Von der Spätantike und dem Frühmittelalter 375 bis 800 n.Chr.
Aktualisiert am 28. Juli 2008 von AliSpätantike und Frühmittelalter sind die Epochen dieses Kapitels. Direkt werden Kritiker meckern, dass es ja unsinnig sei, die Spätantike aus dem Zusammenhang der Gesamtantike herauszulösen und sie einfach mir nix dir nix dem Frühmittelalter zuzuschlagen. Doch der Anonyme Christ hat sich dabei einiges gedacht. Das europäische Mittelalter – und gerade das frühe – kann man nur wirklich verstehen, wenn man sich darüber klar ist, wie sehr die späte Antike es beeinflusst hat. Die gesamte Philosophie, Glaubenswelt, Juristik und Gesellschaft des frühen Mittelalters war extrem auf die antiken Werte ausgerichtet, freilich ohne auch nur ansatzweise den Glanz und die Errungenschaften der Spätantike zu erreichen. Die Epoche, über die der Antike Christ hier erzählt, geht etwa von 375 n. Chr. bis 800 n. Chr., wobei man das Ende der Spätantike bei 476 n. Chr. festlegen kann, auf den Untergang Westroms. Doch bevor wir lang und breit auf Europa eingehen, sehen wir mal kurz nach Amerika, Australien und Afrika, nur, um festzustellen, dass sich dort geschichtlich wenige größere Wendungen vollzogen. Ok, in Afrika bekamen die Nok aus dem heutigen Nigeria die Oberhand, so etwa ab 500 n. Chr. Es gab Handelsstädte wie 400 n. Chr. Jenno-jane, das heutige Mali, und Königreiche wie Ghana 700 bis 1205 n. Chr., aber das war’s dann auch an großen Dingen zwischen 350 und 800 n. Chr.. –
Sehen wir lieber nach Asien und Europa und stellen fest, dass die Hunnen echt coole Socken waren. Die haben eine Menge bewirkt. Fangen wir mal mit Asien an. Seit 600 Jahren gab es in Indien den Buddhismus schon, als das europäische Mittelalter begann. Das indische Großreich war 320 bis 535 n. Chr. in Händen der Gupta-Dynastie, doch fielen in diese Dynastie die Hunnen ein, so etwa 455 n. Chr. Diese wurden zwar 528 n. Chr. in China besiegt, doch blieb ein zerfallenes Reich, das erst um 650 n. Chr. wieder erstarkte, unter der so genannten späten Gupta-Dynastie. Während dessen, nämlich 420 n. Chr., hatte sich der nördliche Nachbar China in einen Nord- und einen Südteil gespalten, und während in Villa Bacho im Süden noch zwischen verschiedenen kleinen Dynastiechen gewurstelt wurde, feierte man in Villa Riba im Norden die Dynastie der Topa, ein starkes, blühendes Reich. Das war auch nötig, denn abgesehen von bekannten Völkern wie den Hunnen und Mongolen gab es im Grunde permanent einen Ansturm von Norden her, und die Topa wussten, China davor zu schützen. Bis 588 n. Chr. war man geteilt, während der Buddhismus Einzug hielt, dann kam man unter der Sui-Dynastie wieder zusammen.
Übrigens gilt der Einzug des Buddhismus auch für das shintoistische Japan, und zwar unter heftigstem Blutvergießen. Dort kam es 645 n. Chr. zu einer Reform unter den Taira, die das Feudalwesen abschafften und durch Beamte ersetzten, die nur dem Kaiser unterstellt waren, welcher übrigens seinerzeit Mikado genannt wurde (kein Witz, stimmt wirklich - wahrscheinlich hat man das bekannte Spiel nach diesen Kaisern benannt…).
Aber weiter im Text bezüglich China: Die Sui-Dynastie hatte China wieder geeinigt, wurde allerdings 618 n. Chr. von der Tang-Dynastie abgelöst, welche in den folgenden drei Jahrhunderten das chinesische Reich zu einem Weltreich machten. 723 n. Chr. übrigens schaffte es eines der Reitervölker mal kurz, Chinas Hauptstadt zu plündern, nämlich die Tibeter. War aber nicht von langer Dauer. Sauer darüber sind die Chinesen offensichtlich bis heute. Ansonsten beschäftigten sich manche Kaiser leidenschaftlich gerne mit dem Abschlachten von Buddhisten, andere ließ das kalt.
