellte und sprach: Ich will ihn betören. Und Jahwe sprach: Wodurch? Er sagte: Ich will hingehen und zum Lügengeist werden im Munde aller Propheten. Da sprach er: Du sollst ihn betören, und du bist dazu imstande, geh hin und tu so!” (1. Könige 22, 20 - 22). Aha! Kein Wunder, dass Satan irgendwann so verzogen war, dass er trotzig wurde. Ein echter Widersacher Gottes wurde Satan dann übrigens erst durch den Einfluss der Perser in der Glaubenswelt der damaligen Juden.

Nun werfen wir doch mal einen Blick in Satans Reich, in die Hölle. Es mag verwundern, aber die Verbindung zwischen Hölle (Scheol, zuerst beschrieben in Jesaja 14, 9 - 12) und Teufel fand erst extrem spät statt. Zunächst einmal ist die Hölle ein Ort, an dem Gott nicht ist und an den er diejenigen entsorgt, die seine hunderttausend biblischen Drohungen nicht so ganz ernst genommen haben. Vom Satan ist da nix erwähnt. Eine interessante und ehrlich gesagt ziemliche blöde Interpretation der Kirche dichtete relativ spät hier dennoch den Teufel hinein, und zwar in der Stelle “Du bist vom Himmel gefallen, Glanzgestirn, Sohn der Morgenröte”. Sie interpretierte dies als einen Hinweis auf Lucifer, denn der Stern, der die Morgenröte sozusagen trägt, ist der Morgenstern Lucifer (”Licht-Träger” eben). Manche Quellen behaupten, dass hier sogar der Ursprung des Namens Lucifer liegt. Der Anonyme Christ hat bisher nichts Gegenteiliges gefunden.

