Von den Frommen und den Kirchen
Aktualisiert am 24. Juli 2008 von AliBereits in anderen Kapiteln schreibt der Anonyme Christ über Götter, Teufel, Artefakte oder Gott selbst. In diesem Kapitel aber wenden wir uns nun von Gott ab…. Äh, nein, so war das nicht gemeint… also, wenden wir uns nun einem anderen Thema zu, nämlich dem Menschen und seiner Geschichte im Kontext seiner Religion. Der Tod ist bis heute nicht verstanden, doch ist er nicht das einzige Thema, das nicht verstanden wurde: Schon immer hat man versucht, das, was man nicht verstand, durch göttliches Wirken zu erklären (Da das Verhalten von Frauen schon immer unerklärbar war, gibt es auch viele weibliche Götter, hehe.) Dabei dürften zunächst die reinen Naturreligionen aufgekommen sein, meist wohl polytheistisch (viele Götter) oder gar pantheistisch (überall Götter). Beispiel: Das Hinduistische. Auch die europäische Antike baute auf viele Götter, sei es in den klassischen Antike (Vorzeigestaaten Griechenland und Rom inklusive Vorgängern), sei es in Mitteleuropa, sei es im Norden. In Afrika und Amerika hatten auch jeweils viele Götter das Sagen, und so war es zunächst auch im Orient. Irgendwann aber verdichtete sich das Ganze dort auf einen zentralen Gott, und die erste Religion, die per definitionem von Anfang an als monotheistische (eingottgläubige) Religion konzipiert ist, dürfte in der Tat das Judentum sein.
Bevor wir uns Gedanken machen über das Verhalten der Spezies Mensch, sehen uns wir einmal die Komponenten an, aus denen ein Mensch religiös betrachtet besteht. Da ist einerseits unbestreitbar der Körper, den es in vielen mehr oder minder ansehnlichen Formen gibt, andererseits soll es da aber noch eine Art Seele geben, etwas unsichtbares, ewiges, Unfassbares. Auch die Christen kennen eine solche Seele, und es gab in früheren Zeiten genug Versuche, diese Seele sichtbar zu machen. Es gab zum Beispiel Ärzte, die die Zwirbeldrüse als Seele identifizierten, weil sie ansonsten nichts mit dieser Drüse anfangen konnten. Es gab Herrscher, die sich auf Fässer setzten, in denen sie Kriegsgefangene verhungern ließen, um dann mitzubekommen, wie die Seele emporsteigt, und andere kuriose Versuche. Doch gesehen hat man sie nie, die Seelen.
Übrigens glauben zwar viele Religionen an nur eine Seele, viele aber auch an mehrere. Den Hawaiianern beispielsweise ist eine zu wenig, den ollen Ägyptern auch. Beide Kulturen kennen (unabhängig voneinander) zwei Seelen, und zwar jeweils eine “irdische” Seele und eine höhere, unsterbliche Seele. Dieser Gedanke zieht sich durch fast alle Religionen, bei denen es zwei Seelen gibt, und das sind verdammt viele. Auf Hawaii heißen die Seelen Unihi-Pili und Aumakua; die Ägypter machen es uns einfacher, da heißen diese Seelen Ba und Ka. Auch viele Kulte aus dem Voodoo-Umfeld kennen das Konzept der zwei Seelen, wie der Leser dieser Website Skyrock ergänzte. Selbst das europäische Mittelalter hat in Sachen Seelen so einiges zu bieten, spricht doch Bartholomäus von drei Seelen, nämlich der vegetativen, welche für das Wachstum und das Unbewusste zuständig ist und Pflanzen innewohnt, der emotionalen, welche Tieren zusätzlich zur vegetativen Seele innewohnt, und der rationalen, welche sich beim Menschen zu den zwei vorgenannten noch als Dritte hinzugesellt. Bartholomäus Lehre stellte eine Zusammenfassung mehrerer anderer Lehren dar, war also keine Einzelidee, sondern wissenschaftliches Allgemeingut. Es ist auch gar nicht so abwegig, durchläuft doch der Anonyme Christ selbst so manchen Abend alle drei Seelen in Reinform: rational (”Ich werde heute nichts trinken.”), emotional (”Na gut, einen.”) und vegetativ-unbewusst (”Klaa kannisch fahn, isch hab nix getrungen!”).
Beleuchtet man das Verhalten von Menschen gegenüber ihren Gottheiten, so sollte man chronologisch ganz weit vorne anfangen, nämlich in den Zeiten, wo die Menschen zum ersten Mal über höhere Wesen im weiteren Sinne nachdachten. Damit ist dann auch schon direkt ein Irrtum verbunden, nämlich der, dass zuerst der innere Glaube und die innere Einstellung sich zu den Göttern wand und es dann erst zur Formalisierung von Ritualen kam. Verdammt, jetzt ist es passiert: Jetzt hat der Anonyme Christ eine These zur Diskussion gestellt, die derart theoretisch und wissenschaftlich klingt, dass die Interessenkurve der meisten Leser sich in Luft aufgelöst haben dürfte wie ein Nudistentaucher nach einem Piranha-Angriff. Darum für den kargen Rest der Leser hier eine Interpretation, was der Anonyme Christ überhaupt mit der These meint, bevor er zur Antithese kommt: Es ist ein Irrtum, dass die religiösen Rituale erst begannen, nachdem der tiefe Glaube der Menschen zu ihren Göttern so groß geworden war, dass man das Bedürfnis hatte, den Göttern zu opfern, ihnen also etwas zu schenken. Es ist nämlich ganz im Gegenteil zu vermuten, dass zuerst nur das Gefühl bei den Menschen da war, dass die
Wetterschwankungen, die Katastrophen, aber auch die guten Ereignisse, von irgendjemandem gemacht wurden, der mächtiger war als die Menschen selbst. Also schlug man diesen Wesen eine Art Handel vor, indem man ihnen opferte, um sie zu besänftigen oder vielleicht sogar etwas von ihnen zurückzubekommen. Dieses Prinzip nennt sich “Do, ut des.” (lat.: “Ich gebe, damit du mir auch geben magst.”). Man achtete darauf, bestimmte rituelle Formalitäten einzuhalten, aber von echter Demut oder innerer Anteilnahme war da wahrscheinlich nichts zu sehen. Erst später, nach ausgeprägten Glücks- oder Pechsträhnen, begann das Bedürfnis, jene Gottheiten zu lieben, ihnen in ehrlicher Demut gegenüberzustehen und ihnen aus echter Überzeugung heraus zu dienen. Dabei haben Götter immer ganz gute Karten in der Hand, denn die meisten Menschen wünschen sich, dass es eine irgendwie elegantere Perspektive für die Zeit nach dem Tod gibt als das totale Ende des eigenen Bewusstseins. Und genau dafür können sie Gottheiten anbeten.
Als westlich orientierter Mensch geht man gerne davon aus, dass Götter bzw. Gott nur Befehle erteilen, dass man also alles tun muss, was diese Gottheiten wollen. Aber so was gibt’s mal wieder nur bei den Religionen, die sich auf eine Figur, einen Führer, eine Allmacht stützen, so wie zum Beispiel das Christentum. Schamanen und Propheten in Naturreligionen, vom indianischen Medizinmann bis hin zum keltischen Druiden, sind bzw. waren da anders. Sie stellen ihre Visionen, die sie ja immerhin von ihren Göttern erhalten haben, immer erst zur Diskussion. Man redet über die Vision, interpretiert ihre Bedeutung oder kommt gar zu dem Ergebnis, dass sie falsch ist. Nur monotheistische Religionen neigen zum blinden Befolgen prophetischer Befehle, denn wenn ein Monotheist (also ein Eingottglaubender) einer Vision eines Propheten mit anerkannt gutem Draht zum lieben Gott widerspricht, widerspricht er Gottes Allmacht.
Beim Thema Schamanen sollte man am Rande mal auf einen weiteren verbreiteten Irrtum eingehen, der da heißt: Wilde sind wild. Ja natürlich sind Wilde wild, sonst hießen sie ja nicht Wilde, sondern Unwilde. Aber man sollte ein bisschen a
ufpassen mit der Einstufung, wen man als Wilden bezeichnet und wen nicht. Alle so genannten Naturvölker, sehr oft schlichtweg als Wilde bezeichnet, verfügen im Grunde über eine enorm komplexe Gedankenwelt, die in ihrer Logik und ihrer inneren Konsequenz oftmals das übertreffen, was unsereins als zivilisiert oder kultiviert bezeichnen würde. Zivilisation jedoch ist nicht nur die Fähigkeit, die Natur so auszunutzen und zu formen, wie man will, sondern noch zivilisierter ist es, sich mit der Natur im Einklang zu sehen und sie unter keinen Umständen als vom Menschen getrenntes reines Ressourcensystem zu sehen. Nun wird mancher Leser verwundert die Augenbraue hochziehen und sich fragen, ob der Anonyme Christ nun endgültig zum Öko-Lager übergewechselt ist. Dieses aber würde er verabscheuen, es geht nur darum zu zeigen, dass Wilde nicht naive Deppen sind. Nehmen wir mal die Druiden als Beispiel. Die Ausbildung eines Druiden ist etwa zehn mal so lang wie die eines Bürokaufmanns, siebenmal so lang wie die eines Energieelektikers und halb so lang wie die eines klinischen Psychologen. Zwanzig Jahre musste ein Druide ausgebildet werden! Heutzutage reicht das, um übergangslos direkt zur Rente zu kommen.
Wie Golgari, ein Leser dieser Website, ergänzte, hatten die Druiden sogar eine eigene Hirarchie, an dessen Spitze der Merlin stand. Dies war der oberste Druide. Also war der Merlin aus der Artussage nicht ein Mann mit Namen Merlin, sondern nur einer von vielen, der gerade mal den Boss spielen durfte. Danke Golgari!
Druiden können sich natürlich nicht wirklich in Tiere verwandeln und haben das auch nie behauptet. Nicht wirklich und vor allem nicht in der wirklichen Welt. Druiden brauchten die Verwandlung in Tiere auf rein geistiger Ebene, um in die Anderswelten zu kommen, also das, was der Australische Aborigine als Traumzeit und unsereins als ordentlichen LSD-Trip bezeichnen würde. Eine echte Verwandlung in ein Tier fand nicht auf körperlicher Ebene statt, auch, wenn viele Druiden in Bildern symbolisch als Tiere dargestellt wurden. Eine echte Verwandlung zum Tier beherrscht nur der Anonyme Christ, und zwar immer dann, wenn er an die Grünen und ihre Ökosteuer denkt. Die modernen Schamanen nennen die Traumzeit - nichtalltägliche Wirklichkeit - und unterteilen sie in die untere Welt, die die Kraft der Erde repräsentiert, und obere, die Welt der Lehrer, der Verstorbenen und Geister. Viele Völker kennen noch mehr solcher Welten. Ihnen ist gemeinsam, dass sie den Begriff der Zeit nur der normalen Welt zuordnen, nicht den spirituellen Welten. Und genau dorthin machen sie angeblich ihre geistigen Reisen. Ihre Aufgabe ist dabei beispielsweise, der Seele eines Verstorbenen, die nicht kapiert, dass ihr zugehöriger Körper abgenippelt ist, nun ihrerseits beim Abnippeln zu helfen. Oder abgesplitterte Teile der Seele zurückzuholen. Der moderne Schamane glaubt nämlich, dass ein Trauma eine Abspaltung eines Teils der Seele zum Selbstschutz ist, was verhindern soll, dass der Rest der Seele den Schmerz aufgrund eines einschneidenden Ereignisses direkt volle Kanne spürt. Auch die Psychologie kennt ein solches Phänomen in ähnlich Form und nennt es partielle Dissoziation. Oft kommen auch weitere Tiere vor: „Krafttiere“, in etwa das, was in Star Treck - Voyager Chekotees „tierische Berater“ sind. Sie geben angeblich Kraft, führen und schützen auf den imaginären Seelenreisen des
Schamanen. Die letzte Seelenreise, die der Anonyme Christ erlebt hat, war die eines Freundes, der bei der Hochzeit des Anonymen Christen nach viel Tequila unbedingt noch ein paar Glas Wodka oben drauflegen musste. Hat ihm das ganze Auto voll gekübelt bei seiner Seelenreise.
