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Vom Hochmittelalter und der Ritterszeit 800 bis 1350 n.Chr.

Aktualisiert am 29. Juli 2008 von Ali

Der Anonyme Christ rechnet zum Hochmittelalter relativ pauschal die Zeit von der Kaiserkrönung Karls des Großen 800 n. Chr. bis 1350 n. Chr., was eine sehr späte Interpretation des Endes des Hochmittelalters ist, aber sinnvoll, weil sich 1350 die Rittersleute definitiv abgenutzt hatten und die freien Städte zu großer Macht gekommen waren. Außerdem war um 1350 eine Pestwelle, die vieles in Europa komplett auf den Kopf stellte. Das Hochmittelalter ist in Europa vom Rittertum geprägt, aber zunächst schauen wir uns einmal an, was denn sonst so abging auf der Welt. Am einfachsten ist das festzustellen in Australien, denn da vegetierten immer noch die Aborigines vor sich hin, ohne Verständliches aufzuzeichnen. Aber ein anderer Teil der Welt, in dem es im Frühmittelalter nicht so sehr zu umwälzenden Ereignissen gekommen war, wurde um 800 n. Chr. wieder interessant, nämlich Amerika.

Die Maya, eine Hochkultur in Mittelamerika, opferten immer fleißig Gefangene, um ihren Boden fruchtbar zu halten, aber 800 n. Chr. stellte sich heraus, dass all die Opferei nix brachte. Der Boden gab schlichtweg nix mehr her, wahrscheinlich wegen Übererntung. Es kam zu Hungersnöten und die Kultur siechte die nächsten Jahrhunderte vor sich hin. Dann kamen auch noch die Tolteken, die 987 n. Chr. von ihrer Hauptstadt Tula aus zu den Maya vorstießen und wahrscheinlich mehrere Städte der Maya - zumindest aber das archäologisch unschätzbar wertvolle Chichen Itza - unterwarfen. 1168 n. Chr. wurde Tula aber dann zerstört und die Toltekenkultur zerstreute sich. Zwar gab es die Maya danach auch immer noch, und sie schafften es 1221 n. Chr. auch, Chichen Itza zurückzuerobern, aber die paar Maya, die die Spanier später vorfinden sollten, waren nur noch die Schatten jener einst großen Kultur.

Hüpfen wir mal weiter in westlicher Richtung nach China. China hatte ein Problem. Es hieß Mongolei und war groß, wild und schnell. In China war es inzwischen, nach der Ablösung der Tang-Dynastie 906 n. Chr. und einer Zeit wechselnder Klein-Dynastien, ab 960 n. Chr. durch die Sung-Dynastie wieder besser geworden, jedoch eher kulturell als politisch, denn die Kaiser verloren an Stärke. 1127 n. Chr. verlor man dann den Norden an die anstürmenden Reitervölker. 1215 n. Chr. war es vor allem Dschingis Khan, der berühmte Mongole, der erst mal Peking eroberte, und das war nur der Anfang. Auch die Japaner, kulturell ein Abklatsch der Chinesen und erst um die Jahrtausendwende durch die Verschmelzung von Buddhismus und Shintoismus zu einer eigenständigen Kultur geworden, hatten diese Probleme mit den Mongolen stark, doch die Mongolen konnten weitaus besser reiten als rudern und versoffen zweimal bei Großangriffen auf Japan, ohne auch nur ein einziges Sushi gesehen zu haben. Die mächtige Fujiwara-Sippe setzte in Japan um die Jahrtausendwende nach Belieben Kaiser ein und ab. 1185 n. Chr. schlug Yoshitsune Minamoto die konkurrierende Taira-Sippe dann endgültig und Japan wurde wieder ein Feudalstaat, so mit schicken Samurai und dem ganzen Kram. Die Macht hatten vor allem die Kamakuras, Minamotos Erben. Wie gesagt, mit den Mongolen prügelten sich die Japaner während dieser Zeit auch, aber in China gewannen diese endgültig die Oberhand und stellten dort fortan die Yüan-Dynastie als Fremdherrschaft.

Südlich davon, in Indien, hatte man einen türkischen Sultan eingesetzt, und auch der schlug sich dann ab 1221 n. Chr. mit den Mongolen rum. Trotzdem eroberten die Türken während dieser Zeit fast ganz Indien. Dort in Indien kämpfte nicht nur Volk gegen Volk, sondern auch Religion gegen Religion. Der noch ältere Hinduismus erstarkte ab 700 n. Chr. wieder und holte sich so manche Seele vom Buddhismus zurück. 712 n. Chr. fing dann noch eine dritte große Religion an, mitzureden, nämlich der Islam, gerade mal 100 Jahre alt zu jener Zeit. Und der machte seine Sache bei weitem nicht so friedlich wie die anderen beiden Religionen. Man kämpfte im Grunde 400 Jahre lang, so auch während der gesamten indischen Gurjara-Dynastie 740 bis 1036 n. Chr.. Man schlug in Indien die Araber zurück, und kaum hatte man das geschafft, kamen die Türken und benahmen sich keinen Deut besser als die Araber. Einige Provinzen wurden türkisch, so zwischen 1001 und 1026 n. Chr., danach irgendwann übernahmen die Afghanen unter Mohammed von Ghor die Knute über jene Provinzen. 1192 n. Chr. wurden die hinduistischen Fürsten derart gründlich geschlagen, dass sie erst mal eine Zeitlang kleine Naans backen mussten.

Zu der Zeit kam der Islam auch nach Afrika. Es gab Stämme, die sich mal prügelten und es mal sein ließen, doch nur wenige wirklich große Höhepunkte kultureller Art wie zum Beispiel Timbuktu, eine Hochkultur, die große Paläste baute und reich war bis zum Abwinken. Oder Lalibela, eine Oase des Christentums in einer muslimischen Welt von 1200 n. Chr., oder aber Alt-Zimbabwe, eine Stadt der Shona mit mächtigen Mauern, erbaut irgendwann im 13. oder 14. Jahrhundert n. Chr.. Die Könige von Shona hatten 300 Frauen, was bedeutete, dass sie jeden Werktag im Jahr mit einer Frau shoppen gehen mussten. Rund 18.000 Leute lebten in den Mauern von Alt-Zimbabwe und trieben Handel bis nach China. Weitere kleinere Stämme und Reiche gab es, doch will der Anonyme Christ diese hier nicht alle erörtern; zu wenig ist bekannt darüber.

Sehen wir uns einmal das Ursprungsland jener Muslime zur Jahrtausendwende an: 1055 n. Chr. konnte der Seldschuke Togrulbeg das zerbröselnde Reich Arabien wieder einigen. Die Seldschuken waren türkische Füsten, die von 1039 bis 1157 n. Chr. das Sagen hatten. Ihr Hobby und das Hobby ihrer Vorgänger war es, ständig Byzanz angreifen. Nachdem Byzanz wieder und wieder, teils mit letzter Kraft, die Araber abgewehrt hatte, erholte es sich stetig, und eine Reihe wirklich guter Herrscher führten Byzanz zu einer Hochblüte: Michael III. kümmerte sich sehr um die christlich-orthodoxe Missionierung der Slawen, Basileios I. führte erfolgreiche Kriege gegen die Araber, Leon IV. reformierte die Justiz und das Beamtentum, Romanos I. errang bemerkenswerte Abwehrsiege gegen die Bulgaren, die Russen und die Araber, Konstantin VII. eroberte Land im Norden, Nikephoros Phokas reformierte das Steuerwesen, Johannes Tzimiskes meuchelte seinen Vorgänger, verprügelte die Kiewer Russen und machte Bulgarien zur Provinz und Basileios II. unterwarf Bulgarien komplett und vollendete die Missionierung Russlands.