So, und wer kommt nun in die Hölle? Das entscheidet Gott, möchte man meinen. Doch halt, dies ist ein Irrtum. Denn wo kämen wir denn da hin, wenn der Chef alles selber machen müsste? Die mittelalterliche Vorstellung ist da etwas anders, zumindest erwähnt die Literatur öfter mal den Erzengel Michael als eine Art “Seelenwäger”. Außerdem gab es da ja noch einen, der immer mal wieder seine Hand im Spiel hat, nämlich den Belzebub. Er, der Teufel also, versucht schwache Seelen oder solche, die “auf der Kippe stehen”, im Moment des Todes angeblich den himmlischen Kräften zuvorkommend in den Höllenschlund hinab zu reißen. Wie man darauf kommt, ist klar, wenn man sieht, dass durchaus nicht alle Toten einen entspannt-coolen Rastalocken-Gesichtsausdruck haben, sondern die Mimik oft auch als erschreckt oder ängstlich gedeutet werden kann und an Michael Jackson erinnert. Logische Frage, die man im Mittelalter stellte: Hat dieser Tote im Moment seines Todes etwas gesehen, was ihn in Panik versetzte? Aber was? Logische Antwort: Klar, den Teufel natürlich. Dessen Präsenz scheint im Mittelalter so allgegenwärtig, dass man mit ihm mehr Fragen beantwortete als mit Gott selbst. Florian, Leser dieser Website, wies im Übrigen darauf hin, dass der Glaube an den Seelenwäger schon im ollen Ägypten präsent war; der Anonyme Chist geht darauf an anderer Stelle ein. Schon damals wurde gewägt, äh, gewogen. Im alten Ägypten wog man das Herz des Verstorbenen. War es schwer von Sünden, so notierte sich Toth, der Gott der Schreiber, das Ergebnis, während eine recht untypische Mischung aus Krokodil und Nilpferd bzw., wie der Leser Korin ergänzte, Löwe, das Herz verschlang. Der name des Monsters war Maat, hatte der Anonyme Christ mal geschrieben. Der Leser dieser Website Korin aber entgegnete, Maat sei weder Nilpferd, noch Krokodil, sondern hatte den Körper einer Frau mit einer Feder auf dem Kopf. Gegen eben jene Feder wurde das Herz des Toten gewogen. Die Herzen verschlang eine Mischung aus Krokodil (Kopf) und Löwe (Rest). Doch har! Ein Blick in den Taschenbrockhaus Altes Agypten widerlegt ganz klar Korins Behauptung, dass… äh… oh… verdammt… Maat war echt nur eine Tusse mit Federn auf dem Kopf. Das Ungeheuer ist in der Tat jemand anders und wird im Brockhaus bezeichnet mit dem Namen (Trommelwirbel): “Ungeheuer”. Nun, anscheinend ist der Brockhaus auch nicht klüger als Korin, dem der Anonyme Christ hiermit ausgiebig für seine Korrektur dankt.
Der Teufel war früher im Alltagsglauben der Menschen allgegenwärtig. So ist heute ein Überzähliger beim Essen, Spiel oder Tanz ist kein Grund zur Panik. Aber früher war das anders. Der Teufel nämlich mischte sich gerne höchst selbst als so genannter Überzähliger unter Tanzende, Spieler oder Zecher, um dann einen von ihnen mit sich in die Hölle zu holen. Es handelt sich dabei um eine so genannte Warnsage, welche von der Kirche gefördert wurde, um lasterhaftes Verhalten (eben Spiel, Gelage und Tanz) zu verhindern. Tja, einen Versuch war es wert, und so mancher hat es geglaubt. So schreibt Renward Cysat aus Luzern über eine Wirtin, die noch mal im letzten Moment Glück gehabt hat: “Es ist durch gantz Teütschland erschollen, nemblich was ür ein erschröckhlich Spihl sich Anno 1575 in den Fasten mit der Wirthin zum Schwert in der Statt Zürich zugetragen. Diese Wirthin [...] hate von Natur allzeit ein sondere Begird vnd Lust zum Tantzen, also [...] kein Spihlleüth vorhanden vnd sie aus Vnwillen sagte oder klagte über den Teüfel, das er keine Spihlleüth darfüegte, wan sie es gehrn hätte: Sihe, da kommen vnversehens zwey Spihlleüth – waren aber Teüfel – vnd huben an zu Tanz machen. Man tantzet mit ihro, sie konnte Tantzens nit satt werden. In dem ersicht sie vngefähr, das der einte Spihlmann greüwlich schwarze Geissfüss hatt. Dessen erschrickht sie, verlasst den Tanz, vnd bleibt ein Zeit lang vnsinnig.” Wie sagten die Priester: “Ubi saltatio, ibi diabolus!” (Wo der Tanz ist, ist der Teufel).
Der Islam kennt übrigens mehrere Höllen, das ist unterhaltsamer. Im Islam gibt es mehrere Stufen der Höllenqualen. Die unterste, neunte Hölle hat das Motto “Du wimmerst darum, endlich ganz vernichtet zu sein? Vergiss es, wir quälen dich auf ewig!” und ist für die ganz üblen Leute wie atheistische Serienkiller. Die oberste Hölle hat das Motto “Du du, muss ich denn erst meine Rute rausholen, du böses böses Mädchen?”. Sie ist die Hölle für Christen und für nicht so ganz brave Muslimen. Aus jener Light-Hölle gibt es durchaus ein Entkommen nach einer gewissen Zeit der Läuterung, also ist es ein Stückweit das, was die Christen Fegefeuer nennen würden.

Auch die Wikinger glaubten, dass es in der Hölle Hel mehrere Bezirke gab. Einer davon zum Beispiel, Hwergelmir, wurde alleine von Nidhogg bewohnt, einem Drachen, der die Leichen der Hölleninsassen fraß. Der schlimmste Teil Hels war Nastrand, wo Gift spuckende Schlangen von den Dächern zügelten. Dorthin kamen nur Mörder, Verschwörer, Verräter und Politessen.

