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Irrtum#468: Tödliches Gift in der Nahrung? Das merkt man doch an Geschmack und Färbung…

Aktualisiert am 21. Juli 2008 von Ali

Ein klares Jein. Gerade orientalische Gourmets würzten ihre Speisen derart scharf, dass jede Zunge des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich augenblicklich schlaff herunterhängen würde, wenn sie von dem Zeug kosten müsste. Auch in Europa war scharfes Würzen lange in Mode, das galt auch für Gebäck. Es war also kein Problem, dort ein Gift zu verstecken, und etwaige Verfärbungen waren nichts besonderes, weil sich die Köche des Hoch- und Spätmittelalters ohnehin nach Kräften bemühten, das Auge des Adels durch möglichst bunte Mahlzeiten zu erfreuen. Mit Färbemitteln erreichte man fast jede Farbe, und etwas Gift darin war sicherlich schwer zu bemerken. Daher stellte man nicht selten Vorkoster an, die ein paar Stunden vor dem Herrn das Essen probierten und danach entweder Beschwerden hatten oder halt nicht. Sehr beliebt war deshalb auch der Mord auf Raten, also zum Beispiel das stetige Impfen der Früchte im Garten des Gegners mit Zyankali oder Arsen (Augustus) oder das Vergiften von Gegenständen des täglichen Lebens wie Kerzen, Bettwäsche, Kleidung, Wandbehängen oder Fackeln (Papst Clemens VII.). Die unerklärliche Schwäche und Krankheit des Opfers schien dann oft wie ein tragisches Schicksal, doch bis man herausgefunden hatte, was los war, sah der Kranke oft bereits aus wie Ötzi aus dem Eis. ——————–
Kommentar von Heretic38: Der gute Meuchler studiert nur Chemie, denn da kann man allerlei wirklich gemeine Gifte bekommen. Organische Chemie, Grundpraktikum: da hantiert man mit allem, was umbringt. Wenn einem Versuchsskript eine ganze Warnseite beiliegt, die beginnt mit “Es ist wichtig, daß Sie diesen Versuch konzentriert und ohne Angst durchführen …” sollte man sich wundern… Der Kluge Meuchler greift übrigens nur dann zu Gift, wenn sein Opfer nicht bedeutend ist, und schon gar nicht zu Cyanid, das nicht umsonst Blausäure heißt! Der gute Meuchler erstickt, erdrosselt, bricht das Genick, oder ersticht und behauptet, es war ein Blutsturz. Denn in der Charité in Berlin und in vielen Krankenhäusern auch in der Nähe des Meuchlers ist ein kleines Gerät, das WIRKLICH jedes bekannte Gift entdeckt, und dann sollte der Meuchler besser über alle Berge sein und keine Haare hinterlassen haben! Tja, Verbrechen sind eben auch nicht mehr das was sie mal waren. Der publicitybewußte Meuchler benutzt übrigens die Boeing 777… Antwort des Anonymen Christen: 747. Allerdings nennt man solche Leute dann Terrorist, den Meuchler versuchen sich eher im heimlichen Töten. Wie auch immer, Verbrechen ist beides. Inzwischen ist ein Giftmord in der Tat eine schwierige Sache. Die Kunst ist es, den Arzt bzw. die Polizei glauben zu machen, daß es sich um einen natürlichen Tod handelte. Kreuzt ein Arzt auf dem Totenschein “nicht natürlicher Tod” an, und sei es nur aufgrund eines Verdachts, hat man als Giftmörder im Grunde oft schon verloren, denn wer eine präzise Todesursache sucht, findet sie heutzutage genau - und meistens auch den Bösewicht. Im Mittelalter und Altertum war das Leben des Meuchlers noch leichter.

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