Nun hatte der Anonyme Christ ja schon eben verlauten lassen, dass die Denkweise von Angehörigen anderer Religionen einem selbst oft irgendwie völlig seltsam vorkomme. Wo wir nun gerade bei den Druiden und den Kelten sind, seien hier einmal ein paar Beispiele angeführt, deren Hintergrund definitiv religiöser ist, als es scheint, da die erwähnten Helden nämlich ständig in irgendwelche Schlachten gegen böse Götter verwickelt sind. Culhwch, ein keltischer Held, musste zum Beispiel einem gefährlichen Eber einen Kamm, eine Schere und ein Rasiermesser zwischen den Ohren hinwegstehlen. Ein Eber mit einem halben Friseurladen zwischen den Ohren ist ein Anblick, der den armen Culhwch schon per se kampfunfähig machen musste, da Lachkrämpfe den besten
Helden umhauen können.
Es gibt zu allem einen Mythos, sogar zum Scheißen. Whaitiri, eine philippinische Donnergöttin, heiratete den Krieger “Menschentöter”, weil sie dachte, er teile ihre Vorliebe für zartes leicht angebratenes Menschenfleisch. Doch Menschentöter hatte seinen Namen nur, weil er halt ein guter Krieger war, darum kehrte sie enttäuscht zurück in den Himmel. Vorher aber beklagte sie sich noch über den extremen Geruch ihrer überall hinkackenden Kinder, stellte ein frisches Dixie-Klo in den Wald und zeigte den Kleinen sogar, wie man korrekt schiss. Wie gesagt, sie war die Donner(balken)göttin, vielleicht klingt ein zünftiger Furz, fachmännisch abgezogen, deshalb ein bisschen wie Donnergrollen.
Wie wir sehen, lernen Menschen von ihren Göttern. Das Verhältnis zwischen Göttern und Menschen, immer noch unser Thema, ist bekanntlich ein bilaterales. Die Menschen passen sich dem an, was sie für die Bedürfnisse ihrer Götter halten, aber sie passen auch ihrerseits die Götter ihren eigenen Bedürfnissen an. Wie sehr Götter sich durch politische und weltliche Veränderungen im Bild der Menschen wandeln können, sieht man zum Beispiel am ollen Ägypten. Als das obere und das untere Ägypten zusammenschmolzen, wurde zum Beispiel aus Seth, dem Beschützer des Sonnengottes Ra und dem Sturm- und Wüstenherrscher des unteren Ägyptens, also der Verliererseite, ein Bösewicht, der seinen Bruder Osiris ermordet und angeblich schon bei der Geburt die Seite seiner Mutter Nut von innen aufgerissen haben soll, um geboren zu werden. Er wurde in die Wüste verbannt und bedeutungslos wie Anubis, der durch Horus von der Siegerseite ersetzt wurde. Nur der Vollständigkeit halber: Eine andere Quelle nennt übrigens nicht Seth, sondern Typhon als Zerhacker von Osiris. Ebenso wurden die Ban Shean, ehemals Götter der Iren, nach der Christianisierung zu Trauerboten und Kinderschrecken, Tezcatlipoca bei den Azteken wurde vom guten Gott zum negativen Aspekt des Siegergottes Quetzalcoatl, weil er der Verliererseite bei den Kriegen der Azteken untereinander angehört hatte. Auch die Slawen sind da keinen Deut besser. Die Baba Yaga, einst eine hilfreiche Göttin, Urmutter und Herrin der Zeit, welche nach diversen Prüfungen Mädchen in Mysterien einweihen konnte, war später im Einfluss des Christentums eine Menschen fressende und grausame
Hexe. Und selbst der Christengott wurde im nahen Osten etwa zehn mal so schnell vom damals reichen Islam verdrängt wie er selbst damals die babylonischen Götter verdrängt hatte.
Das Verhältnis zu den Göttern war ohnehin da lockerer, wo es nicht einen, sondern viele Götter gab. Die alten Ägypter zum Beispiel glaubten ja bekanntlich unter anderem an Ra, den Göttervater. Und der war definitiv altersschwach. Zum Beispiel ging er einmal seinen täglichen Weg - die Sonnenbahn - entlang, als er mal wieder sabberte und ein Speicheltropfen herunterfiel. Diesen nahm Isis auf und formte daraus eine Kobra. Ein andermal wurde er sogar richtig sauer und schickte Sekhmet als Rächerin auf die Erde, weil die Menschen ihn ob seines hohen Alters und der damit verbundenen Unpässlichkeiten veräppelt hatten. Solche Anekdoten würde es über einen alleinigen Gott niemals geben können. Auch dem christliche Teufel als alleiniger ultimativer Bösewicht können die Christen natürlich keine positive Eigenschaft zugestehen. Dies ist in vielen poly- und pantheistischen Religionen anders. Ein schönes Beispiel ist der Trickster der Indianer. Schon mal Thief - Dark Projekt im PC gespielt? Dort kommt der Trickster als Bösewicht vor. Doch ist ein Trickster eigentlich mehr als nur ein Bösewicht, sondern nach dem Glauben vieler Indianervölker ein Geist, der die bestehende Ordnung immer ein bisschen durcheinander bringt. Damit hat er eine wichtige Funktion im Weltgefüge, denn er hilft, das Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos aufrechtzuerhalten. Der Trickster manifestiert sich vor allem in Koyoten und handelt mal gut, mal böse. Da es bei den Indianern keinen alleinigen Teufel in dem Sinne gibt, könnte man nun der Versuchung erliegen, den Trickster mit dem Teufel gleichzusetzen, doch das wäre falsch, denn die Religionen, in denen Ordnung zu einer durchweg nur guten und erstrebenswerten Welt gehört und somit alles nichtordentliche böse ist, sind mit den Naturreligionen Nordamerikas unvereinbar, denn da ist der beste Zustand der eines Gleichgewichts.
An der Stelle sei mal ein kleiner Einschub zu einem sehr verbreiteten Irrtum über indianische Glaubenswelten erlaubt, nämlich über den Irrtum, das Indianer an einen großen Gott Manitu glauben. Manitus gibt es nämlich viele. Eigentlich ist jeder Geist - und das sind bei pantheistischen Religionen verdammt viele - ein Manitu, ein Großer Geist, oder zumindest ein Aspekt davon. Im Grunde bedeutet es sogar gar nichts Personifiziertes, sondern einfach nur Große Kraft.
Aber gut, kommen wir zurück auf den christlichen Menschen. Wenn man über den Mensch in der Religion schreibt, sollte man einmal seine Entstehung betrachten, zum Beispiel so, wie sie in der Bibel beschrieben wird. Dort beginnt die Entstehungsgeschichte der Menschheit ja mit Adam und Eva, und gleich um diese beiden Personen gibt es dann auch schon mehrere Irrtümer. Es heißt nämlich, Eva sein die erste Frau gewesen, die es gab. Aber das stimmt nach der rabbinischen Tradition. Adam war sozusagen schon geschieden, als er Eva kennen lernte. Der Sage nach war die erste Frau des Adam Lilith, aus Erde erschaffen wie er selbst. Doch sie geriet in Streit mit Adam, weil sie behauptete, Mann und Weib seien gleich, weshalb sie beim Sex nicht unten liegen wollte. Adam aber verlangte Unterwürfigkeit, woraufhin Lilith keifend das Paradies verließ. Danach schaffte Gott Eva, unterwürfig und brav, aber wahrscheinlich langweilig wie ein Hasenköttel im Schnee. Lilith (”die Nächtliche”) kommt in sehr vielen Sagen sogar über Europa hinaus vor. So ist ein weiblicher Dämon namens Lillake schon im Gilgamesch-Epos 2000. v. Chr. zu finden und ein Lust- und Sturmdämon namens Lilitu erscheint in den babylonischen Zaubersprüchen. Die öfters mal im Necronomicon, dem berühmten Buch der Toten, vorkommende Liebesgöttin Innana hatte wohl öfters Kontakt zu ihr. Lilith wird als verführerisch-dämonische Frau dargestellt, deren Fluch es ist, mit schlafenden Männern zu kopulieren, um Dämonen zeugen zu können. Die nordische Sage kennt Lilith ebenfalls in dieser Rolle, allerdings heißt es dort, sie habe ekelhafte, behaarte Beine und würde Männern, mit denen sie im Schlaf kopuliert, Alpträume bescheren. Zahlreiche Rezepte in ominösen Zauberbüchern sollen davor schützen, vor allem soll man keinen Samen verschlabbern oder vergeuden, denn auch diesen nimmt Lilith angeblich heimlich mit. Totgeburten gehören ihr, plötzlich verstorbene Kinder auch. Leider können nur Kinder sie sehen. Man sagt, wenn ein Kind im Schlaf lacht, spielt Lilith mit ihm. Lilith hat so viele mythologische Querverbindungen in so vielen Kulturen, dass es selbst dem neunmal klugen Anonymen Christen ganz schwindelig wird, zum Beispiel hat sie üble Ähnlichkeiten zu Grendels Mutter in der Beowulf-Sage, und die alten Griechen glaubten an Lamia, die sich ähnlichen Freizeitbeschäftigungen hingab wie Lilith. Auch die schwäbischen Nachtfrauen, sehr hübsche, zierliche Nymphen, sollen nachts schlafenden Kindern an den Brustwarzen saugen, worauf diese dann Brustwarzenentzündung bekommen. Doch gibt es auch in ganz anderen Erdteilen Befürchtungen, was schlafende Babies angeht. Die Indios in Südamerika glauben ebenfalls an Geister, die Babyblut saugen, während die Kleinen in aller Ruhe pennen. Insgesamt verkörpert Lilith den dunklen Teil der Weiblichkeit, aber eben auch den attraktiven, erotisch-mystischen (Scheiße, jetzt schreibt der Anonyme Christ schon wie ein Piccasso-Liebhaber auf Crack). Na ja, diesen Teil der Weiblichkeit nennt man jedenfalls auch Femme fatale, weil er eben nicht nur das Attraktive, sondern auch das Verderben bedeutet. Ein besonders attraktives Beispiel einer Erotik versprühenden Femme fatale ist Angela Merkel.
Es heißt auch, dass Adam bei der Sache mit dem Baum und der Schlange damals in einen Apfel biss, den Eva ihm reichte. Wer aber das biblische Buch Genesis aufmerksam liest, wird hier nix von einem Apfel finden, sondern immer nur von einer verbotenen Frucht. Beachtet man den Kulturraum, aus dem die Bibel stammt, so wird vermutlich eine Feige oder eine Dattel, eventuell auch ein Granatapfel gemeint sein, welche(r) Gott dann zu seinem berühmten cholerischen Anflug veranlasste. Adam ist sogar angeblich ein Stück des Apfels im Halse stecken geblieben, warum man auch heute noch beim männlichen Kehlkopf vom Adamsapfel spricht. Wie auch immer, man dichtete christlicherseits das Ganze zum Apfel um, weil der Apfel als Inbegriff der Frucht seit den altrömischen Zeiten einen hohen Symbolgehalt hatte. So warf ja auch einmal die Göttin der Zwietracht Eris (die griechische Version der römischen Discordia, wie der Leser dieser Website FloG einwarf) einen Apfel mit der Aufschrift “Der Schönsten” in die Götterversammlung, was einen riesigen Streit zwischen den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite hervorbrachte und letztendlich zum trojanischen Krieg führte. Mancher König und Kaiser hatte einen goldenen Apfel als Machtsymbol in seinem Besitz. Die heutige Aufteilung weiblicher Hinterteile in apfelförmige und birnenförmige Exemplare hat eher offensichtlichen denn symbolischen Gehalt, wobei es neben diesen Formen sicherlich auch andere wie die Kürbisform oder die Pfannkuchenform gibt. Aber der Anonyme Christ schweift ab.
Der Teufel erschien Adam und Eva übrigens bekanntlich in Gestalt einer Schlange. Eine kleine Erläuterung zum Thema Schlange darf hier nicht fehlen. Die Schlange war bei den Urchristen eigentlich ein geheimes Symbol positiver Natur. Wer sich für andere Christen erkennbar, aber für Nichtchristen unentdeckt, als Christ ausweisen wollte, der zeichnete eine Schlange oder später einen Fisch. Erst später, als das Christentum nachhaltig in die Öffentlichkeit ging - nicht zuletzt ein Verdienst von Motivationsguru Jesus Christus -, hatte sie die Macht, Zeichen anderer Religionen zu verpönen und zu verteufeln. Darunter befanden sich viele Symbole wie zum Beispiel Erkennungszeichen altrömischer Kulte oder die Zeichen der Gnostiker. Viele der alten Religionen verehrten das Symbol der Schlange als ein Symbol des Lebens, stellten sie sich selbst in den Schwanz beißend dar oder schmückten mit ihr ihre Altare und Amulette. So wurde die Schlange “verteufelt” und mit dem Bösen in Verbindung gebracht. Erst seitdem heißt es, dass die Schlange eine teuflische Gestalt sei. Vorher war sie ein Symbol des Lebens, vielleicht hatte der Teufel deshalb jene Gestalt gewählt.