Werfen wir mal einen noch genaueren Blick in die Hölle: Petrus, kreativer Schreiber trashiger Horrorliteratur und seines Zeichens erster Apostel Jesu, hat das in der apokryphen Petrus-Apokalypse ganz genau und detailliert beschrieben. Wer nach Petrus von Höllenqualen spricht, müsste theoretisch folgende Vorstellung haben: “Der Engel Gottes Uriel bringt die Seelen derjenigen Sünder, die in der Sintflut umgekommen sind, und … man wird sie … in ewigem Feuer verbrennen. Nachdem alle mit ihrer Wohnstätte zugrunde gegangen sind, wird man sie ewig strafen.” Gut gebrüllt, Löwe, aber mal sehen, ob wir da Präziseres auf Lager haben: “An ihrer Zunge … wird man sie aufhängen. Man bereitet ihnen nie verlöschendes Feuer. Und … da ist eine große volle Grube. Darin die, die verleugnet haben die Gerechtigkeit. Und Strafengel suchen sie heim, und hier in ihr zünden sie das Feuer der Strafe an. Und … zwei Weiber: Man hängt sie an ihren Nacken und Haaren auf, in die Grube wirft man sie. Und die Männer … hängt man mit ihren Schenkeln an diesen brennenden Ort. Und die Mörder wirft man ins ewige Feuer, an einen Ort, der angefüllt ist mit giftigen Tieren, und sie werden gequält ohne Ruhe … und ihr Gewürm ist so zahlreich wie eine finstere Wolke.” Als nächstes beschreibt Petrus eine Art gigantischer Jauchegrube. “Und die Weiber … sind verschlungen davon bis an ihrem Nacken und werden bestraft mit Schmerz.” Übrigens sind die meisten Qualen nach Petrus’ Beschreibung nach Sündenarten aufgeteilt, was aber hier niederzuschreiben einfach zu umfangreich gewesen wäre. Im Folgenden jedenfalls meint er die Frauen, die abgetrieben haben: „Darum werden die abgetriebenen Kinder ihnen gegenübersitzen und sie mit Blitzen peinigen. Und die Milch ihrer Mütter fließt aus ihren Brüsten und gerinnt und stinkt, und daraus gehen Fleisch fressende Tiere hervor”. Aber weiter: “Und andere Männer und Frauen stehen bis zur Mitte ihres Leibes in Flammen und … werden von bösen Geistern gepeitscht und in ihren Eingeweiden von nimmermüden Würmern zerfressen. … Und nahe denen andere …, welche ihre Lippen zerbissen und gequält wurden und feuriges Eisen in ihre Augen bekamen. … Und diesen gegenüber waren wieder andere … welche ihre Zungen zerbissen und flammendes Feuer in ihrem Munde hatten. … Und an einem anderen Ort waren glühende Kieselsteine, schärfer als Schwerter und als jeder Spieß, und Männer und Frauen, angetan mit schmutzigen Lumpen, wälzen sich auf ihnen in ihrer Qual. … Auf einem großen See voll Eiter und Blut und aufwallendem Schlamm standen Männer und Frauen bis zu ihren Knien. Andere …, welche von einem hohen Abhang heruntergeworfen wurden, kamen unten an und wurden von ihren Peinigern wieder angetrieben, den Abhang hinaufzusteigen. … Und Männer und Frauen, welche glühende Ruten hatten und einander schlugen und nie Ruhe hatten von dieser Qual. Und nahe bei jenen wieder andere Frauen und Männer, welche gebrannt und im Feuer gewendet und gebacken wurden…. Und ein anderer sehr hoher Ort… die … gehen rollend hinunter dahin, wo der Schrecken ist. Und wiederum … steigen sie hinauf. … Sie werden bestraft mit Schmerz, mit Aufhängen und vielen Wunden, die ihnen Fleisch fressende Vögel beibringen. … Ihr Fleisch wird auseinander gerissen. … Dann pferchen sie sich gegenseitig zusammen und fallen auf Kohlen nicht verlöschenden Feuers.“ Als Fazit kann folgendes gesagt werden: 1. Petrus mag Feuer. 2. Petrus hat eine recht begrenzte Phantasie. 3. Der Clou an der Hölle ist halt, dass man, egal, welche Scheiße einem widerfährt, nicht sterben kann und 4. Petrus hat absolut nicht verstanden, welches der wertvollste Teil der von ihm so vehement postulierten Gerechtigkeit ist: Vergebung.