So, was haben denn die Hunnen sonst noch ausgelöst? Die Völkerwanderung quer durch Europa natürlich! Die Germanen waren die Hauptwanderwütigen, ein Volk bestehend aus den vielen Bevölkerungsgruppen, die man im Geschichtsunterricht nie auswendig zu lernen vermochte (warum auch?), und aus vielen Sippen, die sich in Kriegszeiten einen Führer wählten, ansonsten aber recht dezentral organisiert waren. Da gab es die Hermunduren, Sueben, (beide aus dem Donaugebiet nördlich der Alpen und mit Marschrichtung Südosten), Rugier (nordöstlich davon), Kimbern (die zogen aus Skandinavien nach Süden),Vandalen (die zogen den Kimbern nach), Goten (von Gotland nach Süden), Burgunder (aus dem Osten in Richtung Westen), Markomannen (von den Goten bedrängt nach Osten über Böhmen fliehend), Semnonen (später zu den so genannten Alemannen zusammengeschlossen von Osten her zum Rhein latschend), Brukterer und Chamaven (zusammen bekannter als "Franken" und seit damals neuestem eingenistet am Niederrhein, aber auch darüber hinweg bis nach Spanien und Marokko runter, ab 257 n. Chr. als Ostgoten in Südrussland und als Westgoten in Dakien und an der Rheinmündung), Heruler, Gepiden und Peukiner (flankieren die Westgoten), Veneter, Mordwiner, Aesten und Anten (alle von den Ostgoten unterworfen), Bastarier und Skiren (südlich davon) und viele andere.
Natürlich wurden auch die Gallier (Kelten) nicht von den Völkerwanderungen verschont, so dass sie von Trier als Hauptsitz nach Arles wechseln mussten. Die Vandalen, Quaden und Alanen überschritten 406 n. Chr. den Rhein, und auch Spanien verwüsteten sie und hausten wie die Vandalen. Erst in Nordafrika gaben sie Ruhe, nachdem man sie 429 n. Chr. als eigenes Reich anerkannt hatte. Ihr Anführer Geiserich war ein grausamer Egoist, aber fähig. Er eroberte Sizilien, Sardinien, weitere Teile Afrikas und plünderte 30 Jahre später sogar Rom. Na ja, macht nix, 524 n. Chr. machten die Römer die Vandalen ihrerseits platt. In der zweiten Reihe der Rheinüberschreiter kamen übrigens dann die Alemannen, etwas weiter südlich die Burgunder, aber langsam, und etwas weiter nördlich die Franken. Die Burgunder hatten ihren Hauptsitz in Worms, die Westgoten unter Weströmischer Ansiedlung in Tolosa (Toulouse). Leider war 436 n. Chr. vorerst Schluss mit den Burgundern. Westrom machte sie platt; es wollte kein zweites Vandalenreich dulden. Nicht, das Westrom diese Gebiete neu besiedeln konnte, denn flugs waren die Alemannen zur Stelle und übernahmen alles um Worms. Nördlich davon rückten die Franken nach, bis Mainz.
Und warum das alles? Nur wegen der blöden Hunnen. 451 n. Chr. beendete man die Hunnenplage dann endlich in einer unheimlich blutigen Schlacht bei Troyes. Westrom, Alanen, Burgunder, Sarmaten und Franken kämpften dabei gegen die Hunnen und die von ihnen unterworfenen Gepiden, Ostgoten, Rugier, Skiren, Heruler, Quaden und Thüriger. Tja, und die Ostgoten saßen inzwischen fett im alten römischen Reich, welches ja selbst in den letzten Zügen lag. Und während die Römer die Vandalen noch zu Ende würgten, begannen sie auch noch, auf den Ostgoten rumzuhacken. Klappte aber 552 n. Chr. dann doch: Das Ende der Ostgoten war das Ende eines der stärksten und größten Germanenvölker.
Aus dem von Diocletian 324 n. Chr. in zwölf Teile gespaltenen römischen Reich, das wie gesagt für eine ordentliche Regierung viel zu groß und komplex war, bildete sich schnell ein Ost- und ein Westrom heraus, dessen Hauptstadt Rom war und das massive Probleme mit den Franken aus dem Nordwesten hatte. Man löste sie unter hohen Verlusten, allerdings blieben die Probleme mit der Völkerwanderung weiter bestehen und gingen sogar soweit, dass Alarich 410 n. Chr. mit seinen Westgoten die Hauptstadt Rom plündern konnte, noch 40 Jahre vor dem oben erwähnten Geiserich. Die Westgoten waren zuvor zum Schutz vor den Hunnen in Westrom aufgenommen worden, doch nach Schwierigkeiten mit den Gastgebern hatten sie sich gegen die Römer gewandt. Als Attila mit seinen Hunnen 451 n. Chr. abgehauen war, waren die Wirren im Reich der Weströmer perfekt, und als 476 n. Chr. der letzte Kaiser Westroms Romulus Augustulus abgesetzt wurde, war Westrom – und damit die Spätantike - am Ende.