Übrigens weiß man ziemlich genau, was für eine Art von Schlange es war, die Adam und Eva im Paradies verführte: Der Haselwurm. Der profund gebildete Leser kennt gar keine Schlangenart mit diesem Namen? Nun, dann soll er mal unter Haselbäumen nachsehen, am besten bei der Wurzel, da haust nämlich angeblich der Haselwurm. Der Haselwurm soll vom Kopf her ein bisschen einem Baby ähneln und auch so quäken, allerdings sollen seine Schuppen golden sein wie die eines Basilisken. Andere Quellen sprachen von einem katzenähnlichen Kopf, eine Eigenschaft, die man vom Tatzelwurm her in manchen Versionen kennt. Einige Quellen sprechen davon, dass der Haselwurm ein paar Beine hat, doch kommt dies dem Anonymen Christen insofern komisch vor, als das beinlose Kriechen ja gerade die Strafe Gottes für die Verführung von Adam und Eva war. Abbildungen zeigen den Haselwurm teils mit Flügeln, was aber jener göttlichen Strafe ebenfalls widersprechen würde.
Übrigens verehren viele Religionen bis heute die Schlange und ihre abgewandelten Formen wie zum Beispiel die chinesischen/japanischen Drachen. Einzig die Sache mit dem Aesculapstab stimmt nicht: Wie der Leser Thorsten S. berichtete, ist das Wesen, welches das Symbol der Ärzte und Apotheker ziert, keine Schlange, sondern in Wirklichkeit ein Spulwurm. Die Ärzte lockten damals durch Klopfen auf den Körper des Patienten diesen Wurm hervor und konnten ihn dann einfach entfernen, seinerzeit ein eindrucksvoller Beweis für die Wirksamkeit der Medizin. Der Spulwurm als Zeichen der Ärzte unterstützt die Behauptung des Anonymen Christen, dass im deutschen Gesundheitssystem der Wurm drin ist.
Den Vorfall mit der verbotenen Frucht nennt man übrigens Erbsünde. Es war die erste Sünde überhaupt. Mit dieser Sünde als Makel werden alle Menschen nach christlicher Auffassung geboren. Erst die Kreuzigung Jesu, der gleichsam den Sündenbock für diese Erbsünde spielte, eröffnete die Möglichkeit, sich durch die Taufe von der Erbsünde rein zu waschen.
Weit verbreitet ist auch die Annahme, dass Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies nicht mehr in selbiges zurückkehren durfte, zumindest bis zum jüngsten Gericht. Doch das sagen nur die Christen und die Juden. Der Islam aber sagt da etwas anderes. Nach muslimischer Auffassung ist zwar Adam wirklich aus dem Paradies vertrieben worden, nachdem er (übrigens nicht durch Eva verführt, sondern genauso ungehorsam wie sein Weib auch) diese berühmte Obst-Attacke gegen Gottes Autorität vorgenommen hatte. Als er aber seine Tat bereute, hatte Allah Mitleid und erhob ihn sogar zum ersten Propheten, welcher er blieb, bis Mohammed ihn auf Platz zwei verwies. Das Ganze hat eine Menge Folgen für den Islam, denn wo keine Erbsünde ist, muss auch kein Jesus kommen, um diese durch seine Kreuzigung zu tilgen. Und wo keine Erbsünde ist, gibt es auch keine Taufe, die einen von ihr rein wäscht. Übrigens: Unnötig zu erwähnen, dass Eva, die alte Zicke, ihre Tat kein bisschen bereute.
So, Adam war also Prophet, sagt der Koran. Propheten sind Menschen, die mit ihren Göttern verstärkt und direkt kommunizieren, also
EDV-technisch gesprochen eine eigene VPN-Verbindung zu Gott haben. Auch um Propheten, die ja eigentlich Vorbilder im Verhältnis Mensch zu Gott sein sollen, ranken sich verbreitete Irrtümer. Der Erste ist, dass Propheten immer hoch geachtete Leute sind. Mit den Propheten ist das nämlich so ‘ne Sache: Verehrt und angespiehn, gab es einige Propheten, die eine recht gute Stellung hatten, wie z.B. Elischa oder Elija aus der Bibel. Andere aber wurden ziemlich schlecht behandelt, nicht, weil der Prophet im eigenen Lande nicht zählt, sondern weil der Prophet in einem von fremden Leuten beherrschten Land nicht das Maul zu weit aufreißen sollte. Jeremia ist ein gutes Beispiel dafür, seine Lebensgeschichte ist ein Hin und Her zwischen improvisierten Gefängnissen, Kerkertürmen, Schlammgruben und Problemen mit lynchfreudigen Prophetenanzündern. Auch der Prophet David fristete sein Leben abwechselnd in Hochachtung und Luxus und in ungemütlichen Löwengruben. Na ja, vielleicht war er auch einfach auf den Kick aus. Mohammed, Stifter des Islam, musste ebenfalls zuerst aus Mekka fliehen, weil man ihm dort Feuer unter dem Hintern machte, und erst Jahre später, nachdem er in Medina so erfolgreich war, konnte er nach Mekka zurück.
Es ist aber auch ein Irrtum, zu glauben, dass Propheten immer nette Leute waren. Ok, Jeremia und einige seiner Kollegen sind auch echt pazifistische Leute gewesen. Andererseits sind da so Leute wie Moses und seine Nachfolger, die sich in bester
Berserker-Manier durch die Truppen der Feinde hindurchgehackt haben und dabei einen wenig pazifistischen Eindruck hinterließen. Der Gipfel der Ungnade ist aber Elischa, ein hoch geachteter Prophet, der ein kleines bisschen… nun, unbeherrscht scheint. Die Bibel erzählt dazu eine Passage, in der die Kinder eines Dorfes Elischa wegen seiner Glatze gehänselt hatten: “Er aber drehte sich um, schaute sie an und fluchte ihnen im Namen Jahwes. Da kamen zwei Bärinnen aus dem Wald und zerrissen zweiundvierzig von den Knaben.” (2. Könige 2, 24) Diese Darstellung eines gewalttätigen Glatzkopfes legt die Vermutung nahe, das Elischa der erste Skinhead war. Ob Elischa im obigen Beispiel zweiundvierzigfach gegen das Gebot “Du sollst nicht töten bzw. morden!” verstoßen hat, möchte der Anonyme Christ nicht beleuchten, das ist Sache des Allmächtigen und des Erzengels Gabriel.
Manche Propheten haben besondere Kräfte, wie schon das obige Beispiel bekundet. Dass der Prophet Moses das Wasser teilte, um trockenen Fußes mit seinem Volk durch das Meer zu schreiten, ist ja bekannt. Es ist aber ganz nebenbei bemerkt keine einmalige Leistung! Moses’ Verfolger Ramses muss ziemlich vergesslich gewesen sein, anders ist es nicht zu erklären, dass er den tollen Trick mit dem Wasser vergaß, den Sasamank, ein Hofmagier einer seiner Vorfahren, beherrscht hatte, und dass sein Heer bei der Verfolgung des rasenden Propheten ersoff. Eine perfekte Lotusblüte war nämlich dem damaligen Pharao ins Meer gefallen, und Sasamank hatte das Meer nicht nur geteilt, sondern er hatte sogar einen Zylinder bzw. einen Kegel aus Wasser aus dem Meer herausgehebelt und ihn über dem Wasser schweben lassen, während sein Pharao sein Boot in das bis zum Meeresgrund reichende Loch hineinrudern ließ und die Lotusblüte vom Grund aufhob. Dagegen ist der beste Stufe-7-
Zauberer von heute ein Diletant.
Übrigens ist ja auch Buddha eine Art Prophet gewesen. Doch dürfte Gautama Buddha kein besonders interessanter Gesprächspartner gewesen sein, postulierte er doch, dass Anhänger seiner Lehre - Mönche natürlich insbesondere - nur über Wichtiges sprechen durften. Bis dahin ok, nur, dass er zugleich sagte, dass einzig wirklich Wichtige sei die Lehre selbst. Es gibt sogar bis heute lange Listen, die aufzählen, welche Themen alle nicht wichtig sind, und dies sind ungelogen so ziemlich alle bis auf die Lehre. Nun halten sich glücklicherweise nicht alle Buddhisten an diese Anweisungen, aber einer, der sich wirklich daran hält, dürfte nicht wirklich ein interessanter Gesprächspartner sein. Na ja, höchstens vielleicht für einen Mönch aus einem christlichen Schweigeorden.
Wie eben schon ein Stückweit vorweggenommen, glauben auch die Muslimen nicht nur an einen Propheten Mohammed, sondern an mehrere Propheten. Einer davon, und hier sind wir bei einem weiteren Irrtum angelangt, dem viele aufsitzen, ist Jesus. Muslimen glauben also sehr wohl an Jesus, und auch an die Jungfrau Mary. Im Grunde ist für die Christen Jesus der Sohn Gottes und der letzte Prophet, der eine göttliche Botschaft zu den Menschen brachte. Die Muslimen sind sich mit den Christen einig, dass Jesus Christus ein großer Prophet war, jedoch glauben sie nicht, dass er Gottes Sohn war. Außerdem finden sie, es habe nach Jesus noch einen tollen Propheten gegeben, und zwar Mohammed. Dieser habe eben jene letzte Botschaft Gottes zu den Menschen gebracht. Alle vorherigen Botschaften, sagt der Islam, sind verfälscht, weil man sie zu spät aufgeschrieben hat. Übrigens ist Abraham - ja, jener biblische Abraham, von den Muslimen genannt Ibrahim - der dritthöchste Prophet des Islam nach Mohammed und Adam. Also der Anonyme Christ hält sich da lieber aus der Diskussion raus, ist für ihn doch der letzte große Prophet Alice Cooper.
Nun legt das oben Beschriebene über Jesus und sein Verhältnis zu Muslimen nahe, dass es im Weltbild der Muslimen keinen Messias gibt. Doch weit gefehlt. “Kütt noch, waadens aff.”, würde der Kölner sagen. So ein Messias ist eine große Sache, das macht man nicht so zwischen Tür und Angel. So was muss von langer Hand vorbereitet werden. Und so warten gerade die Schiiten auf ihren Messias. Dieser hat mit dem christlichen Messias wenig zu tun, außer dass er wie dieser die Auserwählten erheben und die Ungläubigen verdammen und in die ewige Scheiße schleudern wird und so weiter; man kennt das ja. Übrigens heißt der muslimische Messias Mahdi.
Übrigens glaubte man zu Zeiten des Petrus und des Paulus als Christ nicht, dass man Jahrhunderte auf die Wiederkehr des Messias warten sollte, sondern viele meinten, den jüngsten Tag noch erleben zu können. Nach zweitausend Jahren der Warterei sehen die meisten Christen das heute etwas lockerer.
In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass ein weiterer Irrtum die Benennung der Muslime als Mohammedaner wäre. Ein Muslim wird die Bezeichnung Mohammedaner in der Regel ablehnen. Christen benennen sich nach Christus, weil sie diesen als Aspekt ihres dreifaltigen Gottes verehren. Sie sehen also Christus also als Teil Gottes an. Muslimen aber nennen sich nicht Mohammedaner, denn Mohammed ist nicht Teil oder Aspekt ihres Gottes, sondern lediglich Mittler zwischen Gott und den Menschen. Wie auch immer, beide Propheten konnten ihre Lehren gut verkaufen, so gute Außendienstler gibt es ja heutzutage gar nicht mehr.
Neben den Propheten gibt es ja übrigens auch eine ganze Menge Heilige. Auch über die existiert so mancher Irrtum. Beispiel gefällig? Ok. St. Martin hatte keinen roten Mantel, wie man ihn heute gerne zeigt, sondern einen weißen, wie alle anderen im 4. Jahrhundert in Amiens stationierten kaiserlichen Soldaten auch. Basta! Den roten Mantel bekam er erst später, als er Bischof von Tours wurde, und selbst das geschah nicht freiwillig, sondern man wollte ihn unbedingt haben, weil er als Christ und Deserteur nur mit einem Kreuz bewaffnet alleine gegen die Armee des Gegners geschickt worden war und der Gegner, oh Wunder, trotzdem um Frieden gebeten hatte. Er hatte den Posten nie gewollt und sich im November in einem Gänsestall versteckt, um der Bischofswürde zu entgehen, aber man entdeckte ihn und frisst seitdem bis heute im November Martinsgans. Also: Vorsicht mit überlieferten Bräuchen, sie durchlaufen so manche oft symbolische Veränderung!
