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Vom Spätmittelalter und der Städtezeit 1350 bis 1492 n.Chr.

Aktualisiert am 24. Juli 2008 von Ali

Das Spätmittelalter beginnt nach der Systematik des Anonymen Christen Mitte des 14. Jahrhunderts n. Chr., womit der Anonyme Christ in der Vielfalt der Definitionen einen eher späten Zeitpunkt gewählt hat. Eine Begründung ist, dass die große Pest-Epidemie 1348-1352 n. Chr. die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Angelegenheiten europaweit komplett umkrempelte, also hier ein grober Einschnitt ist. Ist aber Geschmackssache, wie gesagt. Das Spätmittelalter ist jenes Zeitalter, in dem die Ritter an Bedeutung stark verloren und die freien Städte mit ihrem Zunftwesen und so weiter erstarkten. Bei der Definition des Endes des Spätmittelalters und damit des Mittelalters überhaupt hält sich der Anonyme Christ an eine gängigere Variante, nämlich die Wiederentdeckung der neuen Welt durch Kolumbus und der Reconquista, also der Wiedereroberung Europas aus den Händen des Islam.
Beginnen wir diesmal im Norden Europas. 1340 n. Chr. tat sich nämlich wieder so richtig was im Norden, als Waldemar IV. für die Dänen einige Landstriche zurückeroberte, die diesen irgendwann mal entfallen waren. Außerdem verkaufte er dem Deutschen Orden Estland. Vor allem aber machte ihm die Hanse, eine Vereinigung von fernhandelnden Städten, große Sorgen, weil sie den Handel an sich riss und Waldi selbst keine Chance ließ, ordentliche Preise zu verhandeln. Er überfiel daher Wisby, einen der absolut wichtigsten Handelsstützpunkte der Hanse, und führte ab 1361 n. Chr. gegen die Hanse Krieg, allerdings ohne große Erfolge. Nachdem dann ab 1376 n. Chr. Olaf I. regiert hatte, aber früh gestorben war, setzte sich 1387 n. Chr. dessen Mutter Margarete I. gegen Albrecht von Mecklenburg durch und regierte bis 1412 n. Chr. In ihre Zeit fiel 1397 n. Chr. ein Vertrag, welcher alle drei großen skandinavischen Länder auf ewig vereinte und wie alle ewigen Verträge nicht so lange Bestand hatte, wie die Bezeichnung vermuten ließ. Nun ja, zunächst war man sich ja noch einig, dass man gegen Holstein kämpfen wollte, dass man die Hanse aus der Ostsee verdrängen wollte und dass man 1412 n. Chr. Erich den Pommern und 1439 n. Chr. Christoph III. zum König wählte. Aber schon drei Jahre später ging die Einigkeit gänzlich zu Ende, was aber verständlich war, immerhin war Christoph III. nur ein Bayer. Nach Christoph III. kam 1448 n. Chr. logischerweise Christoph I.. Äh. Wahrscheinlich war diese vordergründige Unlogik der Zahlen nicht der einzige Grund, warum die Schweden zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Vertrag auszuscheren versuchten und Karl Knutsson wählten, der allerdings erst mal flüchten musste und erst 1464 n. Chr. das Zepter übernehmen konnte, nur in Schweden, versteht sich. Tja, und schon war der ewige Vertrag am Ende.