Das hatte auch in anderen Teilen der Welt Bedeutung. Als die Kelten in Schottland nämlich 476 n. Chr. eines Morgens verschlafen über den Hadrianswall guckten, waren die Römer plötzlich weg. Stattdessen saßen da nun einige Germanen, genauer gesagt Angelsachsen, und türmten alte Römerhelme aufeinander. Man begrüßte die neuen herzlich, kämpfte ein bisschen, vertrug sich aber meist, und gründete römerfreie Königreiche. Auf keltischer Seite waren das mehrere irische Königreiche, das Königreich Schottland und das Strathclyde (war walisisch, die Waliser hatten die Gelegenheit genutzt, um in Schottland zu landen). Und die vielen Pikten-Königreiche, auf angelsächsischer Seite Nordumbrien, Mercia und Wessex, und die Waliser hatten ein paar eigene Fürstentümer.
Für die Oströmer, die es immerhin geschafft hatten, 440 n. Chr. dem Hunnensturm standzuhalten, war das Aufgeben Westroms aber zunächst nur ein Zeichen der Wiederbereinigung des seit nunmehr 150 Jahren getrennten römischen Reichs, und Justitian von Ostrom vereinigte in der Tat nochmals das ganze Reich. Hier saßen allerdings inzwischen auch die Ostgoten im römischen Reich, und man vertrug sich nur mäßig. Justitian selbst, dessen Vorgänger Belisar 535 n. Chr. das Vandalenreich in Afrika zerschlagen hatte, versuchte 533 n. Chr. sogar, jene Ostgoten komplett zu vernichten, jedoch vergebens. 610 n. Chr. war dann aber endgültig Schluss mit Westrom. Kaiser Heraklios ließ die halbverweste Leiche Westroms los und Westrom verschwand in der Geschichte. Allerdings hat der Untergang Westroms riesige Bedeutung für das europäische Mittelalter, denn es war ein großes Reich gewesen, das mit seinen legendären kulturellen und wirtschaftlichen Blüten ein Vorbild für die nachfolgenden europäischen Machthaber sein sollte. Wer also über das frühe Mittelalter liest, sollte immer ein bisschen den Beigeschmack vom alten Rom im Mund haben.
Das Ostreich des geteilten Roms unterschied sich vor allem in einer Sache vom Westreich: Es lag im Osten. Kleiner Scherz. Also: Es unterschied sich vor allem dadurch, dass im Westen die Germanen die Oberhand über alles gewannen, während sie im Osten weitgehend draußen blieben. Klar, bemüht haben sie sich, aber Justitian, der in Byzanz, dem Nachfolger Ostroms, bis 565 n. Chr. der weltliche und kirchliche Herrscher war, schien stärker gewesen zu sein. Schien aber nur so, denn durch die Anstrengungen gegen die Germanen war nach dem
Tod Justitians das Reich so geschwächt, dass die Slawen den Balkan ohne große Probleme besetzen konnten und zum Beispiel das großbulgarische Reich gründen konnten. Nur hohe Tribute konnte sie davon abhalten, noch weiter zu gehen. Dementsprechend lag das oströmische Reich ziemlich am Boden, konnte sich aber immerhin soweit berappen, dass es 627 n. Chr. die Sassaniden vernichten konnte, welche trotz Tributzahlungen auf das Land einstürmten. Einzig die Langobarden, ein 568 n. Chr. gegründetes Reich von ursprünglich skandinavischen Siedlern in Oberitalien, konnte man nicht knacken. Die blieben und die störten. Erst Karl der Große aus dem Frankenreich sollte sie 774 n. Chr. unterwerfen.