Sehen wir uns einmal an, wie fromme Menschen sich den nun nach den Worten der Bibel verhalten und verhalten sollen. Dazu sollten wir uns zunächst einmal ansehen, für wen eigentlich die Bibel gilt. Ein Irrtum unter theologisch nicht so sattelfesten Leuten ist, dass die Juden und die Christen dieselbe Bibel haben bzw. dass die jüdische Bibel einfach nur gleich dem alten Testament der christlichen Bibel ist. Zu den katholischen und protestantischen Büchern gehören aber einige Schriften, die nie zu der jüdisch-hebräischen Bibel gehörten, sondern teils nicht einmal in hebräischer, sondern in griechischer Sprache verfasst waren. Die hellenistisch ausgerichteten Juden lesen auch diese Bücher, aber ein großer Teil der Juden kann mit Teilen der Bücher Judith, Tobit, Esther, Jesus Sirach, Weisheit, Baruch, Makkabäer und Daniel nix anfangen. Und dass die Juden das neue Testament als Erzählung über das Wirken Jesu Christi, nicht als Grundlage ihrer Lehre akzeptieren, klingt auch irgendwie logisch, oder?
Extremer ist es beim Koran. Der hat nämlich keine gemeinsamen Bücher mit der Bibel. Er ist auch im Gegensatz zur Bibel nicht chronologisch aufgebaut. Die Suren des Korans sind - bis auf die erste, ein kurzes Gebet für den täglichen Gebrauch - nach ihrer Länge geordnet. Hat die Zweite noch 286 Verse, bringen es die letzten gerade mal auf drei Verse. Ob diese Ordnung sinnvoll ist, weiß wohl nur Mohammed selbst, doch dem wird es egal sein, denn die Suren sind alle gleichwertig und gleichwichtig. Einen interessanten Aspekt steuerte der Leser dieser Website Stormeye bei: Ordnet man die Suren nämlich wieder chronologisch, so erhält man einige sehr aufschlussreiche Informationen über die Entstehung des Islam. Die eher kompromissloseren Teile des Korans sind nämlich erst recht spät entstanden. So soll eine Sure, in der es heißt, dass die Frauen verschleiert gehen sollen etc., etc. erst spät entstanden sein, nachdem ein junger
Feldherr Mohammeds Hauptfrau schöne Augen gemacht haben soll.
Dass der Islam eigentlich eine Abspaltung aus dem Christentum ist, wird auch dadurch klar, dass man zu Lebzeiten Mohammeds nicht gen Mekka betete, sondern gen Jerusalem.
Viele Menschen treffen Aussagen über die Bibel, ohne sie gelesen zu haben. Der Anonyme Christ aber hat sie gelesen, und zwar komplett. So kann er auch die verbreitete Meinung korrigieren, dass die Bibel Friedfertigkeit und Liebe gegenüber dem Nächsten verkündet. Ein paar Blicke in die Bibel, vor allem ins alte Testament, reichen völlig aus, um jeden noch so Dummen vom Gegenteil zu überzeugen. Die Bibel ist über die Hälfte ihrer Länge ein Bericht von Schlachten, Blut, Asche, Rache, Grausamkeit und Tod, weitere gut vierzig Prozent sind weise Sprüche, die auf die Abgrenzung zu allem hinauslaufen, was nicht sklavisch die Gesetze Israels befolgt und deshalb mit Hass und unheiligen Flüchen überschüttet wird.
Getreu dem relativ simpel gehaltenen (und für damalige Zeiten fast fortschrittlich nett einzustufenden) Motto des Buches Deuteronimium 19, 21 handelt dann so mancher aus Gottes Volk bis heute im nahen Osten: “Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Arm um Arm, Fuß um Fuß!”. Hirn um Hirn. Einige Quellen sprechen übrigens davon, dass es sich hier um eine Art Schadenersatzregelung handelt statt um ein Rachemotto. Man versuchte zu beweisen, dass diese Regelung eine war, die deeskalierend wirken sollte. Warum aber, so fragt sich der Anonyme Christ, steht dann der Satz “Keinen Blick des Mitleids sollst Du haben.” einleitend vor dem oben genannten Zitat in der Bibel? Man bedenke: Die Hyksos, jenes Volk, dass mit Moses aus Ägypten auszog, war ursprünglich ein semitisches Streitwagenvolk, und die Sitten unter jenen Völkern waren verdammt hart. Die Aufforderung zur Friedfertigkeit ist im Grunde und in letzter Konsequenz erst durch Jesus aufgebracht worden, dessen Geburt das neue Testament einleitet.
Wie unterschiedlich zur heutigen und überhaupt zur christlichen Denkweise die Denkweise der handelnden Personen im alten Testament war, zeigt folgendes Beispiel, welches zeigt, dass früher Gastfreundschaft definitiv allumfassender als heute definiert wurde. Die allseits beliebte Bibel bestätigt nämlich, dass Gottes Volk alles, ja wirklich alles für seine Gäste tat. Lot zum Beispiel hatte zwei Gäste, die er vor den Menschen von Sodom mit den Worten schützte: “Nicht doch, meine Brüder, begeht doch nicht so einen Frevel! Da habe ich zwei Töchter, die noch keinen Mann erkannt haben (also mit keinem Mann geschlafen haben, Anm. des Anonymen Christen). Diese will ich zu Euch hinausbringen, und tut mit ihnen, was Euch beliebt.” (Genesis 19, 7-8) Dieser Lot war also ein ziemlicher Rabenvater; kein Wunder, dass seine Frau irgendwann zur Salzsäule wurde. Nun könnte man argumentieren, dass das mit den Töchtern kein ernst gemeintes Angebot war und eher unter die Kategorie geschmacklosen Humors fiele, wer aber die Bibel kennt, wird wissen, dass Gottes Volk definitiv das humorloseste auf der Welt war. Folgende Passage in fast gleicher Situation, nur einige tausend Jahre später, beweist den Ernst eines Angebots, wie Lot es machte (zart besaitete Naturen sollten diese Passage überspringen): “,Nicht doch, meine Brüder, seid keine Verbrecher! Nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen ist, begeht nicht solche eine Schandtat! Seht da meine Tochter, sie ist noch Jungfrau, die will ich Euch überlassen, tut ihr Gewalt an und macht, was Euch gefällt, aber an diesem Mann begeht nicht solch eine Schandtat!’ Aber die Männer wollten nicht auf ihn hören. Da nahm der Mann seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen hinaus. Sie erkannten sie, taten ihr die ganze Nacht bis zum Morgen Gewalt an und ließen sie erst im Morgengrauen los. Gegen Morgen kam die Frau und brach am Eingang des Hauses zusammen, wo ihr Mann war, und dort blieb sie bis zum Tag. Am Morgen erhob sich ihr Mann, öffnete die Tür des Hauses, ging hinaus, um seines Weges zu ziehen, da sah er die Frau, seine Nebenfrau, am Eingang des Hauses liegen, die Hände auf der Schwelle. Er sprach zu ihr: ,Laß uns gehen!’. Doch keiner gab Antwort.” (
Richter 19, 23-28). Eine andere Übersetzung, die die Leserin dieser Website Efeuranke auftat, besagt: „Steh auf, wir wollen weiter! rief er ihr zu, aber sie konnte nicht mehr antworten. Da lud er ihren Leichnam auf den Esel und reiste nach Hause.“ (Gute Nachricht Bibel, Stuttgart 1997) Noch Fragen?
Doch all das ist tausende Jahre her, und die christliche Kirche war irgendwann im ganzen Abendland eine echte Größe geworden. Die Menschen waren fromm, denn wo uns heute die Wissenschaft erklärt, warum die
Ernte gut oder schlecht ausfällt, warum es Unwetter gibt und wie Krankheiten entstehen, erklärte früher die Religion, wie man sich zu verhalten hatte, wollte man den Strafen des Jammertals Erde entgehen. Man stellt sich gemeinhin das Verhältnis des einzelnen Menschen zur Kirche im Mittelalter falsch vor. Wie gesagt, man war fromm, keine Frage. Doch es ist nicht etwa so, dass man ständig zur Kirche ging. Wo eine war, ja, da ging man zur Kirche, so oft es ging. Aber man muss sich die Dorfgemeinschaft im frühen und hohen Mittelalter eher als relativ abgeschlossene Gemeinschaft vorstellen, in der der Weg zum Nachbardorf schon etwas Besonderes war. Der Weg zur nächstgelegenen Kirche war da ein
Abenteuer für sich. Darum betete man zwar viel vor dem Hausaltar, auch genannt Herrgottswinkel, und war in einer Mischung aus Aberglaube und Frömmigkeit geborgen, aber mit der Kirche selbst als Institution oder Gebäude hatte man kaum etwas zu tun. Die Taufe und die Beerdigung waren die einzigen Ereignisse, die einen Menschen mit der Kirche in echte Berührung brachten, selbst kirchlich heiraten tat man erst allmählich ab dem 12. Jahrhundert. Nur einmal jährlich waren Abendmahl und Beichte vorgeschrieben. War aber eine Kirche in der Nähe, wurde sie automatisch zum Hauptversammlungsort und Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens.
Das verwundert umso mehr, als die Leute in den Messen nicht einmal verstanden, was gesagt wurde. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde der Gottesdienst noch in lateinischer Sprache gehalten. Zwar war die Geistlichkeit sich bewusst, dass man das Original-Latein nicht mehr genau kannte - deshalb nannte man das Kirchenlatein auch Vulgata, was eine dem echten Latein gegenüber niedrigere, eben „vulgärere“ Sprache bezeichnen sollte -, aber man hielt die Gottesdienste trotzdem auf Latein. Verstand kein Schwein, selbst bei der Prozedur der Wandlung, welche der Priester sprach mit den Worten „Hoc est enim Corpus meus.“; („Dies ist mein Leib.“), verstanden die frommen Gläubigen nur irgendein „Hocus Pocus“. Dass Papst Benedikt XVI. allen Ernstes im Jahre 2007 das Abhalten lateinischer Gottesdienste befürwortete, kommentiert der Anonyme Christ an dieser Stelle nicht.
Übrigens wurden christliche Feste, deren es damals weit mehr gab als heute, weniger ausgelassen gefeiert, sondern eher mit mehr Gebeten und Glaubensritualen. Aussprüche wie „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ gab es seinerzeit erst gar nicht. Man feierte im Mittelalter schlichtweg keinen Geburtstag. Das liegt unter anderem daran, dass dem einfachen Menschen überhaupt nicht geläufig war, wann er geboren worden war; oft wusste man nicht einmal, wie alt man war. Hätte man einen
Bauern im Mittelalter gefragt, wann er geboren worden war, so hätte er vielleicht geantwortet: “An einem regnerischen Tag kurz vor der Haferaussaat.” oder sonst etwas, was er aus den Erzählungen seiner Eltern gehört hatte. Im Gegensatz zum einfachen Volk rechneten die Mönche schon recht präzise (glaubten sie zumindest), doch war der Namenstag, wenn überhaupt, der einzige Tag, den man feierte, und das auch nur, indem man verstärkt zu seinem Namenspatron betete.
Bis zu ihrer Blüte hatte jedoch das Christentum viel Verfolgung erlitten, auch systematische Jagden, gar Progrome. Yep, es ist ein Irrtum, dass die ersten Progrome den Nazis zu verdanken waren. Auch die Reichskristallnacht war bei weitem nicht das erste Judenprogrom der Geschichte. Judenverfolgung ist keine Erfindung der Nazis. Schon seit alters her gab es immer wieder Perioden der Judenverfolgung. Keine andere Religion war davon über so lange Zeit hinweg so sehr betroffen wie diese. Im 10. Jahrhundert n. Chr. zum Beispiel mussten Juden eine extra Judensteuer in vielen deutschen Städten zahlen, durften aber dennoch keine offiziellen Ämter bekleiden. Immer wieder, besonders in schlechten Zeiten, mussten die Juden als Sündenböcke herhalten, so wurden sie zum Beispiel in fast allen Gegenden Europas verdächtigt, die Brunnen vergiftet und so die Pest herbei beschworen zu haben. Dass sie selbst aus diesen Brunnen tranken, störte die Verdächtiger nicht. In der Tat starben relativ gesehen bei der Pest weniger Juden als Christen, da sie mehr auf die hygienischen Verhältnisse achteten in ihren Stadtteilen.