Wir verschieben unseren Focus etwas weiter südöstlich, zu den Polen. Schwach war es, dieses Polen, denn man hatte es bis 1320 n. Chr. irgendwie nicht geschafft, die ganzen kleinen Fürstentümer dauerhaft zu einigen. Dass die Mongolen da leichtes Spiel gehabt hatten, dürfte klar sein. Aber da sie von selbst gegangen waren, war das Chaos auch nicht viel größer geworden, als es schon vorher gewesen war. Nun ja, 1370 n. Chr. kamen dann die Ungarn und stellten den König. Dieser verheiratete seine Tochter mit dem litauischen Herrscherhaus, einem weiteren unabhängigen Fürstentum, und vereinte so diese beiden Länder. Nun waren sie stark genug, den Deutschen Orden, der einerseits für den Schutz der deutschen Ostgrenzen, andererseits für Missionierung verantwortlich war, anzugreifen. Zweimal machten sie das, und zweimal erfolgreich, nämlich 1410 und 1441 n. Chr.. Sie gewannen dabei Samogitien, Westpreußen, das Emsland, Danzig und Marienburg. Ebenso wie anfangs Polen pflegte auch Böhmen im Gegensatz zum Rest der Slawen einen regen Kontakt zum römischen Reich deutscher Nation, und zwar im Gegensatz zu Polen ohne Unterbrechung. Jedenfalls stärkte man durch Pflege der Kontakte zur Kirche und zum deutschen Reich die Stellung Böhmens in Europa, blieb aber bis auf hier und da mal eine kleine Eroberung eher friedlich. Das ging soweit, dass Ottokar II. sogar als Kandidat für die Kaiserkrone galt. Doch nicht die Prjemysliden, Ottokars Königsfamilie, sondern die Habsburger gewannen damals die Königswahl, womit die Habsburger und eben nicht die Prjemysliden das Sagen über Böhmen bekamen. Besonders schlimm war das aber nicht, denn spätestens die Herrschaft Karl IV., nach dem heute in Prag so ziemlich jede Straßenecke benannt ist, brachte ein goldenes Zeitalter. 1333 bis 1378 n. Chr. hatte er das Sagen und erwarb die Mark Brandenburg, vor allem aber führte er Böhmen zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte und schaffte Frieden mit den Polen. Nach seinem Tode kam es immer wieder zu Streitereien, und schließlich begann der Uni-Professor Jan Hus einen Aufstand, bzw. eher seine Studenten. Nun war das aber kein gewöhnlicher Aufstand, denn selbst, als man den Professor 1415 n. Chr. verbrannte, ritten Horden von Studenten, inzwischen aber auch anderen Leuten, durch das Land und lebten nach eigenen Gesetzen. Diese so genannten Hussiten waren bis 1436 n. Chr. ein echtes Problem in Böhmen. Nichtsdestotrotz regierten die Habsburger weiter, nicht mehr ganz so toll wie unter Karl IV. allerdings.
Weiter Richtung Nordosten treffen wir die Russen in ebenso schlechtem Zustand wie anfangs Polen an, doch dieser Zustand sollte sich ändern. Ivan der Geldsack war ein skrupelloses Schwein, welches aber, legitimiert von den herrschenden Mongolen, 1325 n. Chr. ein Großfürstentum gründete, und zwar das Moskauer. Systematisch begannen dann er und seine Nachfolger mit einem Projekt, dass sie sehr treffend die Sammlung russischer Erde nannten. Sie expandierten. 1380 n. Chr. war diese Phase noch lange nicht zu Ende, aber man haute den Mongolen derart auf die Mütze, dass ihre Oberherrschaft lediglich noch der von Himbeersauce über einen Vanillepudding glich. Die Zaren, so nannte man die russischen Könige, brachten dann ein besonders berühmtes Exemplar hervor, nämlich Ivan den Großen. Dieser baute vor allem innenpolitisch vieles um, während er 1462 bis 1505 n. Chr. herrschte, und sagte den Tartaren und Mongolen irgendwann, dass sie sich aus russischen Angelegenheiten heraus zu halten hatten. Spätestens dann war ganz Russland in der Hand seiner Familie, der Familie der Ruriks.
Weiter östlich hatte auch in Japan wieder ein Machtwechsel stattgefunden, nämlich 1336 n. Chr.. Unter den neuen Leuten, den Aschikaga, verfiel die zentrale Macht allerdings immer mehr. 1498 kamen dann die ersten Europäer auf dem Seeweg nach Indien (Vasco das Lama, äh, sorry, da Gama). Und alles wurde anders, aber dazu steht in den nächsten Kapiteln mehr.
Gehen wir wieder in Richtung Südwesten. Die mongolische Yüan-Dynastie in China dauerte bis 1368 n. Chr., dann wurden die Mongolen irgendwann schwächer und die Ming-Dynastie, bei denen bis heute jeder nur an irgendwelche Vasen denkt, kam an die Macht. Unter den Ming wurden die Mongolen dann auch irgendwann vertrieben und die chinesische Mauer wurde fertig gestellt. China blühte in neuer Pracht auf. Doch die Mongolen waren noch lange nicht am Ende. Timur, ein Nachfolger Dschingis Khans, konnte sogar über das schwache türkisch-indische Reich 1399 n. Chr. einen eigenen Statthalter einsetzen, welches wiederum 1414 n. Chr. als Reich von Dehli eigenständig wurde. Das klappte aber nur gute 100 Jahre lang, dann nämlich kam wieder ein Mongole, nämlich Babur, ein sesshaftes und somit ganz anders als die ursprünglichen Mongolen orientiertes Exemplar.