Danach, nämlich nach Basileios des II. Tod 1025 n. Chr., ging es ebenso stetig bergab. Revolten, eine verarmte Proletarierschicht, eine verstärkte Feindschaft der orthodoxen mit der katholischen Kirche und eine neue Bedrohung durch die Normannen und die Seldschuken machten Byzanz das Leben schwer. Anno 1054 n. Chr. exkommunizierten sich der katholische Papst und der orthodoxe Patriarch angeblich gegenseitig. So weit, so bescheuert, nur änderte das nichts daran, dass es mit Byzanz weiterhin steil bergab ging. Die Normannen und die Seldschuken knüpften den Byzantienern riesige Teile ihres Landes ab, und auch die Türken langten sehr heftig zu und schnappten sich einen riesigen Batzen von Kleinasien. Die Araber griffen ebenfalls ein, Bulgarien und Serbien wurden aufmüpfig, die Kroaten lösten sich ganz. 1081 n. Chr. war Byzanz fast am Ende, als ein Mann den Thron bestieg, dessen Genialität es für den Anonymen Christen unverständlich macht, dass er nicht so bekannt ist wie viele andere tolle Herrscher, nämlich Alexios. Dieser schaffte das Unmögliche und verhinderte durch extremes diplomatisches Geschick ein weiteres Vordringen der Türken und Seldschuken. Er hatte das Riesenproblem, dass Byzanz vier Jahre vorher Jerusalem an die Araber verloren hatte. Des Seldschuken Togrulbegs Großneffe Melikschah nämlich hatte es 1077 n. Chr. erobert. Nach Melikschahs Tod hatte sich das Seldschukenreich übrigens in drei Teile geteilt, und einer dieser Teile nochmals in zehn. Wichtig ist hier vor allem das kleine Reich des Ertogul 1231 bis 1288 n. Chr., dessen Fürstentum zu diesen zehn gehörte, denn sein Nachfolger Osman I. gründete dann das osmanische Reich.

Aber der Anonyme Christ greift vor, wollen wir uns doch zunächst mit den Kreuzzügen beschäftigen. Alexios rief nämlich nun zum ersten Kreuzzug auf, einerseits, um zu prüfen, ob eine Wiedervereinigung beider Kirchen noch möglich war, denn er sah noch mehr als die Katholiken die extreme Gefahr für das Christentum durch den Islam, andererseits ab auch, um die Araber zu beschäftigen und sich der Rückeroberung widmen zu können, was ihm bezüglich Westkleinasien, einiger slawischer Gebiete und den Eroberungen der Normannen auch gelang. Es begann also alles damit, dass Alexios  1095 n. Chr. eine SMS an Papst Urban II. schrieb, man möge ihm doch Ritter schicken, um das heilige Land von den Ungläubigen zu befreien. Urban willigte ein, hoffte er doch, damit der katholischen Kirche einen gewissen Vorteil bei der von ihm geplanten Wiedervereinigung von orthodox und katholisch zu erlangen.

Nun war es nicht so, dass man sagte "Wir unternehmen einen Kreuzzug!" Das Wort "Kreuzzug" kannte man noch nicht. Man zog halt in eine Schlacht oder zu einem Eroberungszug weit weg, um das heilige Land von den Heiden zu befreien, ok, aber man nannte das noch nicht Kreuzzug. Immerhin ging man anfangs davon aus, dass ein einmaliger Auftritt in Jerusalem für Ruhe und Ordnung sorgen würde. Weit gefehlt, Herr Rittersmann! Es ist etwas schwierig, die Kreuzzüge alle zu beschreiben, darum versucht der Anonyme Christ es in einer den meisten Christen geläufigen Form, welche übrigens nicht der Bibel, sondern eigentlich einem Lied entnommen ist:

Am ersten Kreuzzüge (1096 bis 1099 n. Chr.) sandte Gott die Ritter und sie waren siegreich. Sie eroberten große Teile um Jerusalem herum und gründeten ein Reich, den so genannten Kreuzfahrerstaat. Jerusalem eroberten sie, und Blut floss durch die Gassen, als die Ritter die heilige Stadt plünderten. Gott sah, dass es gut war.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, zweiter Kreuzzug (1147 bis 1149 n. Chr.): Gott sandte die Ritter, auf dass sie Edessa, welches die Araber zurückerobert hatten, wieder einnahmen. Doch unkoordiniert und uneinig versuchte jeder seine eigenen Eroberungen, und es ward ein großen Heulen und Zähneknirschen, eine furchtbare Niederlage der Christen. Gott sah, dass es halt Pech war.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, dritter Kreuzzug (1189 bis 1192 n. Chr.): Gott sandte Ritter nach Jerusalem, welches Saladin, ein superfähiger Araber, zurückerobert hatte. Doch selbst die geballte Macht Richard Löwenherzens und Phillip des II. kam nicht bis Jerusalem, deren Besuch Saladin übrigens friedlichen Pilgern gestattet hatte und deren christliche Einwohner er sehr gut behandelte. Gott sah, dass es eher so mittelmäßig war.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, vierter Kreuzzug (1202 bis 1204 n. Chr.): Gott sandte vorwiegend französische Ritter nach Konstantinopel, denn dort gab es interne Schwierigkeiten in Byzanz. Man half und verlangte dafür die Vereinigung der beiden Kirchen, doch sie scheiterte am Widerstand der Bevölkerung. Damit war eine Hoffnung auf Vereinigung endgültig gestorben. Weiter kam man im vierten Kreuzzug nicht. Gott sah, dass es halt Franzosen gewesen waren, und dafür war das Ergebnis doch ganz ok. Allerdings fällt auch der französische Kinderkreuzzug in diese Zeit, welche in der Sklaverei und im Tod vieler Kinder endete, und das war weniger gut.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, viereinhalbter Kreuzzug (1217 bis 1218 n. Chr.): Gott sah mit Verwunderung, dass einige Ungarn es auch versuchten. Vergeblich. Er sah, und er blinzelte verdutzt.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, fünfter Kreuzzug (1228 bis 1229 n. Chr.): Gott sandte Friedrich II. von Rom, welcher für kurze Zeit Jerusalem zurückerobern konnte. Aber eben nur für kurze Zeit. Gott sah, dass es gut war.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, sechster Kreuzzug (1248 bis 1254 n. Chr.): Gott sandte Ritter nach Jerusalem, weil dieses 1244 n. Chr. wieder in arabische Hände gefallen war. Vergebens, Ludwig IX. schaffte es nicht. Gott sah, dass es halt Pech war.

Es wurde Abend, es wurde Morgen, siebter Kreuzzug (1270 bis 1270 n. Chr.): Gott sandte Ritter nach Jerusalem, aber Krankheit raffte sie dahin. Gott sah, dass wohl nix zu machen war, und gab halt Ruhe.

Jetzt sind wir schon im 13. Jahrhundert n. Chr., also bringen wir es auch zu Ende mit dem byzantinischen Reich. Im 12. Jahrhundert n. Chr. hatte Byzanz noch Bosnien, Dalmatien und Kroatien zurückerobert, die Ungarn vertrieben und die Normannen in Sizilien bekämpft. Der beste Freund von Byzanz war zu der Zeit Venedig, eine aufblühende Handelsstadt, die exzellente Handelsbeziehungen zum dennoch verarmenden Byzanz hatte und sich durch die Normannen ebenfalls bedroht fühlte. So kämpfte Venedig an Byzanz Seite, bis es erkennen musste, dass Byzanz nicht nur die Bedrohung durch das normannische Sizilien beenden wollte, sondern auch Sizilien selbst haben wollte. Das aber hätte Venedig völlig von seinen Haupthandelswegen abgeschnitten, und darum wandte sich die Stadt nun gegen den ehemaligen Bundesgenossen. 1204 n. Chr. war dann Ende mit Byzanz: Die vielen Ritter aus dem Westen, die Türken mit ihren verheerenden Angriffen, die abfallenden slawischen Staaten, der wirtschaftliche Ruin, die ausgeprägte Gegnerschaft Papst Innozenz des III. und die Feindschaft Venedigs waren zuviel für den bröckelnden Staat, womit ein weiteres tausendjähriges Reich zu Ende ging.

Nun hat der Anonyme Christ ja schon die Sache mit den Normannen erwähnt. Im Jahre 793 n. Chr. nämlich, also etwa zu Beginn des Hochmittelalters, ging es nämlich los mit den Normannen, also jenen Leuten, deren Ursprungsländer im heutigen Norwegen, Schweden und Dänemark sowie Jütland lagen. Wer in dieser Aufzählung nun die Finnen vermisst, sei getröstet. Die Finnen sind keine Normannen, sondern stattdessen in einem Atemzug mit den Ungarn zu nennen. Im Grunde sind die heutigen Ungarn der Teil der Finnen, der im 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr. vor den Slawen auf ihrem Zug nach Norden und Osten fliehen musste. Die eigentlichen Normannen überfielen 793 n. Chr. das erste Kloster in England, nämlich Lindisfarne, und viele sollten noch folgen, selbst, wenn sich Harald von Dänemark 826 n. Chr. taufen ließ. Die Wikingerreiche stritten natürlich auch kräftig unter sich, Harald Schönhaar einte 872 n. Chr. Norwegen, die Jüten unter Gorm dem Älteren unterwarfen 945 n. Chr. die Schweden, sein Sohn Harald Blauzahn wurde 965 n. Chr. Christ , dessen Sohn Svend Gabelbart verjagte ihn 974 n. Chr., der Norweger Erik der Rote besiedelte 984 n. Chr. Grönland, sein Sohn Leif Ericsson entdeckte kurz danach Amerika noch weit vor Kolumbus, die Schweden wurden stärker, schüttelten die Jüten ab und unterwarfen unter Harald dem Siegreichen die Dänen 994 n. Chr.. Und die Norweger wurden unter Olaf Tryggvason nicht so ganz freiwillig Christen. Die Isländer übrigens auch. Das muss so um 1000 n. Chr. gewesen sein und damit acht Jahre vor den Schweden, welche dann auch Christen wurden. Gabelbarts Sohn Knut der Große eroberte nun wiederum seinerseits England und Norwegen und Schottland.