Ja, richtig, die Juden hatten extra Stadtteile. 1215 n. Chr. beschloss man im Laterankonzil sogar, dass sie ausschließlich innerhalb der Mauern dieser Stadtteile leben dürften. Ziemlich bescheuert, wa? Selbst der berüchtigte Judenstern war nichts Neues im dritten Reich, denn Judenmarken mussten die Juden vielerorts schon im 13. Jahrhundert n. Chr. anbringen. Im 14. Jahrhundert n. Chr. wurde es dann noch strenger: Kein Christ durfte für einen Juden arbeiten, und der Handel mit Gütern sowie das Handwerk wurde ihnen auch verboten. Klar, dass die Juden sich in den
Beruf flüchteten, der ihnen bis heute den Ruf der Gier und des Geizes verlieh: Die Geldverleiherei. Die Bibel und die Apokryphen erzählen von der Judenverfolgung schon zu frühen Zeiten. Fast jede Stadt hat schon irgendwann einmal Judenprogrome erlebt, zumindest jede, die es zur Zeit der Pest oder der Kreuzzüge sowie der Inquisition schon gab. Darum haben so manche Kaiser oder Könige die Juden sogar unter einen besonderen Schutz gestellt, welcher freilich nur soweit ging, wie es nicht um die kurzfristige Schuldentilgung bei den Juden ging. Motto: Ein toter Gläubiger ist ein guter Gläubiger und macht dem Schuldner von nun an keine Sorgen mehr. Außerdem war dieser persönliche Schutz nicht einfach nur mütterlichem Instinkt entsprungen, sondern der Grund für die Judensteuer. Wie gesagt: Spätestens die Kreuzzüge machten im heutigen Deutschland, wo man ansonsten bis dahin recht gut mit den Juden umgegangen war, wie der Leser Flippah meint, so manches Judenviertel zu einem traurigen Aschehäufchen. Eines sollte dabei aber klar sein: Es waren nicht immer die Herrschenden, die Progrome anzettelten, sondern gerade im Mittelalter eher das, was sich selbst Volk schimpfte. Die Riten der Juden kamen den Menschen eben seltsam vor, was natürlich nicht gerade zur Sympathie beitrug. So schrieb Samuel Pepys, der um 1700 n. Chr. in London lebte, über den Gottesdienst der Juden: “…was für ein Chaos herrschte in ihrem Gottesdienst, was für eine Unordnung. Niemand, der an den wahren Gott glaubt, sollte mehr davon sehen müssen. Tatsächlich hätte ich mir nie erträumen lassen, dass es auf der Welt eine Religion gibt, die auf so absurde Art gelebt wird wie diese hier.” Hm, da hätte Mister Pepys mal das 20. Jahrhundert erleben sollen.
Man hat schon viele garstige Lügen über die Juden erfunden, und oft hat man auch mehr oder minder absichtlich Dinge falsch verstanden, um den Juden einen Strick daraus zu drehen. So heißt es, dass die Juden jeden Erstgeborenen Gott opfern müssen. Also sagte man, dass Juden ihre Erstgeborenen umbringen. Doch natürlich opfern keine Leute, auch, wenn so mancher Schwachsinnige dies und Ähnliches im Laufe der Geschichte behauptet hat. Stattdessen wird jeder jüdische Erstgeborene nach seinem 31. Geburtstag in einer Pideon ha-Bin genannten Zeremonie “ausgelöst”, sprich vom Vater symbolisch aus den Händen des Tempels freigekauft. Wer nun meint, darüber meckern zu müssen, dass die Juden mal wieder mit Geld alle Probleme lösen wollen, sollte eine andere Website anklicken; denn der Anonyme Christ kann sich mit Antisemitisten nicht anfreunden.
Nun werben ja inzwischen viele Religionen damit, dass sie ihre Gütigkeit jedem zur Verfügung stellen, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Religion etc. Derlei steht im Grundgesetz ebenso geschrieben wie im Leitbild jedes noch so schlechten Krankenhauses, und neuere Gesetze wie das Anti-Ausgrenzungsgesetz treiben es auf die gut gemeinte und schlecht gemachte Spitze. Doch was hinter den Kulissen herrscht, ist oft ein anderes Bild. Ein schönes Beispiel sind die Mormonen. Mormonen achten nämlich offiziell die Gleichberechtigung aller menschlichen Rassen. Tja, ist so ein bisschen Politik bei. Offiziell sind bei den Mormonen beispielsweise Schwarze ganz normale Menschen, inoffiziell aber gefallene und gestrafte Engel. Darum kämpften die Mormonen im amerikanischen Bürgerkrieg sogar mit eigenen Divisionen für die Sklaverei treibenden Südstaaten. Bis 1921 n. Chr. durfte kein Neger (damals durfte man die Schwarzen noch so nennen) Priester werden, und das, wo immerhin jeder Zwölfjährige männliche Mormone automatisch Priester wird, ob er will oder nicht. Nun gab es 1921 n. Chr. politisch etwas dicke Luft, bis dann in jenem Jahr angeblich plötzlich zufällig Jesus in einer vollkommen neuen Vision erschien und sagte: „Hou hou hou! Äh, ab jetzt, so sei verkündet, können auch Neger Priester werden.“ Tja, gerade noch rechtzeitig, Jesus.
In dem Zusammenhang erzählte ein Leser dieser Website namens Flippah eine kleine Anekdote: In seinem Studentenwohnheim hatte er nämlich einen Schwarzen. Und der hat ihn dann irgendwann mal gefragt, warum die Deutschen ihn nicht als Neger bezeichnen, sondern immer um den heißen Brei herumreden (Schwarzafrikaner, Schwarzer usw.). Er meinte, Neger sei durchaus nicht negativ belegt im Deutschen, Nigger im Englischen hingegen schon, und man möge doch bitte die Scheu vor der Nutzung des Wortes Neger wieder ablegen. Typisch deutsch, und prägnant ist die Feststellung, die Flippah seiner Anekdote folgen ließ: Alle, die sich über den Gebrauch des Wortes Neger beschweren, sind selber keine. Nun ja, wir wollen nicht abschweifen, sondern kommen nun wieder zum Thema zurück.
Die oben erwähnten Juden sind nicht die Einzigen, über die Lügen verbreitet werden, denn auch der Islam wird oft verunglimpft. Die Selbstmordattentäter führen dazu, dass sehr oft alle Muslimen als Fundamentalisten über einen Kamm geschert werden und der Islam als aggressive Religion missverstanden wird. Doch das ist absoluter Schwachsinn. Der Islam mag definitiv keine Polytheisten oder Atheisten, ähnelt darin aber den anderen monotheistischen Religionen. Der Koran selbst zeigt sich gegenüber Juden und Christen sogar sehr tolerant, obwohl man sagen muss, dass diese Einstellung innerhalb des Korans etwas schwankt. Mohammed war immerhin selbst auch ein Stückweit
Krieger und brüllte irgendwann mal: “Harrharr… … (äh, Scheiße, jetzt hat der Anonyme Christ den Faden verloren…äh… ach ja:) Harr… Ihr sollt solange gegen die Ungläubigen kämpfen, bis sie in den Satz einstimmen, dass Allah der einzige Gott ist!”. Und man solle kämpfen gegen den Ungläubigen Nachbarn, sagte er, relativierte allerdings dann mit Blick auf die umliegenden Großmächte und bezog dies auf die Ungläubigen, die angreifen wollten. Quintessenz des Korans bezüglich Juden und Christen ist eigentlich die, dass diese drei Religionen alle denselben Gott verehren, mit dem Unterschied, dass die Christen sich durch Jesus Christus von den Juden abgespalten haben und die Muslimen sich wiederum durch Mohammeds Lehren von Juden und Christen getrennt haben. Da Muslime und Christen auf mehr Gemeinsamkeiten bei der Verehrung Abrahams, Jesu und Holy Maria zurückgreifen können, ist deren Verhältnis zueinander tendenziell besser als das zwischen Juden und Muslimen, das unter anderem durch die Dauerprügelei Israel versus Palestina sehr belastet wurde. Seit dem 11.09.2001, an dem Terroristen das World Trade Center in New York dem Erdboden gleichmachten, setzen viele die Bezeichnung Taliban mit der Bezeichnung Muslim gleich, was der größte Fehler ist, den man in Sachen Islamkenntnisse machen kann, denn Taliban verstoßen so ziemlich gegen alle Regeln des Islam, die es gibt (Selbstmordanschläge, Hinterlist, Aggression, Ausruf des heiligen Kriegs ohne entsprechende Befugnis und und und). Wenn man an Christen denkt, denkt man ja auch nicht nur an die schwachsinnigen Kämpfer in Nordirland. Merke: Jede Religion hat ihre Extremisten, doch jede hat auch ihre intelligenten Leute.
Extrem sind auch im Verlauf der Geschichte so manche Christen gewesen. Die Muslimen benahmen sich zum Beispiel während der Kreuzzüge erheblich ritterlicher als die Kreuzritter. Selbst in Jerusalem blieben die Kirchen stets verschont, man ließ die meiste Zeit über sogar Pilgern aus dem Abendland freien Zutritt. Der Grund mochte darin liegen, dass die Muslime ja die Christenheit und das Judentum als direkte Vorgängerreligionen akzeptierten und wußten, dass ihr Glaube im Grunde nichts anderes als der jüdische oder christliche ist, ergänzt und korrigiert durch die Worte Mohammeds und seiner Nachfolger. Natürlich gab es auch Ausnahmen. So manche Kirche brannte trotzdem. Doch im Vergleich zum Benehmen der Christen, was Moscheen anging, war das Verhalten der Muslime bei weitem toleranter. Zur
Ritterlichkeit der christlichen Kämpfer an dieser Stelle mal eine kleine Beschreibung von Albert von Aachen aus dem Kreuzzugsjahre 1099 n. Chr. und der Eroberung Jerusalems durch die Christen: “Nach dem fürchterlichen und blutigen Hinmorden der Sarazenen, von denen dort (im Tempel, Anm. des Anonymen Christen) zehntausende erschlagen wurden, [...] machten sie nun viele Scharen von Heiden, die in ihrer Todesangst versprengt durch die Gassen irrten, mit dem Schwert nieder. Weiber [...] durchbohrten sie mit dem Schwert. Kinder, noch saugend, rissen sie an den Füßen von der Brust der Mutter oder aus den Wiegen und warfen sie an die Wand und auf die Türschwellen und brachen ihnen das Genick. [...] Kein Alter und kein Geschlecht der Heiden wurde verschont.” Angeblich floss das Blut in der Tat durch die Gassen Jerusalems, und außerdem plünderten die Christen an jenem 15.06.1099 n. Chr. sehr viele Heiligtümer der Muslime. Keinen Deut besser lief es, als die Christen am 13.04.1204 n. Chr. Byzanz zurückeroberten. Berichte erzählen von Vergewaltigung und Verstümmelung auch Unschuldiger, Bibliothekenverbrennungen und Plünderung. Man setzte sogar eine besoffene
Nutte auf den Patriarchenthron in der Kirche Hagia Sophia; und der Rest der
Stadt soll drei Tage gebrannt haben. Friedrich
Barbarossa hatte sich sogar vom Papst selbst bestätigen lassen, dass möglichst viele tote Heiden Gott wohlgefällig seien. Man jagte in jenem Kreuzzug alle Heiden: Die, die sich versteckt hatten, die, die sich ergeben hatten. Alle. Selbst der ansonsten so ritterliche Richard Löwenherz ließ 3.000 Gefangene abschlachten, nachdem ihm die Verhandlungen um den Austausch dieser Geiseln gegen gefangene Christen zu lange gedauert hatten. Saladin, der muslimische Gegner Richards, verkaufte die Gefangenen aus der Zitadelle von Tiberias an seine Soldaten, aber nicht als Sklaven, sondern es wurde um das Recht gefeilscht, den jeweiligen Gefangenen umbringen zu dürfen. Auch Beamte und andere Muslime, die vom Töten keine Ahnung hatten, durften mit bieten, und der islamische Chronist Imad ad-Din berichtet, wie die Soldaten lachten, weil diese Zivilisten so ungeschickt bei der Tötung ihrer Gefangenen waren und lange auf sie eindreschen mussten, bis sie endlich tot waren. Dennoch: Derartige Übergriffe waren damals auf Seiten der Muslime seltener als auf Seiten der Christen. Heute hat es sich leider geändert: Viele islamistische Gruppen kennen keine Toleranz mehr, doch wer die Christenheit und das Judentum daran unschuldig wähnt, sollte sich noch mal Zeit zum Nachdenken nehmen, sich hinsetzen und über einem Döner Kebab meditieren.