Bis 1362 n. Chr. eroberten die Osmanen die komplette Balkanhalbinsel, das Tor nach Europa also, und kurz darauf machte man sich sogar die Bulgaren untertan. Gerade wollte man nun auch den Griechen den Garaus machen, als die Mongolen kamen. 1402 n. Chr. war das, kein gutes Jahr. Doch der Mongolenspuk endete aber bekanntlich so schnell, wie er gekommen war, und 1413 n. Chr. konnte Mohammed I. das Reich bereits wiederherstellen. 1453 n. Chr. machte man dann endlich mit Byzanz reinen Tisch und eroberte Konstantinopel. Selbst Serbien, Bosnien und Albanien wurden Provinzen. Und das war erst der Anfang.
Weiter geht’s Richtung Westen. Anno 1308 n. Chr. kam die Familie der Anjou, also die Engländer, in Ungarn an die Krone. Hier sei vor allem Ludwig der Große genannt, der durch Rumheiraterei dann auch noch 1342 n. Chr. die Polen unter seine Knute bekam. Seit jener Zeit hatten die Ungarn zudem noch Probleme mit den eindringenden Türken, und man schaffte es gerade noch rechtzeitig vor dem Ende des Mittelalters, die Eindringlinge hinaus zu schmeißen. Und die Bulgaren? Nun, diese hatten ja dieses Mongolenproblem gehabt und waren recht schwach geworden, was die Serben dazu veranlasste, sie 1330 n. Chr. zu befrieden. Das ist nix Versautes; sondern schlicht ein freundlicheres Wort für Erobern. Aber 1371 n. Chr. war plötzlich alles vorbei, denn nach dem Tod des Serbenkönigs Urosch IV. zerfiel das Reich in viele Kleinfürstentümer, die natürlich einzeln gegen die Türken keine Chance hatten. Das galt natürlich auch für das ehemalige Bulgarien.
Nun hatte der Anonyme Christ schon erwähnt, dass ja das Haus der Anjou in Ungarn drinsaß, welches ja auch in England saß, obwohl es ursprünglich französisch war. Der letzte Anjou auf dem englischen Thron kam dann 1377 n. Chr. in Gestalt von Richard II.. Er muss ein ziemlicher Despot gewesen sein, was viele Aufstände brachte. 1399 n. Chr. hatte das Volk genug. Man warf Richard II. in den Tower und übergab einer Nebenlinie der Anjous, den Lancasters, das Zepter. Heinrich IV. war der erste Vertreter des Hauses. Neben der Plackerei im Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich, der zu der Zeit etwa zur Hälfte vorbei war, was man freilich nicht wusste, hatte Heinrich Probleme mit aufständischen Walisern, die er aber beseitigte (die Waliser ebenso wie die Probleme). Heinrich V., sein Sohn, war ein kluger Junge, immerhin machte er die Franzosen soweit platt, dass diese ihn 1416 n. Chr. als König von Frankreich anerkennen mussten. Das Problem war allerdings, dass er mit 35 Jahren starb und sein Sohn, Heinrich VI., im Alter von einem Jahr noch nicht ganz reif für die Regierungsgeschäfte war. Wie auch immer, seine Vertreter machten ihre Sache nicht schlecht, dennoch verlor man gegen Ende des Hundertjährigen Krieges viel von dem vorher eroberten Land. Als dann 1453 n. Chr. der Krieg vorbei war, hatte man kaum etwas gewonnen, denn selbst die französische Krone nutzte nur etwas, wenn es auch jemanden gab, der auf die Krone hörte. Englandintern folgte dann noch 1455 bis 1485 n.Chr. ein Krieg der Familie Lancaster gegen die Familie York. Da beide eine Rose im Wappen trugen, nannte man diesen Krieg folglich Rosenkrieg. Das Haus York aber siegte, und so regierte auch dieses England für wenige Jahre, wobei es übrigens ebenfalls eine Nebenlinie des Hauses Anjou-Platagenets war. Doch interne Streitigkeiten in diesem Haus, die mit äußerster Brutalität ausgefochten wurden, schwächten es sehr, so dass 1485 n. Chr. der letzte Verbliebene des Hauses Lancaster, Heinrich Tudor, den letzten Verbliebenen des Hauses York, Richard III., schlagen konnte und sich noch auf dem Schlachtfeld zum König krönen ließ. Damit war die Herrschaft der Tudors, also der Nachfahren der Lancasters, errichtet.