Nun war es nicht so, dass beim Überfall der Normannen auf das englische Kloster Lindisvarne den Engländern die Wikinger völlig unbekannt waren. England hatte ja vorher schon Probleme gehabt mit den Jüten, Sachsen und Angeln, die ab 449 n. Chr. bei ihnen eingefallen waren, warum sie sich entweder nach Wales zurückgezogen hatten oder in die Bretagne geflohen waren. Aber dann wähnte man sich über Jahrhunderte hinweg halbwegs sicher. Da saß man nun und aß Catfisch in Minzesoße mit gekochtem Ingwerbraten, als 973 n. Chr. plötzlich die Wikinger einfielen. Die Wikinger wollten vor allem Häfen und Reichtümer, und die bekamen sie auch, denn wirklich viel hatte man den Nordmännern (Normannen) nicht entgegenzusetzen. Ab 850 n. Chr. war die schlimmste Zeit, bis Alfred der Große von England 885 n. Chr. nach einigen Siegen über die Normannen einen Frieden vereinbaren konnte. Das ging so lange gut, bis seine Nachfolger York, seinerzeit dänisches Gebiet, einnahmen und die Normannen daraufhin etwas sauer waren. Um eine Rückeroberung zu verhindern, musste man nun den Normannen ordentlich Tribut zahlen. Doch alles zahlen nützte nix, denn nach der berühmten Schlacht von Hastings, in der die normannischen Bogenschützen so legendär glänzten, wurde Knut der Große, ein Däne also, 1016 n. Chr. König von England.

Nach Knut dem Großen kam in Dänemark ab 1047 n. Chr. eine Zeit weniger starker und recht kurzlebiger Könige, die dem Römischen Reich deutscher Nation Vasallen waren und dem Rest der Welt ziemlich egal. Das änderte sich so ab 1157 n. Chr., als mit Waldemar dem Großen, Knut IV. und Waldemar dem Sieger ein Trio recht starker Könige nacheinander das Sagen hatte. In dieser Zeit eroberte man, belehnte man oder vereinte man unter sich Pommern, Mecklenburg, Estland, Holstein, Lübeck, Hamburg, Rügen und Schwerin. Man verprügelte die Piraten, die seinerzeit in Dänemark ziemlich wüteten, dermaßen, dass sie entweder zu friedliebenden Bäuerchen oder zu aufgedunsenen Wasserleichen wurden. 1227 n. Chr. war aber dann eigentlich schon das Ende der dänischen Großmacht erreicht, denn nach der Schlacht bei Bornhövel gegen die Deutschen blieb den Dänen nur noch Estland. Und halt Dänemark selbst.

Den Schweden ging es nicht besser. 1262 n. Chr. verloren sie Grönland an Norwegen, 1264 n. Chr. Island. Vorausgegangen war ein erbitterter Religionskrieg zwischen den dortigen Christen und den dortigen an die nordische Götterwelt Glaubenden, welche ständig Gegenkönige aufgestellt hatten und 1125 n. Chr. aufgegeben hatten, und sodann ein Regierungskrieg zweier Familien, der das Land bis 1250 n. Chr. ebenfalls sehr geschwächt hatte und zum Ergebnis hatte, dass beide Familien nun ausgestorben waren. Erst dann beruhigte sich die Lage etwas.

Zum Norwegen jener Zeit gibt es nicht wirklich viel zu sagen, vielleicht abgesehen davon, dass Papst Innozenz III. sich dermaßen mit König Sverrir verkrachte, dass er ihm das Regieren verbot, was diesen freilich nicht die Bohne interessierte. Haarkon Haarkonarsson und Magnus Harkonarsson dürften zwei weitere Namen sein, die in dieser Zeit starke Könige darstellten, letzterer versöhnte sich zum zumindest soweit mit der Kirche, dass er ihr einige Sonderrechte zugestand, die im restlichen Europa oft selbstverständlich waren. Einer ist besonders erwähnenswert, nämlich Wilhelm der Eroberer, der von 1066 bis 1087 n. Chr. zu sagen hatte und neben der Nomandie bald ganz England beherrschte und die Angelsachsen unterdrückte. Das normannische Feudalsystem führte er auch ein, und schon gab es auch normannische Ritter. Wilhelms Nachfolger prügelten sich - wie es Tradition war - gerne mit den Franzosen, bis dann 1154 n. Chr. das Herrscherhaus der Anjou in England an die Macht kam und direkt ihren besten Vertreter präsentierte: Heinrich II..

Jener Heinrich II. beschnitt 1164 n. Chr. durch kluges Verhandeln die allzu groß gewordenen Rechte der Kirche in England wieder etwas, auch, wenn dies zu einer dauerhaften Feindschaft mit dem Bischof führte. Vor allem aber strickte er seine Verwandtschaftsverhältnisse und Hochzeiten so, dass irgendwann eine Unmenge Land ihm gehörte. Und weil ihm das noch nicht reichte, begann er 1171 n. Chr. auch noch, Irland zu erobern. Durch kluge Gesetze schaffte Heinrich es überdies, die Macht der Herzöge gegenüber dem König stark zu schwächen. Im Jahre 1189 n. Chr. kam für zehn Jahre sein Sohn Richard Löwenherz an die Macht, der jedoch außer einem misslungenen Kreuzzug nicht viel auf die Beine brachte, auch, wenn er für seine hervorragende Ritterlichkeit bekannt war. Sein Nachfolger wiederum, König Johann ohne Land, erlitt eine herbe Niederlage gegen die Franzosen und wurde 1209 n. Chr. auch noch von Papst Innozenz III. gebannt, weil er den von diesem eingesetzten Bischof nicht akzeptieren wollte. Philipp von Frankreich sah seine große Chance, doch Innozenz hinderte ihn an der Eroberung Englands, denn ein zu mächtiges Frankreich war Innozenz etwas zu riskant. 1214 n. Chr. wurden zu allem Übel auch noch die englischen Herzöge aufständig und Johann musste ihnen viele neue Rechte zugestehen. Kein Wunder, dass er dann zwei Jahre später ins Gras biss. Sein Sohn Heinrich III. bekam dann erneut Probleme mit den Baronen, bevor auch er 1272 n. Chr. starb.

Ganz anders gestrickt war Edward I., der den Walisern erst mal dermaßen übers Maul fuhr, dass Stonehenge bröckelte. Weniger nett war, dass auch er die Schulden vieler Leute bei den Juden auf die unfeine Weise tilgte und die Juden kurzerhand rausschmiss. Vor allem aber vermöbelte er die Franzosen, insbesondere Philipp den Schönen. Das war so etwa 1298 n. Chr.. Weniger erfolgreich war er bei seinem Kleinkrieg gegen die Schotten, doch immerhin war er besser als sein Nachfolger. Dieser, Edward II., bestieg 1307 n. Chr. den englischen Thron und verlor Schottland 1314 n. Chr. komplett. 1327 n. Chr. zwang man ihn zur Abdankung, sogar seine Frau Isabelle gehörte zu den Verschwörern. Im selben Jahr setzte er sich wieder auf ein Thrönchen und wurde dabei ermordet, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Neue, Edward III., gab den Schotten wieder richtig Feuer unterm Kilt, jedoch schaffte auch er es nicht, die Schotten zu unterwerfen. 1339 n. Chr.  ging es dann los mit dem hundertjährigen Krieg, der im Grunde noch viel länger, nämlich bis 1453 n. Chr. ging, denn nach dem Tode Philipps des Schönen hatte auch Edward III. zu denjenigen gehört, die den französischen Thron für sich gefordert hatten, natürlich vergebens. Doch was man nicht von alleine bekommt, kann man sich ja selber holen, muss sich Edward gedacht haben. 1340 n. Chr. vernichteten die Engländer dann auch erst mal einen großen Teil der französischen Flotte, und 1346 n. Chr. zeigten die englischen Bogenschützen in der berühmten Schlacht von Crecy, dass sie selbst ein zahlenmäßig überlegenes französisches Ritterheer locker zu Boden spicken konnten. Ein Jahr später eroberte Edward III. Calais, einen wichtigen Landungsplatz für seine Truppen. Noch zwei Jahre später verringerte die Pest über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg die Bevölkerung Europas um gut ein Drittel, auch England traf sie mit voller Härte. Überdies stritt sich Edward III. mit dem Klerus und den Schotten. Aber an dieser Stelle würden wir das Hochmittelalter schon in Richtung Spätmittelalter verlassen, also lassen wir es sein.