Immerhin ist es ja bei den Christen auch verboten zu töten. Oder doch nicht? Es heißt zwar „Du sollst nicht töten.“, aber sehen wir uns dieses Gebot mal genauer an. Gott hat das mit dem Tötungsverbot nämlich so nie gesagt - respektive hat der olle Moses das nicht auf seine Tafeln geritzt. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass es korrekter übersetzt hieß: “Du sollst nicht morden.”, also nicht gegen die Gesetze töten. Ansonsten wäre das Ganze ziemlich sinnleer, ist doch die Bibel - und selbst das Tun des Moses - nichts anderes als die ständige Beschreibung von Eroberungen und Schlachten und Töten und Hacken und Schlitzen - aber eben im Namen Gottes. Kurt Tucholsky’s umstrittener Spruch “Soldaten sind Mörder.” darf also so nicht stehen bleiben, sondern hätte politisch korrekt heißen müssen: “Soldaten sind zum effizienten Töten zum Vorteil einer Interessengemeinschaft ausgebildete Spezialisten, welche kaltblütig und ohne Mitleid einen anderen Menschen, zum Beispiel einen Familienvater oder einen Unterlegenen, töten müssen, wenn dessen Interessen den Interessen der Arbeitgeber des
Soldaten zu sehr entgegenstehen und sich keine sparsamere Art findet, das Handeln jenes Konkurrenten zu unterbinden.” Na also, hört sich doch schon viel besser an.
Wenn Christen der Mord und damit ja auch der Selbstmord verboten ist, dann wird ein Selbstmörder sicherlich nicht in der Bibel lobend erwähnt, oder wohl? Nun, im alten Testament schon. Dabei muss man allerdings beachten, dass es damals den Christen an sich ja noch gar nicht gab, sondern den Juden, denn das Judentum ist der Vorgänger des Christentums. Dennoch: Die Meinung über den Freitod scheint dieselbe gewesen zu sein. Umso mehr verwundert nun 2. Makkabäer 14, 41-46, eine Bibelpassage, die von der Ehrenhaftigkeit des Freitods des Priesters Rasis erzählt, welcher von Ungläubigen umzingelt in leichte Hysterie geriet und versuchte, sich in sein Schwert zu stürzen. Die Ausführung des Selbstmords war wenig professionell: Er stürzte daneben, doch riss das Schwert zumindest eine feine Wunde. Darauf hin rannte der Priester von Feinden verfolgt aufs Dach, um von dort aus seinen Tod herbeizuführen, indem er sich hinabstürzte. Natürlich stürzte er auch hier daneben. Na gut, wahrscheinlich war das Dach nicht hoch genug. Jedenfalls war er danach halt immer noch nicht tot, sondern rannte auf einen Hügel. Dort begann er, sich die Eingeweide rauszurupfen und sie in die Menge zu werfen. Dabei starb er dann aus verständlichen Gründen. Nun ja, man muss dem Priester zugute halten, dass er im Freitod halt noch etwas ungeübt war, aber warum die Bibel die Ehrenhaftigkeit des Selbstmords gegen ihre Prinzipien lobt, ist dem Anonymen Christen etwas schleierhaft.
Aber die Sache mit dem Morden und Töten bringt uns direkt zu einem weiteren verbreiteten Irrtum, nämlich dem, das ja eigentlich laut Kirche die Christen überhaupt keinen Krieg führen dürfen. Hätte es bei strenger Glaubensbefolgung überhaupt Kreuzzüge geben dürfen? Immerhin ist nach bundesdeutschem Gesetz (Paragraph 43 GG oder so) der Dienst an der Waffe aus religiösen Gründen verweigerungsfähig. Doch die christliche Kirche fand recht schnell einen Ausweg aus dem frühchristlichen Problem, dass man seinen Feind wohl kaum lieben und ihm wohl kaum die andere Wange hinhalten konnte: Augustinus beschrieb unter dem Eindruck der gotischen (damals heidnischen) Eroberung Roms 410 n. Chr., dass ein Krieg für Christen trotz aller Liebe zum Feinde geführt werden darf, wenn er den Frieden zum Ziel habe. Ohnehin hat Christus selbst gesagt: “Ich bringe nicht den Frieden, ich bringe das Schwert.” Damit waren so ziemlich alle Kriege legitimiert, denn das Erreichen eines dauerhaften Friedens kann sich selbst der dreisteste Aggressor auf die Fahne schreiben. Der Krieg, so argumentierte man, gereiche dem Feinde zum Wohle, weil ein unterworfener Feind sodann missioniert werden könne. Hat es etwas zu bedeuten, dass dem Anonymen Christen beim Schreiben dieses Irrtums immer wieder das Gesicht von George W. Bush in den Sinn kommt? Wie auch immer: Von Plündern und Vergewaltigen hat Augustinus definitiv gesagt, dass dies gegen Gottes Wille verstoße, doch das Benehmen vieler Christen im Krieg unterschied sich dennoch nicht von dem anderer Religionen. Hugo Grotius (1583 – 1645 n. Chr.) war im Grunde der erste, der auch offiziell den Gedanken ins Spiel brachte, dass es gut wäre, wenn Initiatoren ungerechtfertigter Kriege bestraft würden. Das Problem bleibt aber die Abgrenzung von gerecht und ungerecht: Ist ein Krieg gegen einen brutalen Unterdrücker wie zum Beispiel Saddam Hussein gerecht? Der Anonyme Christ wird sich in diese Frage nicht weiter vertiefen; diese Diskussion wurde bereits oft genug geführt und immer von Fakten überrollt.
Eine andere Frage ist aber, ob der christliche Geistliche denn Gewalt anwenden durfte. Durfte er nicht, wird man aus dem Gefühl heraus sagen, doch falsch, er durfte. Ist alles Auslegungssache. Geistlichen war es zwar verboten, Blut zu vergießen, aber körperliche Gewalt lässt sich sehr gut auch ohne Blutvergießen anwenden. So waren Geistliche hervorragende Knüppelschwinger, denn weil es ihnen verboten war, Blut zu vergießen, dürften sie keine scharfen Waffen benutzen. Und wenn dann doch einmal der eine oder andere Schädel stilvoll zerbarst, nachdem ein Mönch seinen Pazifismus an ihm ausgelassen hatte, so war das halt ein Versehen oder zumindest als solches zu rechtfertigen.
Doch die Waffe der Religionen ist nicht das
Schwert, sondern das Wort. Oft war auch christliche Propaganda schuld am schlimmen Ruf der Muslimen. So hält sich bis heute der Irrtum, dass der Kalif Omar die 4.000 Bücher der berühmten Bibliothek von Alexandria verbrannte haben soll, doch ist inzwischen nachgewiesen, das zwei Geschichtsschreiber an dieser Stelle falsches Zeugnis abgeliefert hatten, um die
Schuld auf die Araber abzuwälzen. Es waren die Truppen Caesars gewesen, die die gesamten Hafenanlagen in Brand gesteckt hatten, inklusive Bibliothek und deren Inhalt.
Selbstmordattentäter bekommen im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht etwa nur Bonuspunkte, wenn es um die Frage geht, ob sie in den Himmel kommen. Das Fatale ist, dass sie eben nicht nur Bonuspunkte bekommen, sondern den garantierten Freifahrschein zum Himmel. Dies gilt für Christen genauso wie für Muslimen. Dass einige weniger intelligente Leute ihren gesamten Glauben nur auf diesen Satz beziehen und ansonsten nicht das Geringste über den eigenen Glauben wissen, führt heutzutage im Islamischen und führte vor allem früher im Christlichen zum Tod vieler Unschuldiger. Im christlichen Raum führte die Sache mit der Himmelsgarantie zu völlig hirnloser Reliquienverehrung, da man meint(e), dass die Fürsprache der Märtyrer und Heiligen in der Zeit, in der man selbst schon im Fegefeuer hockt, den Bockmist wettmachen könne, den man zu Lebzeiten verbraten hat. Die Kreuzzüge wurden nicht zuletzt durch einen solchen garantierten Freifahrschein zum Himmel den Christen schmackhaft gemacht. Wer also meint, dass die Christen in dieser Beziehung nichts auf dem Kerbholz haben, irrt ebenfalls. Für die in letzter Zeit in den Nachrichten zur Normalität gehörenden Schahids, die muslimischen Selbstmordattentäter, ist die Verlockung nicht nur der Freifahrschein gen Himmel, sondern auch die Verhinderung der so genannten Grabesqualen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für siebzig nahe Verwandte. Vor diesen Grabesqualen hat ein gläubiger Muslim durchaus Angst. Während normalen Verstorbenen der verwesende Popo von Würmern zerfressen wird und sie zünftig stinkend vor sich hin rotten, bleiben die Würmer dem Leichnam eines Selbstmordattentäters angeblich fern und er versprüht angenehmen Rosenduft. Zu erstem könnte man kritisch anmerken, dass Leichen von erfolgreichen Schahids üblicherweise ohnehin nicht an einem Stück begraben werden können, sondern die Würmer eh nur Gulasch vorfinden würden. Zu Letzterem könnte man ketzerisch fragen: Für wen? Aber wie auch immer, die
Grabesqualen bleiben angeblich Schahids erspart. Doch mehr noch: Siebzig Jungfrauen erwarten einen Selbstmordattentäter angeblich im Himmel. Klingt zwar erstmal nett, aber was um alles in der Welt gedenkt so ein Schahid mit siebzig Weibern zu tun? Zum Skat braucht man nur zwei, und zum Pimpern dürften siebzig geile Weiber selbst stärkste Bullenklöten auf die Dauer überlasten. Doch leider ist die islamische Welt sexuell derart streng, dass alleine die Vorstellung von siebzig Frauen so manchen seines Hirns beraubt. Doch noch etwas: Muslimen dürfen keinen Alkohol trinken. Warum der Anonyme Christ dies betont? Nun, ganz einfach: Ein Schahid darf nach seinem Tod saufen, soviel er will. Nun gut, wenn er das darf, dann werden ihm auch irgendwann die siebzig
Weiber egal sein…
Übrigens gibt es eine Koran-Übersetzung, die nicht von siebzig Jungfrauen, sondern von siebzig Tauben spricht. Diese Übersetzung nimmt an, dass der Koran nicht in arabischer, sondern in archaisch-aramäischer Sprache geschrieben wurde, und plötzlich machen die ganzen Verse des Korans Sinn. Leider aber ist es nun einmal Gesetz, dass der Koran in Arabisch geschrieben ist. Dass dadurch ganze Passagen des Korans völlig uninterpretierbar sind, ist egal; man sagt halt, dass es sich um Gedanken handelt, für die der Mensch einfach noch nicht reif ist und die er daher auch nicht verstehen kann. Als archaisch-aramäische Verse machen diese Passagen Sinn, aber diese Übersetzung ist nicht akzeptiert.
Nun wird der angestrengt-verkrampfte Selbstmordattentäter aber sagen, dass der Djihad als heiliger Krieg eine heilige und damit gute Sache ist. Doch Djihad ist definitiv nicht gleich heiligem Krieg. Djihad ist einfach nur die Anstrengung eines jeden Muslimen, der Lehre Mohammeds zu folgen, sie auch dann beizubehalten, wenn es brenzlig wird, und nicht vom Weg abzukommen. Die Übersetzung “Heiliger Krieg” ist eine in westlichen Medien verbreitete Sache, jedoch etwa so falsch, als würde man “Country-Song” mit “M
usik” übersetzen.
Überhaupt ist es ein Irrtum, dass islamische Gläubige andere Leute von ihrem Glauben überzeugen wollen. Es steht ganz deutlich im Koran, dass Allah, hätte er dies so gewollt, alle Menschen zu einem Volk gemacht hätte, und zwar natürlich zu einem islamischen. Da er das aber nun einmal nicht getan hat, war das Hauptziel der islamischen Invasion in Europa nie die Missionierung, sondern lediglich die Unterwerfung der Ungläubigen. Für Treckies: Nein, Borg sind nicht unbedingt islamischen Glaubens. Heretic aber, ein eifriger Leser dieser Website, findet, der der Islam enthalte ebenso wie das Christentum sehr wohl eine Bekehrungsanweisung. Doch der Anonyme Christ ist anderer Meinung. Nicht der Koran enthält eine Anweisung zur Missionierung, sondern die Missionierung hat sich bei vielen Muslimen erst als Zielvorstellung gebildet, als der Islam mit christlichen Missionaren in Berührung kam und sich nun vor die Frage gestellt sahen, was man gegen die Überredungskunst der Priester tun konnte. Automatisch fing man an, zeitgemäß verpackt seine eigene islamische Meinung kundzutun und so in Konkurrenz zu den Christen zu treten. Der Koran selbst aber enthält definitiv keine Missionierungsanweisung, sondern lediglich eine so genannte Dawa, eine Einladung zum Islam. Doch ist diese Einladung ein “Wer will, soll zu uns kommen, und wer nicht will, soll es halt lassen.”