Sehen wir uns diese ganze Phase noch einmal in der Zeitlupe an, aber diesmal aus der Sicht der Franzosen: Nach Philipp III. kam ein wichtiger Mann auf den französischen Thron. Es war dessen Enkel Phillipp der Schöne, herrschend von 1285 bis 1314 n. Chr., verheiratet mit Johanna der Wahnsinnigen und ein König, unter dem der Absolutismus aufkam, der noch heute von minderbemittelten Vorarbeitern mit der einfachen Regel „Ich Chef, du nix.“ treffend beschrieben wird. Der König war alles, sein Wort galt alles, und sein Popo war der Meistreingekrochene von ganz Frankreich. Doch war Phillip auch ein völlig skrupelloser Politiker. Er ernannte Legaten, also Juristen, die nichts anderes zu tun hatten, als in den Archiven in alten Verträgen Begründungen zu suchen, die Philipps Kriegszüge rechtfertigten, womit er langsam, aber stetig Frankreichs Grenzen nach außen hin justierte. Natürlich führte Philipp auch traditionsgemäß Krieg gegen England, welches Flandern unter seine Knute gebracht hatte. Er schaffte es aber nicht, Flandern zurückzuerobern. Das war deshalb so schlimm, weil die Engländer dadurch einen Landungsplatz am Festland erhielten, was ihnen große Vorteile brachte. Philipp geriet während des Krieges in Geldnot, woraufhin seine Legaten eine Begründung finden mussten, wie er an den Schatz der Templer, eines Kreuzfahrerordens, der enorme Summen angesammelt hatte, kommen konnte. Gesagt, getan, die Templer wurden als Ketzer angeklagt und in einer Nacht- und Nebelaktion 1307 n. Chr. alle eingekerkert. Natürlich wurde auch jüdisches Vermögen konfisziert. Nützte aber alles nix: 1312 n. Chr. unterschrieb man einen Friedensvertrag mit England. Beide Gegner waren völlig entkräftet.
Die Valois waren eine Nebenlinie der Kapetinger, und da Philipp der Schöne keine Kinder hinterlassen hatte, kam halt 1328 n. Chr. das Haus Valois an die Macht, wo es auch bis zum Ende des Mittelalters blieb. Damit wiederum war Edward III. von England, der nun endlich seine Chance sah, Frankreich einzunehmen, nicht einverstanden und forderte den französischen Thron für sich. Sein Gegner war Philipp VI. von Frankreich. Man führte also mal wieder Krieg, und zwar mehr als hundert Jahre lang, von 1339 bis 1453 n. Chr.. Der Hundertjährige Krieg war eine Zeit verschiedener Bündnisse der Gegner mit irgendwelchen Parteien, Ländern und Fürsten, eine Zeit des völligen Verschleißes sowohl der Soldaten als auch der Zivilbevölkerung. Vor allem aber war das eine Zeit, in der sich Frankreich nicht nach Osten hin ausdehnen konnte, was verdammt gut für die uneinigen deutschen Fürstentümerchen war, denn gegen ein starkes Frankreich hätte man dort keine Chance gehabt. Philipp des VI. Nachfolger Johann der Gute, der 1350 bis 1364 n. Chr. regierte, war zudem unfähig, er geriet vier Jahre lang in englische Gefangenschaft, und die Pest grassierte 1348 bis 1352 n. Chr. auch noch, allerdings in beiden Ländern. Einzig die Heirat seines Sohnes Philipp des Kühnen, des Herrschers von Burgund, mit der Erbtochter Flanderns war eine kluge Sache, da nun Frankreichs Burgund Flandern beherrschen sollte, den Landungsplatz der Engländer auf dem Festland also. Doch hatte sich Edward inzwischen in einem Waffenstillstandsvertrag einige Teile des Festlands gesichert; insofern war es also eigentlich zu spät für diese Hochzeit. Im Jahre 1372 n. Chr. brach Johanns Nachfolger Karl der Weise den Krieg erneut vom Zaun und schlug die englische Flotte bei La Rochelle mit kastillischer Hilfe. 1375 n. Chr. gab es einen erneuten Waffenstillstand.