Verlassen wir nun die Hölle wieder und… oh, Moment, das ist gar nicht so einfach, zumindest nicht in der Antike. Da steht nämlich nun der Höllenhund Cerberus. Der bewacht die Hölle, sagte man, aber das heißt natürlich nicht, dass er verhindert, dass jemand Unbefugtes in die Hölle hineinkommt. Warum sollte er auch? Er tat eher das Gegenteil: Er achtete darauf, dass niemand wieder entkam. Damit ist Cerberus, der mal drei- und mal neun- mal fünfzigköpfig geschilderte Mega-Kampfhund mit dem Drachen- oder Schlangenschwanz, der wohl einzige Wachhund, der beim Bewachen der Haustür falsch herum steht. Seine Klauen und Mäuler sollen Furcht erregend sein und die Seelen Verstorbener zerreißen können. Dennoch ist es einigen wenigen Leuten gelungen, dieser Ausgeburt der Riesin Echidna zu entkommen: Herkules durch rohe Kraft, Orpheus durch seinen Gesang, und der Nymphe Psyche durch einen Honigkuchen, in dem sich Drogen befanden. Damit ist Cerberus auch der einzige Wachhund, der je von Honigkuchen high wurde.
Übrigens ist Cerberus noch lange nicht der einzige Höllenhund. Da ist zum Beispiel Garm, der Höllenhund der Wikinger. Interessant ist übrigens, dass beide Höllenversionen, der griechische Hades wie das nordische Hel, außerdem von einem gefährlichen Fluss umgeben sind, dem Styx beziehungsweise dem Gioll. Der dazugehörige Fährmann heißt Charon bei den Griechen, und bei den Kelten versuchte der Fährmann immer, die Leute zu erschrecken, was ihn auch zu einer Art Höllenwächter machte. Garm wird unterstützt von Modgud, einem garstigen Mädel, dass die einzige Brücke nach Hel bewacht. Doch andere Länder, andere Höllenwächter. Bei den Wischram-Indianern ist es zum Beispiel ein Frosch. Das mag einem lächerlich vorkommen, doch sollte man bedenken, dass das giftigste Tier der Welt nicht umsonst ein Frosch ist! Die Indianer stellen ihre Pfeilgifte bis heute aus Froschsekreten her. Man bedenke, der heilige Gral wird in einer recht bekannten Version der Artus-Sage nicht umsonst von einem Kaninchen bewacht.

Nun wenden wir uns letztlich mal den Leuten zu, die sich Satanisten nennen. Es ist nämlich ein weit verbreiteter Irrtum, das sich Satanisten als Jünger oder Anhänger Satans sehen. Die wenigsten Gemeinschaften oder auch Einzelpersonen, die von der Öffentlichkeit mit Satanismus in Verbindung gebracht werden, bezeichnen sich selbst als Satanisten. Solch explizite Satanisten wie Aleister Crowley, ein exzentrischer Esoteriker, der sich gerne selbst mit einer satanistischen Aura umgab, sind eher selten. Viele Leute werden als Satanisten bezeichnet, obwohl sie nichts mit dem Teufel zu schaffen haben. Das beginnt bei modernen Hexen, schließt Grufties und Gothics ein und endet bei Rollenspielern. Wirklich von sich selbst als Satanisten überzeugt sind an erwähnenswerten großen Gruppierungen nur zwei, nämlich die First Church of Satan und der Temple of Set. Alle anderen, die auch von den Christen als Satanisten bezeichnet werden, begreifen sich oft sogar eher selbst als die besseren Christen, und so mancher ist durch Christen verbrannt worden, weil er davon überzeugt war, er handle christlicher als seine Peiniger. Oft nicht ganz zu unrecht, wie der Anonyme Ketzer zu äußern wagt. Leute wie das kranke Paar Manuela und Daniel, dass 2001 n. Chr. einen Unschuldigen bestialisch mit 66 Messerstichen umbrachte, oder die Mason-Bande, die die Schauspielerin Sharon Tate und ihre Partygesellschaft in den 60ern so blutig abschlachtete, sind auf keinen Fall Satanisten, sondern einfach nur kranke und gestörte Leute, wie der Leser dieser Website Succubus feststellte. Jeder Satanist – und damit seien nicht kleine und gaaanz böse Teens gemeint - distanziert sich von deren Idealen, betont Succubus, selbst übrigens offensichtlich bekennender Satanist. Ein Satanist sieht sich selbst eher als eigener Gott und stellt keine Fantasy-Figur wie „Euren Herren“ (Zitat Succubus) über sich. Die Vertreter der First Church of Satan glauben, soviel Succubus bekannt ist, wohl ebenfalls an die Existenz dieser Figuren, die Anhänger der von Succubus als „richtige“ Church of Satan bezeichneten Leute hingegen nicht. Kurz gesagt: Der Satanismus ist nur eine Art Glaube, der das Weltliche über das Geistliche stellt. That’s all, for Devil’s Sake.