Der Islam war dennoch sehr schnell in seiner Verbreitung. Das war recht einfach, waren doch seinerzeit die Muslime reicher als die christlichen Völker, auf die sie stießen. Doch war es weniger das Volk selbst, dass beim Missionieren wichtig war. Wer missionieren will, muss das Volk nicht unbedingt auf seiner Seite haben. Volk ist unwichtig. Volk hat keine Macht. Nein, wer missionieren will, sollte sich nicht an das
Volk wenden, sondern an die Herrschenden. Jesus Christus ist ein schönes Beispiel. Das Christentum ist nur deshalb die Religion des Abendlandes, weil irgendwann ein Kaiser es toleriert (Konstantin) hat, ein weiter es als seine Religion übernommen hatte (Chlodwig) und wiederum ein weiterer es zur Staatsreligion erklärte. Nicht viel anders war es mit dem Buddhismus. Ashoka war ein indischer Kaiser, und er hat sich für den Buddhismus stark gemacht. Erst mit ihm wurde der Buddhismus eine
Lehre, mit der sich mehr als nur eine kleine Gemeinschaft Erlauchter befaßten. Dass umgekehrt viele Religionen den Bach runtergehen, weil die Herrschenden nicht mehr an ihn glauben oder aber verschwinden, sieht man am Konfuzianismus, der im Grunde mit dem Zusammenbruch der chinesischen Han-Dynastie abkackte. Schon bildeten sich drei Fraktionen: Konfuzianisten, Buddhisten und Taoisten. Die buddhistischen Machthaber gewannen, und schon war China buddhistisch. Die Japaner guckten sich früher ohnehin exakt alles ab, was die Chinesen taten, und so wurden sie im siebten Jahrhundert buddhistisch, weil ihre Kaiserin Suiko und ihr Neffe Kronprinz Shotoku buddhistisch wurden. Lang Darma, Herrscher des Tibet, konnte mit dem Buddhismus nichts anfangen, und zack! verschwand die Religion zum größten Teil aus Tibet. Ganz extrem ist es, wenn sich Herrscher einfach absichtlich von einer Religion abspalten. Die Gründung der anglikanischen Kirche zum Beispiel war nichts anderes als ein heiratspolitischer Schachzug, und so manch andere Religion hat ihre Größe und Verbreitung gewonnenen weltlichen Schlachten, politischen Schachzügen und herrschaftlichen Erbfolgestreitigkeiten zu verdanken.
Was den Islam angeht, so ist es rein theoretisch sogar so, dass man sich gar nicht zum Islam bekehren lassen KANN. Der Islam besagt nämlich, dass jeder Mensch als Muslim geboren sei und erst durch eine falsche elterliche Entscheidung zum Nichtmuslim werde. Dementsprechend gibt es keine Bekehrung zum Islam, sondern lediglich einen Wiedereintritt, selbst für Leute, die nach eigener Auffassung nie Muslime waren. Nicht zuletzt daher gibt es im Islam auch keine Taufe. Selbst die spaßige Beschneidung ist nur “deklaratorisch”. Übrigens: Entscheidet sich ein Muslim, aus dem Islam auszuscheiden, so ergeht es ihm wie in der ersten Reihe beim ACDC-Konzert: Austreten ist nicht. Ein Muslim bleibt immer ein Muslim, da kann er sich drehen und wenden, wie er will. Der Verstoß gegen die erste Säule des Islam, also die Anerkennung Allahs als einzigem Gott, wird übrigens Beigesellung genannt und sollte nur von Leuten betrieben werden, die ihres Lebens müde sind oder ein sehr, sehr schnelles Pferd besitzen.
Nun hat der Anonyme Christ bereits den Begriff der Säulen des Islam benutzt, welche es nun zu erläutern gilt. Muslimen kennen keine Gebote in dem Sinne wie die Christen, sondern so genannte Säulen. Die fünf Säulen des Islam sind die Einzigkeit und Allmacht Allahs und die Prophetenschaft Mohammeds, das Gebet, das Fasten, die Pilgerfahrt und die Armensteuer, eine Art Sozialversicherung. Cool, wird jetzt der typische lustbeschnittene Christ sagen, von Ehescheidung steht da nix, ich werde Muslim, dann kann ich vier Frauen haben und dennoch ehebrechen, bis nicht nur meine Augen rotgerändert sind! Aber Pustekuchen, mit dem Ehebrechen ist der Islam etwa ebenso knauserig wie das Christentum. Doch erklärungsbedürftig dürfte insbesondere die Armensteuer sein. Es ist die Weisung, den Armen und Bedürftigen zu geben, was sie brauchen. Diese Säule wird von Muslimen in der Regel recht ernst genommen, während Armut in der westlichen Welt eher als Makel gilt, was arme Menschen an den Rand der Gesellschaft drängt. Im Gefolge dieser Säule des Islam gibt es noch ein paar weitere Verhaltensregeln. Mohammed nämlich führte angeblich ein sehr bescheidenes Leben, nie sah jemand ihn von goldenem Geschirr trinken oder essen. Er selbst meint dazu: “Esst, trinkt, kleidet euch, gebt Almosen, aber tut es ohne Übertreibung und Hochmut!” Der Koran geht mit verschwenderischen Leuten ähnlich rigoros zu Gericht wie die Bibel auch. Nur Frauen dürfen Schmuck aus Gold tragen und tun dies auch sehr gern. Klar, bei den Inflationsquoten einiger islamischer Länder ist Schmuck eine interessante Kapitalanlage. Doch insgesamt mag es der Islam nicht, wenn jemand seinen Reichtum zur Schau trägt. Wer im Diesseits Seide trägt, wird im Jenseits keine Seide tragen und umgekehrt. Insofern äußert sich der Islam recht klar. Frauen dürfen Seide tragen, also behängt man halt seine Frauen mit Seide und läuft selbst in Polyester rum.
Übrigens gibt es ähnliche Forderungen nach irdischer Armut ja auch bei den Christen. Nun könnten gewitztere Leser dieser Website hingehen und argumentieren, dass die überreich geschmückten Kirchen ja wohl kaum Armut repräsentieren und deshalb die Kirche sich selbst widerspricht. Doch Irrtum: Die spanischen Eroberer der Neuen Welt waren nicht nur aus Eigennutz, sondern wirklich der Überzeugung, dass Gold nur dann kein Teufelswerk ist, wenn es Schmuck ist. Gebrauchsgegenstände aus Gold jedoch waren ganz klar Satanswerk, weil es dekadent und unbescheiden war, also nicht gottgefällig. Die spanischen Eroberer verstanden die Selbstverständlichkeit nicht, mit der die Eingeborenen im neu eroberten Südamerika mit dem kostbaren Metall umgingen, doch war für jene wiederum das Metall keine Seltenheit, sondern eben ein ganz normaler, recht häufig vorkommender Rohstoff. Die Spanier schmolzen das Teufelswerk jedenfalls ein und verschifften es nach Spanien. Dort erst trugen sie dann das Gold in Form von Schmuck zur Schau und demonstrierten der Menschheit eindrucksvoll, wie wahre Dekadenz aussah. Sprich: Für einen Christen ist Gold als Schmuck ok, aber als Material für Gebrauchsgegenstände Teufelswerk. Das ist ein bisschen komisch, ist aber so.
Kommen wir einmal zu einem weiteren Verbot oder Gebot, an welches sich Muslimen zu halten haben. Muslime dürfen sich nämlich nicht portraitieren lassen. Bilder von beseelten Wesen dürfen im Islam nicht gemalt werden, stattdessen wandte man sich der Landschaftsmalerei zu, vor allem aber einer anderen Ausdrucksform der Kunst, die im Islam zu bewundernswerter Pracht erblühte, nämlich der Kaligraphie. Der einzige Nachteil der Nicht-Portraitiererei: Authentische Bilder über das Leben im Islam, von islamischer Hand gezeichnet, gibt es nicht. Schade fast.
Wo wir nun schon viele Verbote verschiedener
Religionen angesprochen haben, bleibt natürlich die Sache mit dem Schweinefleisch nicht aus. Schweinefleisch ist dem Juden und dem Muslim ja verboten. Doch nicht, weil es unrein und unhygienisch ist, sondern eigentlich und ursprünglich aus anderen Gründen. Realistische Gründe gibt es zwei. Tatsache ist erstens, dass Schweine im Wald am glücklichsten sind, denn dort gibt es Eicheln und anderes Zeugs. Mit der wachsenden Bevölkerung aber schrumpfte der Wald, und immer mehr wurde das Schwein zum Nahrungskonkurrenten für die damalige Bevölkerung. Daher verbot man das Ganze konsequenterweise und verbannte das Schwein vom Speiseplan. Unter diesem Licht betrachtet erscheint die berühmte apokryphe Szene aus dem 4. Makkabäerbuch, in dem eine alte Frau und ihre sieben Söhne sich zu Tode foltern lassen, nur, um kein Schweinefleisch essen zu müssen, in einem irgendwie dümmlichen Licht. Eine parallele Entwicklung wie mit dem Schwein im nahen Osten fand übrigens in Indien mit der heiligen Kuh statt, dort sind nämlich nicht zu wenige Wälder, sondern zu wenig Ackerfläche für Getreide, was dazu führt, dass Kühe, die ja bekanntlich Gras brauchen, Konkurrenten für die Menschen dort wären. Zweitens: Es gibt da so garstige kleine Würmer, “Strichniden” genannt. Die legen ihre Eier in Schweine und verbreiten sich dann auf den Menschen, denn die Eier vertragen ordentlich Hitze. Übermäßiger Befall ist unangenehm. Die Tierchen leben von Muskelfleisch, und übermäßige Schlankheit gehört nicht zum muslimischen Schönheitsideal. So verbot man Schweinefleisch, ein Grund also, der dem Ausdruck unreinen Fleisches sogar recht nahe kommt. Europa hätte da übrigens gerne nachgezogen, war aber eine zu starke abhängig vom Schwein, daher hat man lieber weiter verseuchtes Fleisch gefuttert. Nun ja, heute hat kein Schwein mehr Würmchen (jedenfalls wenn’s in den
Handel kommt), und eigentlich könnten auch
Juden und Muslimen wieder unbekümmert McRib futtern. Dürfen Sie in Notsituationen übrigens auch. In dieser Sache gibt sich der Koran nämlich in Sure 2, Vers 174 recht freizügig und meint, dass es sehr wohl erlaubt ist, unreines Zeug zu essen oder zu trinken, wenn man sich in einer Notsituation befindet. Natürlich ist man dann selbst bis zur Durchführung von bestimmten Reinigungsritualen unrein. Übrigens würde ein Muslim in der Regel selbst dann kein Schweinefleisch essen, wenn er es plötzlich dürfte, weil er sich meist davor ekelt, eben so, wie sich ein Christ davor ekeln würde, z.B. Katzenfleisch zu essen. Ist halt eine Sache der Kultur. In welcher Notfallsituation man allerdings als Muslim ATrunkenbold.gif” align=”right” border=”0″>lkohol zu sich nehmen darf, vermag sich der Anonyme Christ nicht ganz auszumalen. Vielleicht, um eine Vereinssitzung des Dorfschützenvereins Waldalgesheim-Süd durchzuhalten.
Übrigens: Man möchte ja meinen, solche Verbote wie das islamische oder jüdische Schweinefleischverbot oder das hinduistische Rindfleischverbot gab es bei den Christen nicht. Doch nach päpstlichem Edikt durch Gregor II. ist es dem Christen seit 733 n. Chr. verboten,
Pferdefleisch zu essen. Ist inzwischen aber aufgehoben.
Fasten ist natürlich auch nichts anderes als das Einhalten mehrerer Verbote auf Zeit. Nämlich auf die Fastenzeit, im muslimischen Raum den Ramadan. Nun wird man als naiver Ungläubiger meinen, der Ramadan sei der Monat, an dem am wenigsten gegessen wird. Aber von wegen! Klar, tagsüber von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf man nicht Essen, nicht einmal trinken, nicht rauchen, nicht vögeln, nicht mal Spritzen setzen und - für einige ihren Glauben nicht richtig interpretierende Muslime die unerträglichste Regel und deshalb auch regelmäßig gebrochen - keine Kriege führen. Aber vor Sonnenaufgang gibt es ein üppiges Mahl, das Sahur, und nach Sonnenuntergang isst man erstens eine Dattel aus religiöser Tradition und dann, im Iftar-Abendessen, haut man dermaßen rein, dass selbst bei einem mental stabilen Sumo-Ringer schon vom Zusehen das Sushi den Rückweg antreten würde. Statistisch werden in Ägypten am Fastenmonat Ramadan ebenso viele Nahrungsmittel verbraucht wie ansonsten im ganzen Jahr zusammen! Soweit zum Thema Fastenmonat.