Karl starb 1380 n. Chr., sein Sohn Karl VI. aber war erst zwölf Jahre alt, so übernahmen dessen Oheime die Regierungsgeschäfte, sehr zu ihrem eigenen Nutzen übrigens. Dabei gab’s auch einen immerhin 28jährigen Waffenstillstand zwischen England und Frankreich. Wichtiger aber ist, dass die Flandern den Aufstand gegen Frankreich probten, denn Frankreich hatte einige Teile Flanderns durchaus wiedererobert. Glücklicherweise fiel dabei der Graf von Flandern, und Philipp der Kühne konnte nun so richtig in Flandern herrschen. Dabei verlor sein Heimatland Burgund immer mehr an Priorität. Als Karl VI. dann so langsam in den Wahnsinn abdriftete und sein Geist ganz entspannt fernab der Welt über einen großen, ruhigen See ruderte, übernahm Philipp des Kühnen Sohn Johann ohne Furcht die Macht in Frankreich. Doch Johann fühlte sich eher als Burgunder denn als Franzose, was dazu führte, dass er den Krieg vernachlässigte und sein Heer 1415 n. Chr. vernichtend von den Engländern geschlagen wurde. Er musste Heinrich V. von England als König von Frankreich anerkennen, eine Tatsache, mit der man noch heute jeden noch so ländlichen Franzosen auf die Palme bringen kann. Burgund, inzwischen unter Johanns Sohn Philipp dem Guten, nahm sich das Geld der florierenden flämischen Weberstädte und kaufte damit ein Gebilde zusammen, das man heute Holland nennt.
Auf Karl VI. folgte Karl VII. 1422 n. Chr., aber im Grunde war der gar nicht nötig, denn eine religiös verklärte Bauerntochter schaffte es wirklich, einige Heerführer mit ihrem fanatischen Gebrabbel auf ihre Seite zu bringen. Sie zog gegen die Engländer, die sie aus Orleans vertrieb. Deshalb nannte man die junge Dame, Jean d’Arc, auch die Jungfrau von Orleans. 1430 n. Chr. geriet sie dann nach immer tollkühneren Unternehmungen in die Hände der Engländer, die sie dann vor ein geistliches Gericht stellten und verbrannten. 1920 n. Chr. wurde sie dann trotzdem heilig gesprochen, aber das nützte ihr dann ja auch nix mehr. Tja, und die Moral von der Geschichte um den hundertjährigen Krieg: Alles für die Katz, denn nachdem die Franzosen bis 1453 n. Chr. wieder recht gut gekämpft hatten, hatte England kaum einen Meter Land mehr als zuvor. Und dass die Engländer sich immer noch für die Könige von Frankreich hielten, nützte ihnen auch nix, denn Macht hatten sie dort keine, und Karl VII. regierte ganz normal Frankreich, so, als gäbe es keine herrschenden Engländer. Womit er Recht hatte.
Nun wieder zum Heiligen römischen Reich deutscher Nation. Der erste starke Staatsmann auf dem Parkett nach einigen Schwächlingen war Karl IV., so ab 1346 n. Chr.. Ein Luxemburger übrigens, wie die nächsten hundert Jahre deutscher Könige auch. 1348 bis 1352 n. Chr. stand jedoch auch er wie ein Ochse vor dem Berg, denn nun übernahm erst mal die Pest das Sagen und raffte wahrscheinlich gut ein Drittel aller Menschen in Europa dahin. Ganze Städte würden entvölkert, ganze Landstriche verwilderten. Wirtschaftlich hatte das zur Folge, dass plötzlich Arbeit sehr teuer und Land sehr billig wurde. Doch Karl IV. kam damit zurecht, außerdem brachte er einige, tja, heute würden wir sagen, EU-weite Verfassungsänderungen auf den Weg. Und er kaufte Brandenburg zurück. Und der Deutsche Orden? Tja, der schaffte es in der Tat, Litauen zu christianisieren, wurde dann aber in einer der größten Schlachten des Mittelalters, der Schlacht bei Tannenberg 1410 n. Chr., von den Polen in einem rein weltlichen Krieg so vernichtend geschlagen, dass er sich nie mehr erholte.