Mit bösen oder blutigen Ritualen hat das nicht wirklich viel zu tun, und auch hier haben wir mal wieder einen verbreiteten Irrtum aufzuklären. Sehen wir uns doch mal an, was man so über Christen sagte, als sie in den Anfängen steckten. Sie würden Kinder opfern und essen, sie würden Blut saufen, sie schmiedeten Intrigen und seien für Krankheiten verantwortlich. Irgendwie seltsam, denn in christlichen Aufzeichnungen steht davon nun gar nichts (die Sache mit dem Blut war ja ein Wein-Trinken, es wurde kein echtes Blut benutzt). Nun gut, aber irgendwann hatten die Christen ja die Nase vorn. Was behaupteten denn die Christen so über die Gnostiker? Sie würden Kinder opfern und essen, sie würden Blut saufen, sie schmiedeten Intrigen und seien für Krankheiten verantwortlich. Irgendwie seltsam, denn in den gnostischen Aufzeichnungen steht davon nun gar nichts. Was behaupteten denn die Christen so über die Juden? Sie würden Kinder opfern und essen, sie würden Blut saufen, sie schmiedeten Intrigen und seien für Krankheiten verantwortlich. Irgendwie seltsam, denn in den jüdischen Aufzeichnungen steht davon nun gar nichts. Und was behauptet die Presse nun über die vielen kleinen Gruppierungen, die vom Christentum enttäuscht sind? Sie würden Kinder opfern und essen, sie würden Blut saufen, sie schmiedeten Intrigen und seien für Krankheiten verantwortlich. Irgendwie seltsam, denn in den Aufzeichnungen fast aller Gruppierungen steht davon nun gar nichts. Fazit dieser stilistisch wenig eleganten Wiederholungen: Vorsicht mit Angaben über religiöse Strömungen! Sie sind immer in irgendeiner Weise gefärbt, denn Religion ist nun einmal mehr als alles andere Ansichtssache. Übrigens gilt das oben Beschriebene auch in anderer Form für politische Systeme, denn was die westlichen Staaten über die kommunistischen Staaten behaupteten, hatte ebenso wenig mit der Wahrheit zu schaffen wie das, was die kommunistischen über die westlichen lehrten. Doch der Anonyme Christ droht, ins Weltliche abzuschweifen, also zurück zum Teufel an sich.

Der Teufel hat schon immer mit der Versuchung gelockt, und eines der Elemente, die der Teufel dazu im Angebot hat, ist das ewige Leben. Aber nicht nur der christliche Teufel lockt die Seelen mit ewiger Jugend zu sich. Ewige Jugend bekam man zu jeder Zeit nachgeschmissen, und auch an vielen Orten. So ist zum Beispiel Tezcatlipoca, das dunkle Gegenstück zum aztekischen Gott Quetzalcoatl, auch mit ewiger Jugend hausieren gegangen. Wer den Lachanfall bei seinem Anblick überlebte - immerhin hatte der Gott statt eines Bauches einen großen rauchenden Spiegel und statt eines Beines einen weiteren Spiegel - und zu ihm übertrat, konnte auf ewige Jugend hoffen. Oder auch nicht. Auch Aphrodite und andere Götter des römischen und griechischen Altertums warben mit ewiger Jugend. Einige Zeitgenossen des Anonymen Christen meinen, die katholische Kirche habe diese Strategie inzwischen umgedreht und werbe mit ewigem Mittelalter. Das mag ein witziger Ausspruch sein, jedoch zeugt er nicht gerade von Kenntnis der katholischen Kirche, einer Einrichtung, die sich sicherlich nicht 2.000 Jahre lang gehalten hätte, wenn sie nicht trotz aller Traditionalität anpassungsfähig gewesen wäre.