Die Engländer hatten ja schon immer Streit mit den Franzosen gehabt, aber dazu musste es natürlich erst einmal Franzosen geben. Die gab es aber in dem Sinne erst ab 842 n. Chr.. Wie es dazu kam? Nun, Karl der Große, ein Karolinger, wurde ja 800 n. Chr. zum Kaiser gekrönt. Er prügelte solange auf die Sachsen unter Widukind ein, bis diese sich freiwillig zum Christentum bekehrten, und machte die Langobarden endgültig platt, um sie mit seinem Reich zu vereinen. Außerdem wehrte er sich gegen die Revoluzzer von Bayern, die schon damals von sich meinten, sie seien ein Freistaat, und er vereinte die Stämme gegen die von Osten her eindringenden Avaren, deren Eroberung Karl ungeheure Schätze brachte. Er beherbergte Papst Leo II., als dieser angeklagt und verfolgt wurde, bis zu seiner Rehabilitation. Und er knüpfte dem oströmischen Reich Venedig ab. Darüber hinaus schaffte Karl Ruhe in Spanien, Dänemark und Böhmen, alles Dinge, die den Franken sehr nützten, aber auch der Kirche gefielen, die Franken aber unabhängig von der Kirche beließen.

Diese Abhängigkeit entstand erst, nachdem Ludwig der Fromme, Karls unfähigster Sohn, 814 n. Chr. seine Nachfolge antrat. Der in der Tat superfromme Einfaltspinsel machte drei riesige Fehler neben unzähligen kleinen. Erstens ließ er sich nochmals in Rom zum Kaiser krönen und bestärkte damit die Kirche als Legitimationsinstanz der Kaiserwürde, zweitens ließ er unzählige unchristliche Bücher verbrennen und brachte die Menschheit so um wertvolle Erkenntnisse, und drittens verteilte er schon zu seinen Lebzeiten das Erbe, und zwar so ungerecht, dass seine drei Söhne sich darum prügelten wie die Kesselflicker.

Es gibt auch Quellen, die behaupten, das Ludwig der Fromme als Mönch geendet sei. Ludwig litt allerdings sehr unter dem Bordell von einem Hof, das Karl der Große ihm hinterlassen hatte. Von Intrigen und Skandalen am Hof gebeutelt, wurde er also angeblich Mönch. Sagt man. Stimmt aber nicht. Er war zwar wirklich fromm und wurde auch von seinem Sohn Lothar 834 n. Chr. dazu genötigt, einem Kloster beizutreten. Allein: Er blieb draußen.

Es kam, wie es kommen musste, 842 n. Chr., im Jahr von Ludwigs Tod, teilten die Brüder nach jahrelangem Blutvergießen das Frankenreich in ein West- und ein Ostreich. Das Westreich unter Karl dem Kahlen sollte eines Tages Frankreich werden, das Ostreich unter Ludwig dem Deutschen (der Name ist eigentlich Schwachsinn, den Deutschland gab es seinerzeit nicht) wurde irgendwann Deutschland. Karl der Kahle war zwar ein einigermaßen guter Herrscher, dennoch spaltete sich in den Herrschaftsjahren seiner Nachfolger Burgund wieder ab, um sich dann sogleich in zwei Reiche aufzuteilen, nämlich Niederburgund (877, die Provence) und Hochburgund (888, die Schweiz) unter den Welfen, welche durch ihre Herrschaft über Bayern bekannt sein könnten. Karl der Einfältige, Sohn Ludwig des Stammlers und Enkel Karl des Kahlen, musste schließlich das Reich noch mehr verkleinern, indem er den Normannen unter Rollo die Ansiedlung in der Normandie erlaubte. Das ganze Reich sah zu dem Zeitpunkt ohnehin schon aus wie ein Flickenteppich, hatte doch der Feudalismus dazu geführt, dass das Land immer weiter zerstückelt wurde. 987 n. Chr. war es mit der karolingischen Herrschaft vorbei, denn nun bekam eine andere Familie das Sagen.

Diese Kapetinger, die durch päpstlichen Einfluss gewählten Nachfolger der französischen Karolinger, waren zunächst Marionetten des Papstes, von Hugo Capet angefangen bis etwa zu Ludwig dem Dicken (VI.), (1108 bis 1137 n. Chr.) seinem Sohn Ludwig VII. (1137 bis 1180 n. Chr.) und seinem Enkel Phillipp II. (1180 bis 1226 n. Chr.). Alle drei waren energisch genug, das Königreich wieder aufzubauen, alle drei prügelten sich vor allem mit England, wobei Phillip II. zwar die Seemachtstellung verlor, aber dafür Johann ohne Land von England 1214 n. Chr. besiegte und die Normandie von England zurückeroberte, was Johann seinen Namen einbrachte. Außerdem galt Phillip als der Albigensermetzger schlechthin, denn diese Sekte bekämpfte er mit allen Mitteln. Als nächster kam Ludwig VIII., der Heilige, der bis 1270 n. Chr. die Grenzen festigte, und als Friedrich II., der Staufe, starb, war Ludwig im Grunde der erste Mann in Europa.

Und was geschah auf deutscher Seite? Nun, nachdem Ludwig der Deutsche 842 n. Chr.  die Herrschaft über den Ostteil des Frankenreiches übernommen hatte, kam es zuerst einmal zu einer Aufteilung des Reichs in drei Teile, denn er hatte drei Söhne. Wichtig ist das allerdings nicht, denn nur einer, Karl der Dicke, überlebte lange genug und somit hatte man dann doch nur einen König statt Dreier. Er prügelte sich mit den Normannen, versöhnte sich dann aber mit ihnen, als er sah, dass die Normannen sowohl das Sachsenland als auch Paris ziemlich übel zu plündern im Stande gewesen wären. Um 1000 n. Chr. sah das heutige Deutschland so aus, dass mehrere größere Stammesherzogtümer das Sagen hatten, alle unter der Aufsicht von Karls Nachfolgern. Als größte müssten die (Ost-)Franken genannt werden, die ja immerhin den karolingischen Obermotz stellten, die Bayern, die Schwaben, die Lothringer, die aber 911 n. Chr. schon zu den Westfranken überliefen, die Thüringer… ach ja, die Thüringer wurden irgendwann von den Sachsen unterworfen. Der letzte gewählte fränkische König, aber schon kein Karolinger mehr, war 911 n. Chr. Konrad I. Als der 918 n. Chr. ins Gras zu beißen drohte, designierte er revolutionärerweise einen Sachsen zum König, nämlich Heinrich I.. Klar, dass die Bayern mal wieder was besonderes sein wollten und einen so genannten Gegenkönig wählten, nämlich Arnulf. Doch Heinrich stellte sich als recht klug heraus. Er ließ Arnulf Arnulf sein und holte stattdessen Lothringen zurück in sein Reich, außerdem verhandelte er mit den Ungarn, zahlte ihnen Tribut und verhinderte so die Brandschatzerei, die die Ungarn überall sonst in Europa anzettelten, für sein Reich. Vor allem aber baute Heinrich Burgen, weshalb er auch den Beinamen Burgenbauer bekam, und er stellte ein schweres Reiterheer zusammen. Als er dann mit den Tributzahlungen aufhörte, war Ostfranken gegen die Ungarn gewappnet. 933 n. Chr. behob er dann das Ungarn-Problem, zwei Jahre später starb er.