Das galt übrigens nicht nur für den Deutschen Orden, sondern für die Ritter insgesamt. Freie Städte kamen allmählich auf. Begonnen hatte das Ganze schon im 12. Jahrhundert, doch immer mehr Leute erkannten, dass sie die Herrschaften in den Burgen über ihren Dörfern im Grunde nicht mehr brauchten, denn sie hatten sich durch Arbeitsteilung wirtschaftlich derart emporgearbeitet, dass sie sich auch ohne den jeweils ortsansässigen Ritter (oder im Notfall gar gegen diesen) verteidigen konnten. Schade für die Ritter, verarmten sie doch immer mehr, was dann am Ende auch die Raubritter hervorbrachte.
Die Städte jedenfalls blühten wirtschaftlich auf, und Mitte des 14. Jahrhunderts zählte die Hanse, eine nord- und mitteldeutsche Vereinigung von Handelsstädten, gut 200 Städte als Mitglieder. Außerdem gab es auch in Süddeutschland weitere kleinere Städtebünde. Auch politisch und gar militärisch war die Hanse sehr aktiv, aber nur in Dingen, die auch wirtschaftlich von Bedeutung waren. Man versenkte Piratenschiffe, man bekämpfte Dänemarks Embargos, und man kämpfte sogar gegen den König, auf dass er die Städte als privilegiert ansah - erfolgreich. Jener König war zu der Zeit nicht mehr Karl IV., denn dieser war schon längst am modern. Sein Sohn Wenzel war’s. Danach kamen nach etlichen Streitigkeiten verschiedene weitere Könige, die mal gut, mal schlecht regierten, bis 1438 n. Chr. mit Albrecht II. wieder klare Blutslinie in die deutschen Kaiser kam, denn nun begann die eigentliche Zeit der Habsburger. Diese, vor allem Albrechts Nachfolger Friedrich III., hatten zunächst große Sorgen um ihre Hausmacht Österreich, denn in mehreren Schlachten mit den Schweizern (so nannten sie sich damals nur noch nicht, sondern die Eidgenossen von Uri, Schwyz, und so weiter) verloren sie viel Land. Doch auch einer ihrer Könige, Karl der Kühne von Burgund, zog gegen die Habsburger, bis er sich 1475 n. Chr. mit dem Kaiser versöhnte, als wohl beide sahen, dass sie nicht mehr weiterkämpfen sollten, weil sie genug andere Sorgen hatten. Westpreußen fiel an Polen, Schleswig-Holstein an Dänemark und so weiter. Übrigens war diese Zeit auch eine Zeit der Fehden zwischen Fürsten und Städten, aber da hielt sich der Kaiser raus, war er doch froh, dass sich Städte und Fürsten untereinander bekämpften und nicht beide zusammen ihn. Friedrich sollte übrigens der letzte deutsche Kaiser sein, aber noch lange nicht der letzte Habsburger.
Wir überqueren in Gedanken die Alpen und gehen nach Italien. Durch interessante Heiratspolitik kam dort Friedrich II. an die Macht, der ja schon im Deutschen Reich der Obermufti war, und das bis 1250 n. Chr.. Noch während dessen bilden sich ähnlich wie im Deutschen Reich die Städte heraus. Im Gegensatz zu den deutschen Städten aber waren die italienischen von Anfang an in den Händen bestimmter Familien, deren Ober-Opa der so genannte Doge war. Diese Familien eroberten mitunter durchaus auch Land. Beispiele waren die Städte Venedig (Sieger im Handelskrieg mit Genua), Mailand (die Visconti), Florenz (die Medici), Verona (die Scala) oder Genua (bevorzugter Handelspartner von Byzanz). Der Papst saß im vergleichbar kleinen Kirchenstaat mit ähnlichen Vollmachten, wurde aber zum Spielball der aufstrebenden Adeligen. Ach ja, dieser Engländer Karl von Anjou, dem nun nach dem Niedergang der Normannen Sizilien gehörte, war nicht gerade gut gelitten beim italienischen Volk, und 1282 n. Chr. verlor er alles, was nicht Festland war, an Revolutionäre aus Aragon in Nordspanien. Nach einigem hin und her waren Italien und Sizilien 1458 n. Chr. endlich wieder vereinigt.
Nur zur Klarstellung: Der Doge wird gerne als eine Art Alleinherrscher über den Handel einer Stadt dargestellt, insbesondere über Venedig. Nun, äh, sehen wir uns mal den Eid an, den der Doge, einmal gewählt, jedes Jahr von neuem den Ratsmitgliedern vorlesen musste und an den er sich zu halten hatte: „Äh… blabla… ich werde meinen eigenen Palast nicht bewohnen und dort wie sonst wo keine ausländischen Besucher empfangen. Ohne Erlaubnis des obersten Gerichtshofs werde ich Venedig nicht verlassen. An mich gerichtete Briefe werde ich keinesfalls öffnen.“ Und so weiter und so fort. Tja, hört sich nach Marionette an. War es auch, elendiger noch als heutzutage das britische Königshaus.