Dann plötzlich, unter Konstantin IV. von Byzanz, wie das oströmische Reich inzwischen hieß, kam es 674 n. Chr. zu einer der wichtigsten Schlachten der Weltgeschichte. Aber um zu erklären, was da genau geschah, muss der Anonyme Christ wie so oft ein bisschen ausholen. Während das weströmische Reich in den letzten Zügen gelegen hatte, war nämlich im Jahre 571 n. Chr. Mohammed geboren wurden. Dieser heiratete dann erstmal und wurde dadurch reich. Er suchte und fand die Berührung mit dem
Judentum und Christentum, aber das reichte ihm nicht. Er war der Auffassung, dass er selbst ein Prophet sei, DER Prophet. Das glaubten ihm die Leute in Mekka, seiner Heimatstadt, nur sehr teilweise, weshalb er 622 n. Chr. die Beine in die Hand nehmen musste und nach Medina floh. Dort war er extrem erfolgreich. Schon 630 n. Chr. war im Grunde die arabische Welt nach Mohammeds Botschaft muslimisch und Mohammed kehrte im Triumph nach Mekka zurück, wo er zwei Jahre später auch schon abnippelte. Die Nachfolgefrage brachte mehrere Kandidaten auf die Pfanne, Grund genug für den Islam, sich bereits in dieser Frage zu spalten. Wie auch immer, zunächst mal war Abu Bekr Kalif (bis 634 n. Chr.), dann Omar (bis 644 n. Chr.), dann Othman (bis 656 n. Chr.), dann Ali. Der Islam stützte, motivierte und einigte Arabien, und so warf man sich sehr viel organisierter als je zuvor gegen Damaskus, Syrien, Palästina, Persien und die Sassaniden, Ägypten und Nordafrika (bisher waren die ja Teile des oströmischen Reichs, welches Byzanz wurde) als bisher. Diese Gegner wiederum waren teils recht wenig organisiert und in sich zerstritten. Man eroberte und gewann, und allerspätestens 711 n. Chr. hatte Europa dann zwei Probleme.
Das erste Problem war das, mit dem sich besagter Konstantin V. von Byzanz herumzuschlagen hatte. Unvermittelt stürmten Araber auf Konstantinopel, das heutige Istanbul, ein, und vier Sommer lang stand die Schlacht teils auf Messers Schneide, bis eines Tages eine feine Kombination aus griechischem Feuer und guten Windverhältnissen die Entscheidung gegen die Araber brachte. Hätte Konstantin verloren, wäre Deutschland heute vielleicht muslimisch. 717 und 740 n. Chr. zu Zeiten der Herrschaft Leons III. versuchten die Araber es erneut. 718 n. Chr. war das, aber da mühten sich die Muselmanen, die 661 bis 750 n. Chr. unter der Omaijaden-Dynastie waren, vergeblich. So konnte Byzanz sogar nach neuem Land greifen, so zum Beispiel nach Syrien.
Das zweite Problem waren ebenfalls die Muslimen, diesmal am Berge Dschebel-al-Tarik, welcher inzwischen Gibraltar heißt. Die dazugehörige Meerenge war eines der zwei Tore nach Europa, die die Muslimen benutzten, und zwar zunächst mal derart erfolgreich, dass man die Westgoten komplett wegpustete. Die ganze iberische Halbinsel war Tarik, dem arabischen Feldherrn, schnell untertan, und selbst die Kelten kamen mit den Arabern in Berührung. Es brauchte also einen Helden, der es schaffte, die Muslime zu stoppen.