Sein Sohn war Otto I., und während Heinrich die Herzöge links liegen gelassen hatte, strebte Otti nach der Erneuerung der Königsmacht, was er schon dadurch demonstrierte, dass er bei seiner Krönung in Aachen viele politische Gegner - gut bewacht - als Bedienstete auftreten ließ. Gerade Arnulf fand das echt doof und starb zwei Jahre später auch. Keine drei Jahre vergingen, und Otto hatte Arnulfs Sohn, Eberhard von Bayern, unterworfen. Das führte zu einem Mordsaufstand, in dem auch ein weiterer Heinrich, nämlich Ottos jüngerer Bruder Heinrich der Zänker, auf der Seite der Revolution stand. Doch wurde der Aufstand niedergeschlagen, Heinrich dem Zänker aber wurde verziehen; er war ja immerhin des Königs Bruder. 946 n. Chr. kam dann ein echt mieser Schachzug Ottos, in dem er nach Paris ging, einen Streit des dortigen Ludwigs mit seinem Herzog Hugo schlichtete und sich dabei quasi nebenbei zum König über ALLE Franken, also auch die Ostfranken und die Langobarden ausrief. Doch da sich zu dem Punkt eigentlich keiner wehren konnte, hatte Otto ab dann genügend Zeit, sich dem Osten zu widmen. Die Slawen machte er teils tributpflichtig, die Böhmen unterwarf er gar ganz, vor allem aber vernichtete er das ungarische Heer vollständig, worauf die Ungarn christlich und sesshaft wurden und endlich Ruhe gaben. 961 und 962 n. Chr. rückten dann die Ottos alle ein Stück die Karriereleiter hoch: Otto I. wurde zum Kaiser ernannt, sein Sohn Otto II. zum König. Otto I. kümmerte sich vorwiegend um Italien und das gute Verhältnis zur Kirche, bis er 973 n. Chr. die Spülung runterrauschte und Otto II. Kaiser wurde. Otto II. hatte dann einige Probleme mit aufmüpfigen Herzogtümern und aufmüpfigen Normannen und aufmüpfigen Slawen, vor allem aber mit den Arabern, die ihn 982 n. Chr. vernichtend schlugen. Im Alter von nur 28 Jahren segnete auch dieser Otto das Zeitliche. Dass sein Sohn, Otto III., nur drei Jahre alt war, sahen königstreue Kirchenleute nicht als ein Problem; hier zahlten sich Ottos I. Bemühungen um die Kirche aus, aber Leute wie Heinrich der Zänker von Ex-Bayern (er war abgesetzt worden) sahen das ganz anders. Doch neben den Kirchenleuten regierten zwei energische Weibsbilder Ottos III. Reich, nämlich im Norden Theophano, seine Mutter, und im Süden Kaiserin Adelheid. 985 n. Chr. gab man dem Zänker Bayern zurück und er war wieder brav. Otto III. lebte nur 22 Jahre, nämlich bis 1002 n. Chr., und in dieser Zeit gliederte er Polen komplett an das Reich an und stritt sich mit der Kirche, weil er sich als Kaiser auch als kirchlichen Herrscher oder zumindest als Verwalter von deren Güter sah, die Kirche selbst ihm aber den Stinkefinger entgegenreckte.

Der gewählte Nachfolger Heinrich II. der Heilige, übrigens Sohn des Zänkers, hatte erst mal ein Problem mit den Polen, die Böhmen eroberten und sich so gar nicht mehr wie eine Provinz benahmen. Dreizehn Jahre lang stritt man, bis die Polen es endlich einsahen. Derweil flammten in Italien Aufstände auf, die niedergeworfen wurden, was eine Beschäftigung war, die Heinrich II. immerhin bis zu seinem Tode 1024 n. Chr. einnahm, zumal auch noch die Normannen sich nun in Süditalien festzusetzen versuchten. Leider hatte Heinrich der Heilige in seiner Heiligkeit vergessen, Kinder zu zeugen, und so suchte man krampfhaft nach königlichen Alternativen, welche man dann auch in einem entfernten Verwandten namens Konrad II. fand. Dieser prügelte sich mit Polen und Ungarn ein bisschen, verschenkte Schleswig an den Normannen Knut den Großen, gliederte aber Burgund komplett in sein deutsches Reich ein. Außerdem hackte er erfolgreich auf die wieder mal revoluzenden Italiener ein - mit Erfolg. Seine beiden Nachfolger, Heinrich III. und IV., waren dann komplett durch die Streitereien um die Kirche gebunden.

Damit kommen wir zum so genannten Investiturstreit, der alleine aufgrund seiner strategischen Winkelzüge interessant genug ist, genauer betrachtet zu werden. Heinrich III. auf dem Thron des heiligen römischen Reiches deutscher Nation musste mal wieder gewaltsam zwischen Polen und Böhmen schlichten und hatte ansonsten mit der Kirche zu tun. Warum? Weil man sich dort nicht auf einen Papst einigen konnte. 1046 n. Chr. gab es zum Beispiel insgesamt drei Päpste, jeweils als Gegenpäpste gegen die beiden anderen ernannt. Alle wurden auf einer Synode abgesetzt und Heinrich II. setzte seinen eigenen Papst auf den Thron, nämlich Clemens II.. Der starb weg. Machte nix, es gab ja genügend Kandidaten. Leo IX. wurde Papst. 1053 n. Chr. hatte dieser Leo ein Problem: Normannen. Diese hatten sich erfolgreich in Süditalien niedergelassen und strebten nun nach Norden, was sie veranlasste, dem Papst erst mal acht Monate lang in den Kerker zu schmeißen. Heinrich III. befreite Leo IX. durch Verhandlung. 1054 n. Chr. verhandelten Ost- und Westkirche zum vorerst letzten Mal über eine Wiedervereinigung.

Anno 1056 n. Chr. folgte Heinrich der IV., damals noch ein Kind, auf den Thron, und seine Mutter regierte recht kurzsichtig, was zur Folge hatte, dass sie 1062 n. Chr. im Kloster landete, nachdem die Kirche (!) Heinrich IV. entführt hatte. Doch so schlecht mag diese Entführung nicht gewesen sein, denn Heinrichs neuer Lehrer, Erzbischof Adalbert von Bremen, regierte klug, bis Heinrich IV. 1065 n. Chr. mündig wurde und Adalbert auf Drängen der Lobbyisten absetzte. Bevor nun der eigentliche Investiturstreit einsetzte, hatte Heinrich IV. noch mit seinem ehemaligen Berater Otto von Northeim zu tun. Diesen hatte er nach einer Anklage wegen Mordes seiner Besitztümer in Bayern enthoben, und nun, sprich 1073 n. Chr., führte jener Otto von Northeim die Sachsen in einem Aufstand gegen Heinrich, welcher immerhin zwei Jahre brauchte, um klare Verhältnisse zu schaffen.

Bevor wir nun zum eigentlichen Investiturstreit kommen, möchte der Anonyme Christ noch über die Bedeutung des Kirchenbanns referieren, sonst versteht nämlich wieder kein Schwein, was eigentlich genau im Investiturstreit abging. Wenn die Kirche einen König bannt, ist das im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht ein Sturm im Wasserglas, sondern eine erhebliche existentielle Gefahr für den Gebannten. Das gilt insbesondere für Herrscher. Wenn die Kirche einen Herrscher bannt, dann hat das weit reichende Folgen für sein ganzes Volk, denn erst einmal wurden damit alle Sakramentsspendungen verboten, auch Glocken durften nicht mehr geläutet werden. In diesem Land konnte also nun keiner zur Erstkommunion oder Firmung gehen, keiner heiraten, zum Priester werden oder beichten. Nur die Taufe und die letzte Ölung konnte man erhalten. Das ist eine Situation, die bei der Glaubensstärke der mittelalterlichen Bevölkerung durchaus schwierig ist. Doch gab es auch ein feines Rezept dagegen, das für die Kirche ein großes Risiko darstellte. Ein gebannter König erklärte nämlich seinerseits dann oft, dass sein Land wiederum den Papst nicht anerkenne, und schnell war jemand gefunden, der als so genannter Gegenpapst Gottes Wort für sich beanspruchte und natürlich bereitwillig das Volk des Gebannten mit Sakramenten überschüttete. Es gab Zeiten, in denen drei Päpste zugleich an der Macht waren und jeder von ihnen sogar durchaus gute Argumente hatte, warum gerade er und nicht sein Nachbar der rechtmäßige Papst sein sollte. Und bei solch einem reichhaltigen Angebot an Päpsten inklusive geistlichem Gefolge war ein Kirchenbann nur noch halb so wild. Das Machtspiel zwischen Päpsten und weltlichen Herrschern ist eine hochinteressante Angelegenheit und hat insbesondere für Europa schon so manche umwälzenden Wendung gebracht.