Weiter westlich hatte Spanien, seit langem Königreich unter den Deutschen Kaisern, noch weiterhin mit den Arabern zu tun, wehrte sich heftig und schaffte sogar 1492 n. Chr. den Abschluss der Reconquista, der Rückeroberung allen europäischen Raums von den Muslimen. Nordspanien allerdings war zu jenem Zeitpunkt noch unabhängig und hieß Aragon, hatte aber ähnlich wie der Rest Spaniens und auch das ansonsten friedliche Portugal (einzig Heinrich der Seefahrer ist erwähnenswert) das Problem, dass die Fürsten immer dreister wurden und die Königsmacht verfiel. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass Aragons Könige von 1282 bis 1458 n. Chr. Sizilien innehatten. Im Grunde war es also die iberische Halbinsel, die auf zweifache Weise das Ende des Mittelalters einläutete: Erstens durch den Abschluss der Recoquista 1492 und zweitens durch Christoph Kolumbus, der ebenfalls 1492 Amerika wiederentdeckte.
Was aber traf man an, als man nach Amerika übersetzte? Nun, im 13. Jahrhundert n. Chr. hatte eine größere Wanderung vieler Indianerstämme aus Alaska in Richtung Süden stattgefunden. Allen gemeinsam war, dass sie zur Sprachfamilie der Athapasken gehörten. Die wandernden Athapasken raubten und jagten in fremden Gebieten, und die einheimischen Stämme drängten sie daraufhin ins Gebiet der Pueblo-Indianer ins heutige Mexiko, denen sie anfangs zwar von der Gesamtentwicklung her unterlegen waren, kriegerisch aber überlegen. Die Pueblo nannten sie dann auch schlicht Feinde, übersetzt Apachen. Eine Zeitlang waren die Überfälle auf die Pueblo die einzige Nahrungsquelle für diese Apachen. Ein Stück des Weges mit den Apachen waren die Navaho gegangen, die sich in Arizona, New Mexiko, Colorado und Utah niederließen. Zuerst räuberisch von Pueblosiedlungen lebend, wurden die Navaho früh zu Ackerbauern. Weiter östlich war die große Stammesgruppe der Anasazi, die in großen Wohnsiedlungen lebten. Im 15. Jahrhundert n. Chr., noch vor den ersten Berührungen mit den Weißen, gab man diese Wohnungen auf. Man tippt allgemein auf Dürreperioden als Grund, jedenfalls zogen die Anasazi zum Rio Grande und bauten dort Bewässerungsanlagen und mehrere Stockwerke hohe neue Lehmbauten-Siedlungen. Doch auch eine andere Kultur war zu der Zeit bereits sehr hoch entwickelt, nämlich die der Creek. Bekanntlich war der Südosten Amerikas schon immer eine Wiege großer Kulturen, und so bauten die vielen kleineren Vorgängerstämme der Creek bereits imposante Tempel und Versammlungsstätten. In Mittel- und Südamerika gab es zur Zeit, als die Europäer kamen, mindestens zwei Kulturen, die sich gegen Ende des Mittelalters noch gut auf der Höhe befanden. Da waren die Azteken in Mittalamerika, die sich als Nachkommen der Tolteken verstanden. Sie hatten eine Zeitlang unter einem weiteren kleinen Volk, den Tepanec, als Söldner gedient und hatten dann selbst unter König Itzcoatl ab 1427 n. Chr. ein großes Reich aufgebaut. Tenochtitlan, die Hauptstadt der Azteken zu jener Zeit, hatte 100.000 Einwohner. Das zweite Volk war das der Inka in Südamerika. Die Inka hatten die von 1200 bis 1470 n. Chr. existierende Chimu-Kultur unterworfen und lebten im heutigen Südperu. 1438 n. Chr. kam dort Pachacutec an die Macht, 1471 n. Chr. Tupac Yupanqui. Beide bauten das Reich bis 1493 n. Chr. flächenmäßig aus. Und dann? Tja, dann kamen die Europäer und machten alles kaputt, aber das ist eine andere Geschichte, niedergeschrieben im Kapitel über die Renaissance.

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