Bevor der Anonyme Christ diesen Helden und seine Heldentat beschreibt, kann er es natürlich nicht lassen, mal wieder opulent weit auszuholen. Fangen wir an bei den Franken. Die Franken waren zunächst ein lockerer Verband vieler germanischer Stämme, so zum Beispiel der Salier, der Ripuarier, der Moselfranken, der Mainfranken und der Chatten. Diese Herrschaften hatten so genannte Gaukönige, von denen Chlodwig der brutalste war. Was ihn dann auch prompt zum Anführer machte, so etwa 482 n. Chr.. Noch war ja rein theoretisch das weströmische Reich der Herrscher über die Franken, aber 486 n. Chr. schüttelte man diese Herrscher ab, denn im Grunde hatte es das weströmische Reich ja schon seit zehn Jahren hinter sich. Dieser Chlodwig hatte zwar den Daumen auf den oben genannten fränkischen Völkern, aber noch nicht auf den Alemannen, darum musste er sich 496 n. Chr. mit denen prügeln. Die Schlacht verlief außerordentlich spannend, und so gelobte Chlodwig der Legende nach während der Schlacht, er werde ein Christ werden, wenn der so genannte allmächtige Gott zeige, dass er diese Schlacht noch wenden könne. Nun, irgendwie wendete sich die Schlacht dann in der Tat, ob mit oder ohne
Gottes Hilfe, wollen wir hier nicht erörtern. Chlodwig siegte und ließ sich taufen, ein Ereignis, dass für die weitere Geschichte Europas absolut entscheidend ist, denn er bestimmte dadurch das Christentum anstelle der germanischen Götter zur beherrschenden
Religion der nächsten 1.500 Jahre. Im Jahre 500 n. Chr. prügelte er dann auf die Burgunder im Süden ein, doch vergebens. Darum verbündete er sich stattdessen mit ihnen und kämpfte gemeinsam gegen die Westgoten, denen er einen Riesenteil Land abnahm. 511 n. Chr. gab Chlodwig den Löffel ab, seine vier Söhne eroberten 531 n. Chr. das Reich der Thüringer, welche ein Zusammenschluss aus Angeln, Warnen und Hermunduren waren. 534 n. Chr. machten sie dann doch noch die
Burgunder platt und brachten die Bayern in Abhängigkeit, einen Stamm, von dem man bis heute nicht weiß, ob er sich aus Langobarden-, Alemannen- oder Markomannenabspaltungen gründete. Übrigens gehörten die ganzen Könige ab Chlodwig zu den Merowingern, unter denen alles angeblich ziemlich verrohte.
Während nun die Romanik als Baustil ihre ersten Hohenflüge begann, hatte Pippin II. den letzten Merowinger Dagobert I. entmachtet. Nun kommen wir zum oben gesuchten
Helden. 714-741 n. Chr. bewies nämlich Pippin des II. Sohn Karl Martell (der Hammer), warum er seinen Namen verdient hatte und unterwarf nicht nur die Friesen und Alemannen komplett, sondern stoppte die Araber auch auf der westlichen Linie, nämlich bei Tours. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Muslimen fast die ganze iberische Halbinsel erobert. Bis auf ein unabhängiges christliches Königreich namens Asturien mit seiner Hauptstadt Oviedo, das das nördliche Drittel der Halbinsel hielt, war plötzlich alles dort muslimisch und nannte sich Omaijadisches Emirat von Cordoba. Aber immerhin: Karl Martell hatte sie gestoppt.
Nachdem nun zunächst auch sein Bruder mitregiert hatte, wurde Pippin III., Karl Martells Sohn, 751 n. Chr. König der Franken und half dem Papst gegen die Langobarden, worauf hin der Kirchenstaat in Italien um die
Stadt Rom herum gegründet wurde. Nebenbei zerbröselten durch Pippins Hilfe auch noch die letzten Reste des westgotischen Reichs. Diese Hilfe jedenfalls sollte eine lange Bindung zwischen der Kirche und den Franken begründen. Pippin III. war ein fähiger Regent, sein Beiname der Kleine bezog sich also eher auf seine Körpergröße denn auf seine Leistungen. Im Grunde war das mit der Kirche auch nicht schlecht für die Franken, doch wollte der Sohn Pippins III., Karl der Große, diese Bindung niemals zu einem Abhängigkeitsverhältnis gegenüber der Kirche werden lassen, seitdem er 768 n. Chr. an die Macht kam.
Ein Machtmittel ist ja immer die militärische Stärke, und auch hier irrt man oft sehr in Bezug auf die Kirche. Die christliche Kirche ist ja nun mal per se pazifistisch, und daher liegt die Vermutung nahe, dass sie auch nicht über eine Armee verfügt. Doch das wäre falsch. Selbst, wenn man die Kreuzzüge als Sonderfall außen vor lässt, kann man nicht behaupten, dass die katholische Kirche keine Armee hat. Zwar besaß sie nie eine eigene, doch hatte sie seit frühester Zeit schon einen Vertrag mit Byzanz, welches sozusagen die Hausarmee der Katholiken stellte. Als Konstantinopel später für die katholische Kirche ein zu heißes Pflaster wegen des Islams und der sich wandelnden Lebensweise im nahen Osten wurde, wandte man sich in Sachen Verteidigung gegen die Langobarden an das Frankenreich, welches gerne einwilligte, da deren König Pippin der Kurze durch die Rückendeckung der Kirche seine Position festigen konnte. Als man Papst Leo damals die Zunge herausschneiden und ihn blenden wollte, konnte dieser echt Hilfe brauchen. Pippins Sohn Karl der Große hat dann mit Leo den
Handel geschlossen, dass dieser ihn als Kaiser über alle nicht-orthodoxen Christen salbe und er dafür die Langobarden verjage. Seitdem waren lange Zeit die Franken - auch nach der Aufteilung des Reichs - für die Kirche verantwortlich, wenn es darum ging, sich in ihrem Namen die Nasen blutig zu prügeln. Das versprach Einfluss, und die Unterstützung des Papstes war damals extrem w
ichtig. Kaiser Heinrich III. fühlte sich gar derart verantwortlich für die Kirche, daß er kurz hintereinander drei Päpste absägte. Später gründete man den Deutschritterorden. Inzwischen gibt es im Vatikan eine kleine, aber feine Miniarmee in Form der Schweizer Garde. Nicht schlagkräftig, aber hübsch. Aber der Anonyme Christ greift vor, zurück zum Thema.