Aber nun zum eigentlichen Investiturstreit: Ladiiiiiiiiiiiiiiiies and Gentlemen! In der rechten Ecke der Titelverteidiger, der König des heiligen römischen Reichs deutscher Nation, der jähzornige, aber durchaus nicht dumme Heinriiiiiiiiiiiiiiich IV.! In der linken Ecke der Herausforderer, der hässliche, bucklige, aber nichtsdestotrotz geniale neue Papst, gewählt in einem Tumult, gestählt in vielen Jahren Kloster, mit bürgerlichem Namen Hillebrand: Gregoooooooooooor VII.! Schon beginnt der Kampf: Gregor tänzelt um Heinrich herum und holt zum ersten Schlag aus, indem er bestimmt, ab jetzt sei der Kaiser einzig und alleine vom Papst einzusetzen (zu investieren, daher Investiturstreit), außerdem sei ja der König ein kirchlicher Laie, warum er auch keine Bischöfe mehr einsetzen dürfe! Ein Volltreffer, eine Ohrfeige sondergleichen! Doch Heinrich wird nur noch zorniger und beschimpft den Buckligen. Gregor tänzelt und droht dem Heinrich mit dem Kirchenbann. Jetzt schlägt Heinrich zurück, und Zack! Gibt’s eins auf die Tonsur, denn Heinrich macht seine Bischöfe darauf aufmerksam, dass das Machtspiel für sie viel schwieriger würde, wenn Laien nicht mehr Bischöfe sein könnten. Er lässt kraft der Stimmen dieser Bischöfe Gregor VII. absetzen. Doch Gregors Leute infiltrieren nun die Bischöfe, bis diese Gregor dann doch wieder für legal erklären. Sofort bannt Gregor den Heinrich. Guter Treffer, denn ein Herzog muss nur dann einem König gehorchen, wenn dieser von Gottes Gnaden ist. Ein Gebannter aber kann nicht von Gottes Gnaden sein. Heinrich wird angezählt, denn nun bekommt er seine Herzöge nicht mehr in den Griff. Er reist 1077 n. Chr. nach Canossa, wo Gregor zu der Zeit Urlaub macht, schmeißt sich im Büßergewand in den Schnee (richtig, es war Winter) und führt mannigfaltige Reuerituale durch. Ist er nun am Ende? Mitnichten, denn die korrekte Anwendung aller Reuerituale zwingt Gregor, die Verbannung aufzuheben. Außerdem wissen wir jetzt alle, warum ein Gang nach Canossa so schwer ist. Zweite Runde: Heinrich IV. kann mit einigen blauen Flecken seine Herzöge wieder unter sich zwingen und setzt zu einem linken Haken an: Er lässt Clemens III. zum Gegenpapst wählen. Volltreffer! Gregor bannt Heinrich ein zweites Mal, doch diesmal ist Heinrich besser vorbereitet, hat seine Herzöge im Griff und duckt sich unter dem Schlag weg. Kinnhaken von Heinrich: Autsch! Treffer! Er war mit seinen Leuten nach Rom gezogen und hatte sich vom Gegenpapst zum Kaiser krönen lassen. Gregor schwankt, fällt und wird angezählt: …8, 9, 10! Im Bewusstsein der vollen Niederlage stirbt Gregor. And the Winner is… Moment mal, Gregor hat einen Nachfolger, Urban II. (der, der auch den ersten Kreuzzug ausgerufen hat)! Dieser versperrt Heinrich den Rückweg von Rom, indem er in einem Bündnis mit dem Herzog Welf von Bayern den Durchzug durch die Alpen verhindert. Guter Zug, Heinrich schwankt und muss dem Welfen Bayern als eigenen Besitz anerkennen, um dort durchziehen zu können. Zurück in Deutschland, wird der Gegenpapst abgesetzt und sowohl der Kaiser als auch der echte Papst werden anerkannt. Doch die Fürsten sind nun das Aufmüpfen gewöhnt, und an der Spitze der Aufmüpfer ist niemand anders als Heinrich V., Heinrich des IV. Sohn. Frech wie Dreck setzt er 1106 n. Chr. seinen Vater ab und lässt sich durch den Papst als neuen Kaiser legitimieren. Hat also Gregor/Urban doch gewonnen? Nein, Heinrich V. zieht nun nach Italien und nimmt den Papst schlichtweg gefangen. Volltreffer also! Der Papst erkennt erst mal die königliche Investitur an. Sein Nachfolger ist 1119 n. Chr.  Papst Calixt II. Die Gegner, beide geschwächt, tänzeln umeinander, schließlich, 1122 n. Chr., einigen sich die Parteien so, dass zwar der Papst den König einsetzt, aber der Vorgängerkönig anwesend sein muss, um Einfluss zu nehmen. Um aber die Bedrohung durch ständige Italienfeldzüge irgendwelcher Könige einzudämmen, ist die Zustimmung des Vorgängerkönigs in Italien und Burgund nicht nötig. Heinrich V. willigt erschöpft ein. Und wer war jetzt der Sieger, Ladies and Gentlemen? Ganz klar: Die Fürsten, denn ihre Macht war nun groß wie noch nie. An zweiter Stelle dürfte die Kirche stehen, Verlierer ist der Kaiser. Sieg nach Punkten sozusagen.

Doch waren die Streitereien mit der Kirche immer noch nicht am Ende, denn nun ging es 1125 n. Chr. um die Frage, wer denn Heinrich des V. Nachfolger sein konnte. Friedrich II., Heinrichs Neffe? Oder Lothar von Sachsen? Die Frage entschied sich dadurch, dass ja nun der Kaiser vom Papst legitimiert werden musste, und da sich in Rom gerade auch Innozenz II. und Anaklet II. um den Papstposten prügelten, war klar, dass der, der auf den Sieger im Papstprügeln setzte, auch Kaiser werden würde. Lothar setzte auf Innozenz, Friedrich auf Anaklet. Innozenz gewann, somit wurde 1129 n. Chr. Lothar von Sachsen Kaiser. Nachdem Lothar dann den Dänen und den Böhmen, die etwas aufmüpfig geworden waren, den Kopf zurechtgerückt hatte, sprang er dankbarerweise auch Innozenz II. zur Hilfe, als mal wieder die Normannen vom Königreich Sizilien aus Rom erobern wollten. 1137 n. Chr. starb Lothar, und die Sachsen hatten die längste Zeit die deutschen Könige gestellt.

Das mit den Normannen hatte noch ein Nachspiel. Zu Anfang des Spätmittelalters war der Status in Italien etwa so: Im Süden saßen - seit 1059 n. Chr. als päpstliche Vasallen förmlich (aber nur förmlich) anerkannt - die Normannen, nördlich der Kirchenstaat unter der Knute des Papstes mit Rom in der Mitte, in Norditalien herrschte zu der Zeit Karl von Anjou aus dem englischen Herrscherhaus; seine Hauptstadt war Neapel. So weit, so gut. Nun kam bei den Normannen Roger II. ans Ruder, und zwar 1130 n. Chr.. Dieser Roger II. war ein guter Staatsmann. Keiner muckte bei ihm auf und er eroberte hier und da ein bisschen Land. Roger II. zwang Innozenz II., ihm Lehen zu geben. Damit saßen die Normannen recht fett in Süditalien drin. Vor allem verhinderte er das Aufkommen des Feudalismus in Süditalien und hielt sich so als unumschränkter Herrscher ganz wacker, bis er 1154 n. Chr. abnippelte. Sein Nachfolger Wilhelm der Böse griff Byzanz an, dessen Nachfolger Wilhelm der Gute griff Ägypten an, beides mit mäßigem Erfolg.