Wobei ewiges Leben nicht unbedingt ein Segen sein muss. Hier und da sagte man, Kain, Brudermörder Abels im alten Testament, sei mit ewigem Leben gestraft worden, ein Thema, dass Edward Wagner in seinen berühmten und sicherlich lesenswerten Kane-Romanen ebenso verwurstelt hat wie die Leute von White Wulf im Rollenspiel Vampire – The Masquerade, doch ist bei letzterem der Ausdruck “Leben” schon mal nicht mehr anwendbar. Aber es gibt da jemanden, der in der Tat zu echtem ewigen Leben verdammt ist, nämlich Ahasver. Jener Ahasver ist ein Jude, vor dessen Haus sich Jesus bei seinem sicherlich recht anstrengenden Kreuzweg kurz ausruhen wollte, Ahasver aber fand das Scheiße, denn wer geht schon in einen Laden, vor dem ein Typ mit einem riesigen Holzkreuz rumhängt? Also vertrieb Ahasver Jesus, welcher sich dann auch trollte, aber etwas säuerlich war und Ahasver dazu verdammte, ewig auf Erden zu wandern. Da trifft es sich natürlich gut, dass Ahasver Schuster war. Äh, ist. Nun gibt es ja in jedem ordentlichen Agentenroman oder Abenteuerfilm mindestens einen Oberbösewicht, der fanatisch nach ewigem Leben sucht, also vordergründig betrachtet genau nach dem, was Ahasvers Fluch ist, doch ist da bei Ahasver der Haken mit dem “ewig wandern”, was ihn daran hindert, sich jemals irgendwo niederzulassen, eine Familie zu gründen, ein Haus zu bauen, Freunde zu haben oder mit seiner doch inzwischen beträchtlichen Lebenserfahrung Knete zu machen und in Saus und Braus zu leben. Im 13. Jahrhundert n. Chr. wollen Pilgerer dem ewigen Juden, wie man Ahasver auch nennt, begegnet sein, 1542 n. Chr. soll der Bischof von Schleswig, Johann von Eizen, ihm über den Weg gelaufen sein. 1602 n. Chr. wird der Name Ahasver zum ersten Mal genannt, vorher war Ahasver als Cartaphilus oder Buttadeus bekannt. Auch, wenn keine der Quellen des Anonymen Christen konkret darauf hinweist, kommt ihm an dieser Stelle der Graf von St. Germain in den Sinn, eine Person zwischen Mythos und Scharlatanerie, welche auch… nun, zumindest extrem lang gelebt haben soll, auf jeden Fall mehrere Jahrhunderte. Ob das derselbe Typ ist? Sicher nicht, denn der Graf von St. Germain soll stinkreich gewesen sein, uns dieses Los ist Ahasver nicht beschieden. Der Anonyme Christ muss es wissen, trifft er sich doch seit 530 Jahren jeden Dienstag mit den beiden zum Skat.

Zum Schluss dieser teuflischen Passage sei noch eine Komponente genannt, die mit Teuflischem verbunden wird, ohne eigentlich zu Satan zu gehören, nämlich die Zahl 666. Es gibt eine Menge von Dingen, die nachträglich um den Teufel herum erfunden wurden, und so steht es zu vermuten, dass auch die Sache mit der teuflischen Zahl 666 irgendwann später erst hinzugekommen ist. Doch in dem Fall ist es anders: Die Zahl 666 hat in Wirklichkeit mit dem Teufel nix zu tun. In der Apokalypse oder auch der Offenbarung des Johannes 12,1 bis 14,5 steht etwas von einem “Großen Tier”, welches am Ende der Welt kommt. Es hat einen Namen, dargestellt als eine Zahl, und dieser ist 666. Es spricht vieles dafür, dass es symbolisch für Satan steht, in genau dieser Funktion wurde es auch immer wieder dargestellt. Zwar ist die Offenbarung des Johannes nicht besonders früh entstanden, aber als Bestandteil der Bibel definitiv früher als die meisten Legenden, die danach um die Person des Teufels gesponnen wurden.

So, an dieser Stelle endet nun das Kapitel über Satan und wir verlassen die Hölle wieder in höhere Gefilde.

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