Kurios ist, was dem Leser dieser Website Stormeye ein Kollege aus dem Iran mal erklärt hat, nämlich, das es einen einfachen Trick gibt, das Fasten tagsüber zu umgehen. Vom Fasten ausgenommen sind nämlich Muslimen, die auf Reisen sind. Das ist man per Definition, wenn man sechs Stunden gereist ist, was aber an der Entfernung festgemacht wird, umgerechnet sechs Kilometer pro Stunde. Von zu Fuß gehen steht da aber nichts, auch, wenn es ursprünglich so gemeint war. Also fährt man beispielsweise in Teheran ganz gerne mit dem Auto in die Vororte, was locker mehr als die benötigten 36 km ausmacht, geht dort lecker frühstücken und fährt dann genüsslich zur Arbeit, wo man sich dann auch nicht mehr ans Fasten halten muss. Das abendliche Schlemmen kann dann auch noch stattfinden. Ob Allah nun da oben im Himmel sitzt und sich ärgert? Aber nein, er ist ein gütiger Gott, steht im Koran.
Übrigens ist es auch ein Irrtum, dass der Ramadan ein fester Monat ist. Er wandert sozusagen, weil das arabische Jahr keine 365 Tage hat, sondern ein Mondjahr ist. Danke an den Leser Stormeye für die Info!
In neunzig Prozent des Islam gibt es keine Priester, sondern nur Imam, also Vorbeter. Vorbeter kann im Prinzip jeder sein, es gibt keine Weihe oder irgendwelche Initiationsrituale dazu. Zwar gibt es Imame an Moscheen, doch sind diese weder Seelsorger noch geweiht oder gar erleuchtet. Wie gesagt, neunzig Prozent des Islam sieht das so, nämlich die Sunniten. Die Schiiten sind komplett anderer Meinung, messen den Imam riesige Bedeutung und noch riesigere Erleuchtung bei und akzeptieren die Imam als in religiösen
Fragen autoritäre Priester. Übrigens gibt es das Zölibat nicht im Islam, in dieser Beziehung, wie übrigens in manch anderer auch, ist der Islam dem Christentum voraus.
Wobei das Zölibat noch gar nicht so alt ist. Oder besser: Wirklich durchgesetzt hat sich das in den ersten tausend Jahren nicht. Dann unternahm Papst Gregor VII., der alte Spießer, erhebliche Anstrengungen, um das Zölibat auch wirklich durchzusetzen - mit Erfolg.
Dass das Verhältnis insbesondere Geistlicher zum Thema Sex nach dem heutigen Verständnis recht ungewöhnlich war, können die folgenden Regeln illustrieren. Definitiv war Zwang das Hauptmittel, mit dem Abstinenz erzeugt wurde. Diesem Zwang konnte sich ein Mönch nur durch die Kastration entziehen, und Mönche wie Origines (3. Jh. nach Chr,) taten genau dies, und zwar FREIWILLIG. Er war kein Einzelfall, und das, obwohl die Bibel Eunuchen als ein Gräuel vor
Gott bezeichnet. Für alle Nichtkastrierten gilt: Das Leben der mittelalterlichen Mönche muss in Beziehung auf die
Sexualität so übel gewesen sein, dass heutige Gefängnis-Chefs ein schlechtes Gewissen hätten, würden sie ihre Gefangenen solchen Bedingungen aussetzen. Man wurde im Grunde überall bewacht bzw. bewachte sich gegenseitig. Selbst das Rasieren geschah gegenseitig unter Choralgesängen und Gebeten. So mussten immer je ein jüngerer und ein alter Mönch zusammen pennen, damit sich der jüngere nicht etwa einen runterholen konnte oder damit nicht zwei jüngere Mönche zusammen zu viel, äh, Spaß hatten. Daher war auch der Schlafraum nachts mit Kerzen erhellt, und das, obwohl diese recht teuer waren. Kontrollgänge mit Weihwasserbehältern erhöhten die Asylum-Atmosphäre noch. Musste der Jüngere nachts zum Klo, so ging der Alte mit, aus demselben Grunde. Und die Kutte wurde (in den wenigen Klöstern, wo sie nachts überhaupt ausgezogen werden durfte) immer im Bett unter der Decke angezogen, bevor man aufstand. Wichtig war, dass sie zumindest soweit angezogen wurde, dass sie die Knie bedeckte. Wer von einer Reise kam - was ohnehin nur die Senioren durften, deren sexuelle Gelüste nicht mehr die Bohne wert waren -, durfte nur das Nötigste berichten, damit die Phantasie den Mönchen keinen Streich spielte. Die Gemeinschaftsräume waren immer hell erleuchtet, auch nachts. Nun stelle man sich mal vor, was passierte, wenn der Jüngere Durchfall hatte. Dann musste der Alte jedes Mal abrupt mit aus dem Bett springen, vorher jedes Mal seine Kutte unter der Decke anziehen, dann wie ein
Irrer zur Latrine sprinten und dem Jüngeren beim Scheißen zusehen; inklusive Wohlgeruch. Na dann gute Nacht.
Übrigens: Wenn ein katholischer Priester einer Nonne die letzte Ölung verpassen sollte, so musste die sterbende Dame dabei hinter einem Vorhang sein. Äh. Ehrlich, stimmt wirklich…
Angesichts solcher Verklemmtheit sollte man nun davon ausgehen, dass insbesondere hohe kirchliche Würdenträger Vorbilder der Abstinenz und Askese waren. Doch Abstinenz ist relativ. Und vor allem relativ öde. Das wussten auch die Mönche und Nonnen, dementsprechend vermehrten sie sich sozusagen durch Teilung der Zellen. Ein Mönch aus dem Kloster Kiernberg hatte 14 Kinder, und dass er keine Ausnahme war, beweist eine Zählung in österreichischen Klöstern 1563 n. Chr.. Die 387 Mönche hatten 237 Konkubinen und 49 Ehefrauen, und die 86 Nonnen hatten 50 selbst geborene Kinder, kein Wunder, gingen doch die Nonnen von Birkenfels im 16. Jahrhundert regelmäßig zum Zechen und Tanzen in die Kneipen, bekleidet mit grellbuntem Zeug und Edelsteinen. Auch des Lesens und Schreibens war die niedere Geistlichkeit irgendwann nicht mehr mächtig, doch rechnen konnten sie, immerhin mussten sie wissen, wie hoch ihr so genannter Hurenzins war, den sie für ihre ganzen sexuellen Verfehlungen zu entrichten hatten. Es sollen sich gar Hurenhäuser über die zunehmende Konkurrenz der Klöster beschwert haben (Klingt in den Ohren des Anonymen Christen eher unglaubwürdig, aber wer weiß?). Man muss allerdings zur Entschuldigung der Geistlichen sagen, dass kaum einer damals freiwillig ins Kloster ging, man wurde halt hineingesteckt, weil man auf diese Weise nichts erbte und der Familienbesitz unter einem Hut (nämlich dem des älteren Bruders) blieb. Noch schlimmer: Wurde ein Kloster aufgelöst oder verließ man einen Stift (ein Stift ist eine Art Laienkloster), so wussten viele Nonnen nicht, sich zu ernähren und landeten schnurstracks, so wie in Nürnberg 1526 n. Chr., im Bordell.
Doch so r
ichtig dicke trieb es die hohe Geistlichkeit: Papst Leo VII. starb an einem Herzinfarkt, während er eine besonders gläubige Dame, äh, beackerte. Papst Johannes VII. starb nicht beim Geschlechtsverkehr, sondern danach, weil der Ehemann, der ihn in flagranti mit seiner Frau ertappte, ihn erschlug. Nur sechs Jahre später ereilte Papst Johannes VIII. ein verblüffend ähnliches Schicksal. Auch Papst Sixtus I. brauchte einen guten Anwalt, damit klar wurde, dass er eine gewisse Nonne nicht vergewaltigt hatte bzw. es zumindest keine Augenzeugen gab. Papst Damaskus I. war absolut vorbildlich abstinent in Bezug auf Frauen, hatte aber unzählige Jungs als Liebhaber. Der Atheist (!) Papst Johannes XII. war bisexuell und belästigte Pilgerinnen, wurde übrigens wie einige seiner Vorgänger ja auch schon von einem wütenden Ehemann erschlagen, allerdings bereits nach seiner Exkommunikation. Exakt der gleiche
Tod traf übrigens seinen Sohn und Nachfolger Johannes XIII.. Papst Sergius III. mochte minderjährige Mädchen weit über seine Interessen als Sakramentsspender hinaus, und Johannes XXI. wurde gar für den Antichristen gehalten. Papst Benedikt IX. war ein berüchtigter Mörder, dessen zügellose Ausschweifungen es fast zu einer Erlösung machten, als er seinen Papsttitel mal eben an seinen Patenonkel Gregor VI. verkaufte, um seine Cousine zu heiraten. Ein sittenstrengerer Papst war Gregor VII., der immerhin versuchte, dem Brauch Einhalt zu gebieten, nach der sich Priester eine Mätresse hielten oder heirateten. Die Strenge des Papstes ging sogar soweit, dass er sich gern auspeitschen ließ und auch gerne zusah, wie andere ausgepeitscht wurden. Entschieden lockerer: Papst Urban II., der die Mätressen gegen eine Steuer zuließ, die die Priester ihm entrichteten. Papst Innozenz VIII. hieß der Ehrliche, denn er stand zu seinen unehelichen Kindern. Ebenfalls nicht gerade monogam war Papst Anaclectus, der sich eine Dauernutte im Haus hielt, seine eigene Schwester vögelte und auch andere Verwandte belästigte. Der nächste Atheist im Reigen ist Papst Bonifazius VII., später angeklagt wegen Häresie, Vergewaltigung, Sodomie und Fleischgenuss während der Fastenzeit. Zügellos war auch Papst Klemens VI., doch rechtfertigte er sich mit fingierten ärztlichen Attesten, die bestätigten, dass er aus medizinischen Gründen oft mit Huren schlafen müsse. Papst Johannes XXIII. wurde irgendwann wegen Mord, Piraterie, Vergewaltigung, Sodomie und Inzest angeklagt. Der Klage wurde stattgegeben, weitere Klagen wurden fallengelassen, weil sie für die Öffentlichkeit zu unerträglich seien. Papst Pius II. schrieb erotische Literatur und hatte ein gutes Dutzend unehelicher Gören, doppelt so viel wie Papst Sixtus IV. Bischof Heinrich von Basel hatte zwanzig Kids, kein Vergleich zu Bischof Heinrich von Lüttich, der mehr als dreimal so viele zeugte und nach seiner Amtsenthebung seinen Nachfolger vorzeitig mit Harfe und Heiligenschein ausstattete und Richtung Himmel schickte. Vier seiner vielen Kinder erkannte auch der syphiliskranke Papst Alexander VI. an, der an Gift starb, das er eigentlich wie so vielen davor einem Kardinal verabreichen wollte. Papst Julius II. ergänzt die Reihe pädophiler Schwuler, Papst Leo X. , wie dieser an Syphilis erkrankt, ebenso, was eine der vielen Tatsachen war, die Luther zu seinen 95 Thesen veranlassten. Der Dritte im Reigen knabenliebender Homos war Julius III., der sogar seinen eigenen Sohn ins Bett zerrte. Der größte Zuhälter der Welt war Papst Paul III., seines Zeichens Mörder seiner Mutter und seiner Nichte und Stecher seiner eigenen Tochter. Etwa 45.000
Huren zahlten ihm über Mittelsmänner eine Abgabe. Aber ansonsten muss man sagen, dass hohe kirchliche Würdenträger immer vorbildlich und abstinent waren.
Einzig die Sache mit der angeblichen Päpstin Johanna VIII. ist eine Geschichte, für es keine echten und verlässlichen Quellen gibt. Darum sollten wir ein für alle Mal klarstellen: Papst Johannes VIII. war männlich, und im Übrigen nicht einmal besonders beliebt. Er wurde immerhin mit dem Hammer erschlagen, nachdem das Gift nicht wirkte.
Mit diesen unschönen Enthüllungen beendet der Anonyme Christ seine Ausführungen zu den frommen Menschen, ihren Prinzipien und ihren Verfehlungen. Weiteres über diese Themen zieht sich durch die gesamte Website, insbesondere durch die ereignisgeschichtlichen Teile, daher ist der Leser gerne eingeladen, dort ein bisschen zu schmökern.
- Vom Spione und dem Meuchler Dieses Kapitel ist recht klein, aber fein, wenn auch nicht unbedingt pädagogisch pferdvoll.
- Von Ritualen und Artefakten In diesem ziemlich heiligen Kapitel behandelt der Anonyme Christ Rituale verschiedener Religionen und Artefakte im Sinne magischer Gegenstände großer Bedeutung.
- Von den Göttern (und dem Christengott) Es gibt unglaublich viele Irrtümer über Religionen, aber auch unglaublich viele Kuriositäten, die Religionen entspringen.