Eigentlich hätte es Lothar von Sachsen, der bis 1137 n. Chr. das heilige römische Reich deutscher Nation regierte, ja gerne gesehen gehabt, wenn seine rechte Hand, der tapfere Heinrich der Stolze, sein Nachfolger geworden wäre. Doch war den Bischöfen, allen voran Erzbischof Alberos von Trier, die Macht der Sachsen im Grunde zu groß, und vor allem die Fürsten, welche durch den Investiturstreit sehr an Macht gewonnen hatten, hätten es nicht gerade gut gefunden, diese Macht wieder durch einen starken Führer wie den Stolzen zu verlieren. Also suchte man in den vielen Villen des damals topmodernen gotischen Baustils einen schwachen Herrscher, denn man konnte ja nun frei wählen. Man fand einen solchen Schwächling, dachte man zumindest, in dem hageren und mit einem großen, schmalen Zinken in der Nase umherwandernden Konrad III., einem Staufer, der überdies ohnehin schon recht alt war. Die Staufer wurden nach der Burg Hohenstaufen, ihrem Sitz, benannt. Es gab natürlich erst mal Zank um diesen Neuen, denn die Welfen in Bayern konnten die Staufer nun mal gar nicht ab. Doch der Neue stellte sich nicht als Schwächling, sondern als fähiger Feldherr und Staatsmann heraus, so dass die Welfen bald auf Bayern verzichten mussten und auch die Böhmen, wie immer aufmüpfig, Ruhe geben mussten. Insofern verwundert es nicht, dass er auch seinen Neffen Friedrich I., wegen seines roten Bartes Barbarossa genannt, auf den Thron setzen konnte. Dieser half erst mal 1153 n. Chr. dem Papst Eugen III., welcher große Probleme mit dem Senat hatte, und sicherte ihm auch noch Schutz gegen Sizilien (Wir erinnern uns: Dort saßen Normannen) zu. Er wurde zum Kaiser gekrönt, aber als dann Wilhelm I. von Sizilien frech wurde, half Friedrich nur kurz und haute dann ab. Der Papst, inzwischen war es Hadrian IV., drehte sein Fähnchen und schloss einen Vertrag mit jenem Wilhelm, den er belehnte. Barbarossa war ein guter Feldherr, ritterlich und geradeheraus, doch flankierte ihn der 1159 n. Chr. zum Erzbischof von Köln ernannte Rainald von Dassel, ein echter Fuchs und Barbarossa treu ergeben. So wurde Dänemark zum Vasallenstaat, Schlesien ebenso, die schon unter Lothar von Sachsen begonnene Besiedelung des Nordens wurde fortgeführt, und die Böhmen bekamen als treue Helfer Barbarossas in dieser neuen Rolle die Königskrone. Tja, dass die Kirche nicht gut auf Barbarossa zu sprechen war, war klar; und das war für Barbarossa beileibe nicht schlecht. Denn als dann 1157 n. Chr. zwei Boten des Papstes bei Barbarossa ankamen und einen Brief vorlasen, missbrauchte der gewitzte Rainald von Dassel eine missverständliche Formulierung zu einem künstlichen Wutanfall und warf die Papstgesandten raus. 1158 n. Chr. konnte Barbarossa dann nach Italien ziehen, und zwar erst mal in die Lombardei. Die eroberte er, was eine sehr ergiebige Einnahmequelle brachte, nur Mailand musste er noch etwas länger belagern, bis man auch dort 1162 n. Chr. einsah, das Barbarossa das Sagen hatte. Die Kirche konnte dagegen nicht viel machen, stritten sich doch dort wieder zwei Päpste darum, wer von ihnen denn der Echte war. 1168 n. Chr. starb Rainald von Dassel an einer Seuche in Italien, und diese Seuche war es auch, die es den Städten erleichterte, sich von Friedrich wieder loszusagen. Nach einigen Schlichtereien und Streitereien mit seinen Leuten in Mitteleuropa schaffte es Barbarossa dann, einen durch Familienbünde verstärkten Pakt mit Sizilien zu erreichen. Das war ein Alptraum für den Papst, der nun in der Mitte zwischen zwei starken, kirchenfeindlichen Reichen stand. Friedrich Barbarossa hatte dann  erst einmal ein nautisches Problem, und ertrank dann 1189 n. Chr. beim zweiten Kreuzzug während des Badens in einem Tümpel..

Sein Sohn Heinrich VI. hatte dann viele Probleme: Heinrich der Löwe, ein seinerzeit von Barbarossa seiner Lehen enthobener Welfe, versuchte mit dem Sachsen zusammen den Aufstand gegen Heirich VI.. Richard Löwenherz aus England, Freund der deutschen Fürsten, verbündete sich mit Trankard von Sizilien, dem er gegen viel Geld auf den Thron verholfen hatte und der beileibe nicht der Kandidat gewesen war, den die Staufen gebraucht hätten, um ihre Macht zu festigen. Glücklicherweise geriet Richard Löwenherz kurz darauf in Heinrichs Gefangenschaft, und er presste den englischen Fürsten unheimlich viel Geld ab, denn im Grunde stellte er sie vor die Wahl: Entweder Richard wird an Frankreich ausgeliefert (Riesenkatastrophe, denn die Franzosen wollten England definitiv haben) oder England wird deutsches Lehen (mittlere Katastrophe). Die Fürsten wählten Zweiteres, und auch Heinrich der Löwe söhnte sich mit Heinrich VI. aus. Alles klar also? Yep, denn nachdem Trankard verstorben war, nahm sich Heinrich VI. 1194 n. Chr. die Krone von Sizilien auch noch, damit war das Abendland sein.

Doch alles war vergebens: Als Heinrich mit 32 Jahren 1197 n. Chr. starb, wurden die Fürsten wieder dreistfrech, Konstanze von Sizilien unterwarf sich dem Lehen des Papstes. Und Innozenz III., ein sehr talentierter Staatsmann auf dem Papst-Throne, konnte lächelnd zusehen, wie sich die Nachfolgefrage Heinrich des VI. im Streit zwischen seinem Bruder Philipp von Schwaben, unterstützt von Frankreich und Heinrichs des Löwen Sohn Otto IV. von Braunschweig zu einer blutigen Materialschlacht entwickelte, die das Staatsvermögen im Nu schwinden ließ. Innozenz III. mischte sich hier und da ein, und als beide Kontrahenten zu schwach waren, um noch weiter kämpfen zu können, setzte er schlicht Friedrich II. auf den Kaiserthron, der auch König von Sizilien war. Damit hatte er einen Papstfreundlichen zum König der ihn umgebenden Länder gemacht und die Gefahr für Rom war gebannt.

Dieser Friedrich II. war ein seltsamer Mensch, extrem begabt und sehr gebildet, doch eher von orientalischer denn von germanisch-römischer Lebensweise. Er prügelte die Dänen und er eroberte mit Hilfe des Deutschen Ordens Preußen, einen neu entstandenen Staat aus baltischen Siedlern. Die Dänen eroberten auch, aber eher im Norden. 1239 n. Chr. bannte den Friedrich II. dann auch noch der Papst (zum zweiten Mal), weil er nicht wollte, dass Friedrich zu mächtig wurde. Bald wählte man auch die üblichen Gegenkönige, aber erst, als Friedrich II. 1250 n. Chr. starb, war Schluss mit den Staufern, die dann nur noch eine Zeitlang in Sizilien herrschten, während es in Deutschland mehrere Zwischenkönige gab.

Nachdem die Staufer 1250 n. Chr. das Zepter abgegeben hatten, kam in Deutschland eine Zeit schwacher Zwischenkönige, und erst 1273 n. Chr. wählte man dann einen echten Neuen. Dabei setzte sich Rudolf I. als Habsburger durch. Übrigens geschah diese Wahl auf Drängen von Papst Gregor X., der ursprünglich wieder einmal einen Kreuzzug vom Zaun brechen wollte und daher eine starke Führung in Deutschland haben wollte. Rudolfs Gegner bei der Wahl war übrigens Ottokar II. von Böhmen gewesen, den Rudolf bei der Schlacht am Marchfeld 1278 n. Chr. besiegte. Sein Sohn bekam nur Böhmen und Mähren, der Rest war ab jetzt Rudolfs Besitz. Damit und mit weiteren Zugewinnen stärkte Rudolf I. seine Hausmacht, die er sogleich seinen Söhnen einerseits und einem nahen Verwandten, Graf Meinhard von Görz-Tirol, andererseits zuteilte. Doch auch im Osten tat sich etwas. Wieder einmal war ein Aufstand Preußens niedergeschlagen worden, und der Deutsche Orden, ein Ritterorden mit Verantwortlichkeit für die Ostgrenze des deutschen Reichs und deren missionarische Erweiterung, begann, Preußen zu kolonisieren. Schon bald gab es zwischen den deutschen und den preußischen Bauern keinen Unterschied mehr, und man wuchs zusammen.