Wer nun glaubt, er habe in diesem Kapitel zum letzten Mal von den Hunnen gehört, irrt. Die Hunnen mit ihrem
Feldherrn Attila hatten bereits Jahrhunderte zuvor auch die Slawen relativ unsanft aus ihrem Dornröschenschlaf geküsst. Sie hatten das Reich der Alanen vernichtet und lösten durch die Völkerwanderung auch aus, dass auch die Slawen in Richtung Westen zogen. Die Hunnen sollten nicht das letzte einfallende Volk von Reitern sein, denn schon 558 n. Chr., also 150 Jahre nach den Hunnen, kamen die Avaren, ein
Volk ähnlicher Machart, auf demselben Wege. Zu denen gehörten inzwischen auch viele Slawen, welche vor allem nun Byzanz
Probleme bereiteten und sich im 7. Jahrhundert auf dem Balkan ansiedelten. Dort gründeten sie – siehe oben - das großbulgarische Reich.
Byzanz verbündete sich mit den Franken und schaffte es so in der Tat, die Avaren in Schach zu halten. Interessanterweise befanden sich auf beiden Seiten der Schlachten Türken: Die ursprünglichen Türken, Nachfahren der Hunnen, standen auf der avarischen Seite; die inzwischen sesshaften Türken von südlich des Avarenreiches standen auf byzantinischer. Das großbulgarische Reich wurde also zerstört und die Bulgaren wanderten in Richtung Norden ab, zumal sie auch noch vom nächsten
Reiterstamm vom Osten her bedroht wurden, den Chazaren.
Dann kam die Zeit des Bilderstreits, in dem es um die Legitimation oder das Verbot von Bilderverehrung unter den Christen ging. Der Streit erschütterte Byzanz, und als dann Karl der Große (ein Franke!) 800 n. Chr. zum Kaiser gekrönt wurde aufgrund seines Versprechens, er werde ab jetzt die Kirche mit seiner militärischen Macht schützen, war eine tiefe Feindschaft zwischen den Franken und Byzanz die Folge, denn nur EIN Kaiserreich war nach Meinung von Byzanz möglich, nicht zwei. Spätestens an dieser Stelle waren die katholische (Rom) und die orthodoxe Kirche (Byzanz) tief gespalten. Hinzu kam, dass die Slawen Byzanz dann den Balkan abnahmen, doch Byzanz eroberte ihn später zurück.
Die Kaiserkrönung Karls des Großen nimmt der Anonyme Christ jetzt mal als eine der vielen Möglichkeiten wahr, das frühe Mittelalter vom hohen Mittelalter abzugrenzen. Ins hohe Mittelalter wechselte man in Europa also 800 n. Chr. unter der ständigen Bedrohung durch die Muslime, und dann kamen auch noch die Wikinger, die Europas Küsten gegen den Uhrzeigersinn entlangfuhren und immer wieder plünderten, aber auch handelten. Zu Byzanz gehörten damals übrigens auch Sardinien und Sizilien, und bis dorthin kamen die Wikinger, gar bis Konstantinopel. Aber das ist schon eine andere Geschichte, und diese lese man am besten im Kapitel über das Hochmittelalter nach.
- Vom Hochmittelalter und der Ritterszeit 800 bis 1350 n.Chr. Der Anonyme Christ rechnet zum Hochmittelalter relativ pauschal die Zeit von der Kaiserkrönung Karls des Großen 800 n.
- Von der neuen und der neuesten Geschichte 1918 n.Chr. bis Heute Wir beginnen in Afrika.
- Von Aufklärung und Revolution 1800 bis 1870 n.Chr. Sie hätten es wissen müssen.

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