Noch ein kleiner Abstecher in die Alpen sei an dieser Stelle erlaubt. Kaum war Rudolf I. 1291 n. Chr. über den Jordan gegangen, gründeten die drei Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden auch schon ein eigenes Reich, eine so genannte Eidgenossenschaft, aus dem später die Schweiz hervorgehen sollte. Übrigens wählte man nach Rudolfs Tod zuerst einen Typen namens Adolf von Nassau zum König, weil man einen schwachen Herrscher wünschte, doch sechs Jahre später setzte sich Rudolfs Sohn Albrecht I. doch durch. Der machte seine Sache auch gut, bis auf die Tatsache, dass er sich 1308 n. Chr. ermeucheln ließ. Na ja, jeder macht mal Fehler, doch die Folge war, dass zunächst nur noch Schwächlinge den Thron bestiegen. Die einzige wirklich wichtige Handlung dieser Gerippekönige war, dass sie nach verlorener Schlacht die drei zusammengeschlossenen Kantone als Reich akzeptierten, woraufhin natürlich sofort fünf weitere Kantone auf den Zug aufsprangen. Ansonsten stritt man mal untereinander, mal mit dem Papst, mal gar nicht.

Noch ein bisschen weiter nach Nordosten hin waren ja bekanntlich die Slawen zu finden. Diese blieben unter lockerer chazarischer oder avarischer Knute, breiteten sich aber enorm aus, und zwar in alle Richtungen. Nach Nordwesten zogen sie und besiedelten das heutige Russland und all die kleinen Staaten, die da herumliegen, nach Nordwesten zogen sie und besiedelten das heutige Polen, Tschechien und so weiter bis runter nach Ex-Jugoslawien und gar nach Griechenland, welches sie sich heftig erkämpfen mussten. Vorübergehend wurden die Mähren, welche im heutigen Osttschechien lebten, die stärkste Macht der Slawen, hatten sie doch einerseits gute Anbindungen an die Franken, welchen sie tributpflichtig waren, und andererseits ein paar kluge Herrscher, die die inneren Streitereien bei den Franken gut nutzten. 863 n. Chr. zum Beispiel gründete Rastislav die christlich-orthodoxe Kirche dadurch, dass er sich an Byzanz hielt, welches die Macht Roms ohnehin nicht so wirklich mochte. Wie auch immer, Mähren ging es wie allen anderen auch. Irgendwann bröckelte auch ihre Kultur, und unter dem Eindruck der enormen Gefahr, die inzwischen von den aggressiven Ungarn kam, schloss man sich kurzerhand Ostfranken, dem späteren Deutschland, an.

Ungarn? Welche Ungarn? Na, ganz einfach die Leute, die von den Slawen auf ihrer Wanderung nach Nordosten vertrieben wurden, ein finnischer Stamm mit einer türkischen Oberschicht (wir erinnern uns: die Hunnen und ihre Nachfolger (so auch die Türken) hatten ja alle lose unter der Knute). Diese Leute versuchten nun, sich dort niederzulassen, wo sie auch heute noch sind, offensichtlich also recht erfolgreich. Burgund, Spanien, Byzanz, vor allem aber Ostfranken: Keiner blieb von ihren plötzlichen Reiterangriffen ungeschoren, die nach hunnischem oder avarischem Muster verliefen. Klar: Die Ungarn reihen sich in diese Reitervölker auch blutsmäßig teilweise ein. Erst Heinrich der Burgenbauer konnte den Ungarn wie oben beschrieben die Stirn bieten.

Die meisten Slawen orientierten sich nach Byzanz hin, was die orthodoxe Kirche hervorbrachte. Einzig die Polen und die Böhmen orientierten sich nicht nach Byzanz, sondern nach Franken, was bis heute zur Folge hat, dass die Polen als eines der wenigen slawischen Völker vorwiegend katholischen und nicht orthodoxen Glaubens sind. Wenig tröstlich für Byzanz mag es da gewesen sein, dass sich die Russen, damals einfach nur die Rus, eine Mischung aus den nach Osten gewanderten Slawen und den Wikingern, um so mehr für es interessierten, denn dieses Interesse war eindeutig auf Eroberung ausgelegt. Wie auch immer; in den Jahrhunderten vor und nach der Jahrtausendwende ging es immer mal wieder heiß her, bis man irgendwann, schon weit im Spätmittelalter, seinen Frieden miteinander machte. Frieden gab es auch nach mehreren Kriegen zwischen Byzanz und den Bulgaren, womit plötzlich eine Ruhepause eingetreten war. Nur eine Atempause, wie sich herausstellen sollte. Westlich war wie gesagt auch die Orientierung Böhmens, das im 10. Jahrhundert ein Vasallenstaat der Deutschen war, seinerseits aber mit Polen stritt und Schlesien an Polen verlor, dafür aber Mähren eingliederte.

Die Serben konnten sich 1077 n. Chr. aus der byzantinischen Oberhoheit herauswursteln und vereinten sich 1171 n. Chr. zu einem Reich, allerdings ohne Bosnien, welches unter ungarische Fuchtel geriet. 1186 n. Chr. folgte dann auch Bulgarien, das schon immer irgendwo zwischen Staatsfeind und Vasall von Byzanz stand, in die Unabhängigkeit. Das hört sich das jetzt besser an, als es war, denn bis 1241 n. Chr. sah es unter Ivan Asen II. zwar sehr gut aus und man eroberte viel Land im Südwesten, aber nach seiner Herrschaft gab es keine echt starken Führer mehr, das Reich bröckelte kulturell und vor allem wirtschaftlich unter der Last der eindringenden Mongolen und Ungarn. Letztere wurden aber zu jener Zeit selbst schon heftig von den Mongolen attackiert und große Teile des Landes verwüstet.

Auch bei den Russen ging es zu Beginn des Spätmittelalters um 1050 n. Chr. schlecht, denn nach König Jaroslaws Tod 1054 n. Chr. kam es zu Bürger-, Bruder- und Nachbarschaftskriegen, in denen die bislang die Vormacht innehabenden Kiewer eben diese verloren (Die Kriege ebenso wie die Vormacht). Zanken macht schwach, und als dann das Jahr 1223 n. Chr. kam, kamen auch die Mongolen. Diese sind in einem anderen Kapitel behandelt, aber in Bezug auf die Russen bedeuteten sie eine dunkle Zeit. Primär dauerte diese Zeit zwar nur 18 Jahre, doch nach ihrem Abzug hinterließen die Mongolen in Russland einen extrem schwachen Staat, der erst durch Moskau im 14. Jahrhundert langsam aber sicher wieder aufgebaut wurde.

Südlich davon landen wir dann wieder bei den Arabern, über die der Anonyme Christ dieses Kapitel ja auch schon erzählt hatte. Dort regierte als nächstes nämlich bis 1258 n. Chr. die Abbassiden-Dynastie. Es wäre müßig, nun alle Kalifen durchzugehen, denn wichtiger war die Wirkung auf das Abendland. Die Kultur war durch den Islam im Morgenland zu unerreichter Blüte gekommen, und neben aller Streiterei handelte man auch, tauschte kulturelle und wissenschaftliche Ideen aus, und hier haben sich die Europäer wirklich viel von den Muslimen abgucken können. 935 n. Chr. übrigens gab es innerislamisch einen großen Bruch, denn die die Bujiden-Dynastie riss die weltliche Herrschaft an sich, während die geistliche Macht beim Kalifen blieb. Keine wirklich gute Entscheidung, denn schon 969 n. Chr. entfleuchten die Syrer und die Ägypter den Arabern, später der ganze Rest der östlichen Ausdehnung. In Ägypten kamen die Fatimiden an die Herrschaft, eine Dynastie, die muslimisch war und nach inneren Streitereien durch die Aiyubiden abgelöst wurde. Deren Stammherr war die berühmte Kreuzfahrer-Nemesis Saladin, seines Zeichens Kurde. 1257 n. Chr. revoltierten dann die Mameluken, eigentlich die aus der Sklaverei gekauften Söldner der Aiyubiden, und lösten diese Dynastie durch ihre eigene ab, namentlich durch ihren Führer Aibeg. Auch die restlichen von Arabien abgefallenen Nordafrikaner hatten einige große Dynastien vorzuweisen, so die Almoraviden, die Almohaden, die Hafiden in Tunesien, die Ziyaniden in Algerien, die Meriniden in Marokko, die übrigens die Ziyaniden 1393 n. Chr. unterwarfen, die Watasiden, welche den Meriniden folgten. Fast alle dieser Dynastien prügelten sich mit Europa, mal erfolgreich, mal weniger, und mit den Türken, mal erfolgreich, und mal weniger. So, der Anonyme Christ schließt hiermit nun seine Darstellungen über das Hochmittelalter, mal war er erfolgreich, mal weniger. Weiter geht es, falls interessiert, im Kapitel über das Spätmittelalter.
 

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